Banden auf Beutezug in NRW - Einbruchsradar soll vorbeugen

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Was wir bereits wissen
  • Zuletzt wurde nur jeder siebte Einbruch aufgeklärt
  • Zahl der Einbrüche stieg zuletzt massiv
  • Radar soll bei Vorbeugung helfen

Düsseldorf.. Die Zahl der Wohnungseinbrüche in NRW hat 2015 einen Rekord von 62. 262 Fällen erreicht. Gegenüber dem Vorjahr ist das ein Anstieg um mehr als 18 Prozent. Damit setzt sich eine Negativserie seit 2010 fort: Innerhalb von fünf Jahren sind die Einbruchszahlen in NRW um insgesamt 38,5 Prozent in die Höhe geschnellt.

Aufgeklärt werden etwa 14 Prozent der Fälle, in Großstädten liegt der Wert teilweise deutlich darunter. Besonders alarmierend sind die Wohnungseinbruchszahlen nach Informationen unserer Redaktion in Bochum (3210 Fälle/plus 40 Prozent gegenüber Vorjahr), Duisburg (2220/ +43 %), Essen (3803, + 24%) und Düsseldorf (3108/ +25 %).

Großstädte als Ziel von reisenden Einbrecherbanden

Vor allem die gut erreichbaren Großstädte an Rhein und Ruhr sind zum bevorzugten Einsatzgebiet in­ternational operierender Einbrecherbanden geworden. Die Polizei verliert immer häufiger den Wettlauf mit reisenden Kriminellen, die ­pro­fessionell fliehen und Diebesgut schnell verwerten können.

Einbruch Im Landtag charakterisierte NRW-Innenminister Ralf Jäger (SPD) die mobilen Einbrecherbanden: „Das sind Profis: straff organisiert und bestens vernetzt. Nicht selten bestehen Familienbande“, sagte er. Seit 2013 arbeiten nach Angaben des Innenministeriums spezialisierte Fahnder in dem Bereich, die 805 Täter identifizieren konnten. 515 davon waren in Haft. Aktuell werden 436 Intensivtäter von den Ermittlern gesucht.

Die CDU sprach am Mittwoch dennoch von einer „verheerenden Bilanz“ des Innenministers. „Statt Blitzermarathons und Show-Razzien hätte er mit mehr Polizei­präsenz den Fahndungs- und Ermittlungsdruck erhöhen müssen“, sagte CDU-Innenexperte Werner Lohn. Jäger hielt dagegen: „Wir haben den Fahndungs- und Ermittlungsdruck massiv erhöht. Und das werden wir weiter tun.“

Jäger kündigt neues "Einbruchsradar" an

„Für die NRW-Polizei hat der Kampf gegen Einbrecher höchste Priorität“, beteuerte der Innenminister. Ein neues „Einbruchsradar“ werde für mehr Trans­parenz und Sensibilität sorgen: Ab Mitte April sollen alle 47 NRW-Polizeibehörden auf ihren Internet­seiten Karten veröffentlichen, die ­alle Wohnungseinbrüche und Einbruchsversuche aus der Vorwoche verzeichnen. So könne sich jeder Bürger ein Bild über Einbrüche in der eigenen Umgebung machen.

Der Minister erhofft sich so „noch mehr Sensibilität, und dass die Menschen ihre vier Wände besser schützen“. Bereits jetzt komme es in 44 Prozent der Fälle wegen guter Einbruchsicherungen und wachsamer Nachbarn nicht zur Tatvollendung.

Der Landesvorsitzende des Bundes Deutscher Kriminalbeamter, ­Sebastian Fiedler, spricht von einem „risikoarmen Klima“ für Einbrecher in NRW. Es fehlten 15.000 Polizisten. Bayern etwa habe seine Polizei personell viel besser auf­ge­stellt als NRW.

Auch Zahl der Taschendiebstähle auf Rekordhoch

Beim Taschendiebstahl ist in NRW mit 54 604 Fällen der höchste Wert seit zehn Jahren zu beklagen. 60 Prozent der Verdächtigen stammen aus Algerien, Rumänien, Bulgarien, Bosnien-Herzegowina oder Marokko.

Lichtblicke in der Statistik: Die Jugendkriminalität ist so niedrig wie seit 45 Jahren nicht. Von insgesamt 492 245 Tatverdächtigen war ungefähr jeder fünfte unter 21 Jahre alt. Die Zahl der jugendlichen Tatverdächtigen bei Gewaltdelikten wie Körperverletzung und Raub ist ebenfalls gesunken.

Auch Tötungsdelikte gingen weiter zurück, im Vergleich zu 2014 um 6,2 Prozent auf 422 Fälle. Die Aufklärungsquote liegt bei 94,5 Prozent. Die Gesamtzahl der Gewaltdelikte blieb mit 46 351 Fällen im Vergleich zum Vorjahr nahezu gleich. Gefährliche und schwere Körperverletzungen wurden zu 80,7 Prozent aufgeklärt, sonstige Gewaltdelikte zu 71,1 Prozent. (mit Material von epd)