"Banken-Ferien" in Griechenland sorgen für Verunsicherung

Höchstens 60 Euro am Tag bekommen Griechen am Bankautomaten. Für Touristen gilt die Regelung nicht - doch viele Bankautomaten sind leer.
Höchstens 60 Euro am Tag bekommen Griechen am Bankautomaten. Für Touristen gilt die Regelung nicht - doch viele Bankautomaten sind leer.
Foto: Getty
Was wir bereits wissen
Die Banken in Griechenland sollen nach den geplatzten Verhandlungen mit den internationalen Geldgebern eine Woche lang geschlossen bleiben. Die Folgen sind bislang kaum absehbar. Die Bevölkerung reagiert verunsichert.

Athen/Berlin.. Es ist ein Montag wie kein anderer in Griechenland. Zwar scheint die Sonne, es ist sommerlich warm, auf den Athener Straßen herrscht das übliche Verkehrschaos. Doch die Banken haben geschlossen, auf Anordnung der Regierung. Für ein Land mit dem Euro als Währung ist das ein Schock - auch wenn viele Griechen ihr Geld bereits in den vergangenen Wochen abgehoben und in ihren Wohnungen oder Gärten versteckt haben.

Ob Geldautomaten Geld ausspucken, ist Glückssache

Die Frage, wie es nun weitergeht nach dem Bruch mit den Gläubigern des hochverschuldeten Landes, beschäftigt die Menschen, die in den Cafés sitzen oder vor den Geldautomaten Schlange stehen. Ob die Maschine überhaupt noch etwas ausspuckt, ist Glückssache. Bei den Bürgern der griechischen Hauptstadt schwankt die Stimmung zwischen Verständnis, Ärger und Verunsicherung.

Griechenland-Krise Die Maßnahmen, die auf die Menschen im Land in nächster Zeit zukommen, sickern am Montag erst nach und nach durch. Demnach sollen unter anderem die Banken mindestens bis zum 6. Juli geschlossen bleiben. An den Geldautomaten sollen maximal 60 Euro pro Tag abgehoben werden können, Überweisungen ins Ausland sind nicht möglich. E-Banking innerhalb des Landes ist hingegen nicht betroffen. Diese Kapitalverkehrskontrollen gelten aber nicht für Ausländer, mit ausländischen Bankkarten sollen weiter Transaktionen möglich sein, heißt es.

Regierung will Liquidität der griechischen Banken sicherstellen

"Banken-Ferien" nennt das regierende Linksbündnis Syriza diese Maßnahmen. Die Regierung wolle damit die Liquidität des griechischen Bankensektors sicherstellen, nachdem die internationalen Geldgeber eine Verlängerung des am 30. Juni ablaufenden Hilfsprogramms um einige Tage abgelehnt hatten.

Tourismus "Die Stunde Null in Griechenland", kommentieren TV-Analysten am Montag. Kaum jemandem im Land ist klar, wie es jetzt weitergehen wird. "Banken zu, Verhandlungen offen", titelt am Montag die linksgerichtete Zeitung "Efimerida ton Syntakton". "Wann öffnen die Banken wieder?", fragt die Zeitung der Mitte "Ta Nea" besorgt. "Es herrscht Angst vor verschlossenen Türen auch über den nächsten Montag hinaus." Das letzte Wort habe im Zweifelsfall Finanzminister Gianis Varoufakis.

Griechen sollen am 5. Juli über Sparmaßnahmen abstimmen

Die Menschen reagieren sehr gespalten auf die neuerliche Zuspitzung der Krise. "Die Situation war die ganzen letzten Jahre schon schwer, aber das ist jetzt der Höhepunkt", sagt der 33-jährige Andreas, der als Taxifahrer in Athen arbeitet. "Die Volksabstimmung hätte viel früher kommen müssen. Aber jetzt bricht ja schon vorher alles zusammen."

Gemäß Parlamentsvotum vom Wochenende soll die griechische Bevölkerung am 5. Juli darüber abstimmen, ob die von den internationalen Geldgebern in der vergangenen Woche vorgeschlagenen Sparmaßnahmen angenommen werden. Dazu gehören unter anderem Mehrwertsteuererhöhungen und eine Rentenreform. Die EU-Kommission hatte Einzelheiten des Vorschlags veröffentlicht, die griechische Regierung tat dies bislang nicht. Die Wirtschaft im Lande würde nur weiter abgewürgt, tat Ministerpräsident Alexis Tsipras das Papier ab.

Er weiß, dass er zumindest bislang immer noch einen großen Teil der Bevölkerung hinter sich hat. "Die Volksabstimmung ist genau das richtige, damit wir klar und deutlich sagen können, was wir als Volk denken", sagt die 24 Jahre alte Jurastudentin Evdokia. Andere sind hingegen verzweifelt. "Die Regierung treibt uns mit ihren Wirrungen in den Wahnsinn", meint die 37 Jahre alte Büroangestellte Chara Draga. "Eine Frau hat sich heute Morgen an meiner Metrostation auf die Gleise gestürzt. Ich bin dann zu Fuß gegangen."

Die Notfall-Reisekasse für Griechenland - Was geht jetzt noch?

An Griechenlands Bankautomaten geht das Geld aus. Wie kommen Urlauber jetzt noch an Bares? Funktioniert die Kreditkarte noch? Welche Alternativen gibt es sonst?

  • Bargeld: Griechen dürfen ab sofort maximal 60 Euro pro Tag an den Geldautomaten abheben. Touristen sind davon aber nicht betroffen. Sie können unbegrenzt Geld abheben, für ausländische Bankkarten gilt diese Beschränkung nicht - vorausgesetzt die Geldautomaten sind nicht leer. Das Auswärtige Amt rät deshalb deutschen Griechenland-Besuchern, ausreichend Bargeld mitzubringen.
  • Kreditkarten: Laut ADAC und dem Zentrum für Europäischen Verbraucherschutz sind Zahlungen mit Kreditkarten weiterhin theoretisch möglich. Es könnte allerdings sein, dass Geschäfte oder Restaurants auf Bargeld bestehen.
  • EC-Karten: Ähnliches gilt für EC-Karten. Unter Umständen ist es nicht mehr möglich, mit ihnen zu bezahlen.
  • Geldtransfers: Wenn alle Stricke reißen und Urlauber wirklich dringend Geld benötigen, ist laut Sibylle Zeuch vom Deutschen Reiseverband (DRV) ein letzter Ausweg der Geldtransfer. Über mehrere Unternehmen, wie zum Beispiel Moneygram oder Western Union, kann man sich Geld nach Griechenland schicken lassen.

Laut Sibylle Zeuch haben die meisten Urlauber bereits im Vorfeld Hotels, Flug, Transfers und meist auch Teile der Verpflegung bezahlt. Für den Rest sollten sie vor Reisebeginn überschlagen, wie viel sie noch benötigen und diesen Betrag möglichst bar mit sich führen. Daneben sei es immer ratsam, auch EC- und Kreditkarten dabei zu haben. Wenn Urlauber jetzt mit viel Bargeld nach Griechenland reisen, sollten sie sich laut ADAC in öffentlichen Verkehrsmitteln und an belebten Plätzen besonders vor Taschendieben in Acht nehmen. Der Ratschlag: Geld gut im Gepäck verteilen, nach der Ankunft im Hotelsafe deponieren und nur das mitnehmen, was benötigt wird.