Bahnstreik: Bezahlt die Bahn mir das Taxi? - Alle Infos

Bei der Bahn wird sechs Tage lang gestreikt. Tausende Reisende müssen dennoch sehen, wie sie zum Zeil kommen. Im Fernverkehr sollen 60 Prozent aller Züge fahren, im Regionalverkehr sollen es 15 bis 60 Prozent sein.
Bei der Bahn wird sechs Tage lang gestreikt. Tausende Reisende müssen dennoch sehen, wie sie zum Zeil kommen. Im Fernverkehr sollen 60 Prozent aller Züge fahren, im Regionalverkehr sollen es 15 bis 60 Prozent sein.
Foto: imago/BildFunkMV
Was wir bereits wissen
Der Streik stürzt den Bahnverkehr ins Chaos. Wo gibt es aktuelle Hinweise? Wann wird eine Entschädigung fällig? Was Reisende jetzt wissen sollten.

NRW.. Bahnreisenden an Rhein und Ruhr droht eine Chaoswoche. Ab Dienstag 2 Uhr wird die Lokführergewerkschaft GDL den Personenverkehr sechs Tage lang lahmlegen. Tausende Fahrgäste müssen sehen, wie sie trotzdem an ihr Ziel kommen. Das Wichtigste zum Mega-Streik.

Wie komme ich an aktuelle Informationen?

Die Bahn informiert auf ihrer Internetseite, welche Teile des Schienennetzes noch bedient werden. Hier finden sich auch eine Live-Auskunft und Notfahrpläne. Telefonisch bekommen Kunden unter der Nummer 0180/699 6633 Auskunft, diese kostet allerdings 20 Cent pro Anruf. Zusätzlich hat die Bahn die kostenlose Servicenummer 0800/099 6633 geschaltet.

Bahnstreik Kann ich einen anderen Zug nehmen?

Sollte ein Zug ausfallen oder sich verspäten, können Reisende den nächsten, auch höherwertigen Zug benutzen. Ausgenommen sind allerdings regionale Angebote mit deutlich ermäßigtem Fahrpreis, etwa Schönes-Wochenende-, Quer-durchs-Land-, oder Länder-Tickets und reservierungspflichtige Züge.

Gilt das auch für Schoko-, Studenten- und Bärentickets?

Hier gelten die Bestimmungen des Verkehrsverbunds Rhein Ruhr (VRR). Mit diesen Fahrkarten im Abo darf man nach Auskunft des VRR nicht ohne Weiteres mit einem höherwertigen Zug fahren. Es sei denn, der Zug wird per Ansage oder Anzeige ausdrücklich freigegeben, teilt die Bahn mit.

Wann zahlt mir die Bahn eine Entschädigung?

Bei Verspätungen besteht ein rechtlicher Anspruch auf eine Entschädigung. Kommt ein Fahrgast mindestens eine Stunde zu spät an, muss die Bahn 25 Prozent des Fahrpreises erstatten. Ab zwei Stunden sind es 50 Prozent. Reisende haben laut EU-Gesetz ein Recht auf diese Erstattung.

Darf ich notfalls auch einTaxi nehmen?

In bestimmten Fällen können Fahrgäste, die mit einer Verspätung von mindestens einer Stunde am Zielort rechnen müssen, einen Bus oder ein Taxi nehmen. Aber nur, wenn die planmäßige Ankunftszeit zwischen 0.00 Uhr und 5.00 Uhr morgens liegt. Die Bahn zahlt maximal 80 Euro zurück. Wichtig: Busfahrkarte oder Taxiquittung aufheben! Wird im schlimmsten Fall eine Übernachtung nötig, muss die Bahn die Kosten für das Hotelzimmer übernehmen.

Wie komme ich an mein Geld?

Mit dem Fahrgastrechte-Formular. Dies gibt es beim Zugpersonal, am Bahnhof und auch als Online-Formular. Originalfahrkarten, Kopien von Zeitkarten und andere Belege müssen beigelegt werden. Das Ganze dann entweder in einem DB-Reisezentrum abgeben oder per Post an das Servicecenter Fahrgastrechte in 60647 Frankfurt am Main schicken.

Und was gilt bei Zeitkarten?

Besitzer von Streckenzeitkarten erhalten bei Verspätungen von einer Stunde eine pauschale Entschädigung pro Fahrt. Bei Zeitkarten im Nahverkehr gibt es in der zweiten Klasse 1,50 Euro, im Fernverkehr werden pauschal fünf Euro gezahlt. Grundsätzlich werden bei Zeitkarten maximal 25 Prozent des Fahrkartenwerts erstattet.

Gewerkschaftsboss Bei Wochen- und Monats-Tickets rät die Bahn, die Verspätungsfälle nach Ablauf der Gültigkeitsdauer des Tickets gesammelt beim Servicecenter Fahrgastrechte einzureichen. Die Bahn zahlt Entschädigungen aber erst ab einer Bagatellgrenze von vier Euro. Bahn-Kunden mit Zeitkarten im Nahverkehr müssen also mindestens drei Verspätungen von 60 Minuten im Gültigkeitszeitraum der Fahrkarte einreichen, um Geld zurück zu bekommen.

Zu spät zur Arbeit wegen Streik: Droht mir Ärger?

Kann ich meine Fahrkarte zurückgeben?

Die Bahn bietet Fahrgästen an, Karten und Reservierungen während der Streikzeit kostenlos zu erstatten. Das gilt auch für Verbindungen, die fahren. Ansprechpartner sind die Reisezentren in den Bahnhöfen. Wer sein Ticket per Post bekommen hat, geht unter www.bahn.de auf „Meine Bahn“, dort auf „Meine letzten Bestellungen“, dann auf „Stornieren“ und „Erstatten“. Anschließend klickt man auf „Erstattungsantrag“. Online-Tickets lassen sich über das Kundenkonto im Internet ebenfalls kostenlos stornieren.

Was ist, wenn ich nur ein Handy-Ticket habe?

Dann muss der Fahrgast die Buchungsbestätigung, die er per ­E-Mail bekommen hat, ausdrucken und mit dem Fahrgastrechte-Formular nach Frankfurt schicken.

Zahlt die Bahn auch füreinen verpassten Flug?

Wer seinen Flieger nicht oder zu spät erreicht, kann nach Auskunft von Verbraucherschützern nicht mit Entschädigung rechnen. Man sollte also einen ausreichenden Zeitpuffer einrechnen – oder ein anderes Verkehrsmittel wählen.

Kommentar Zu spät bei der Arbeit – ist der Streik ein Grund?

Berufstätige können die Verantwortung für eine Verspätung am Arbeitsplatz nicht auf den Zugverkehr schieben. Sie müssen Vorsorge dafür treffen, pünktlich am Arbeitsplatz zu sein. Der Arbeitgeber kann sogar anteilig den Lohn kürzen. Das bedeutet demnach im Streikfall: Entweder früher losfahren oder auf ein anderes Verkehrsmittel ausweichen. Um Ärger zu vermeiden, sollte man daher auf jeden Fall rechtzeitig den Arbeitgeber anrufen.

Wer hilft mit bei Streitfällen?

Die Bahn muss Beschwerden von Fahrgästen nach spätestens drei Monaten bearbeitet haben. Bei Streitfällen vermittelt die Schlichtungsstelle für den öffentlichen Personenverkehr (SÖP) zwischen Kunden und Verkehrsunternehmen. In Nordrhein-Westfalen gibt es eine regionale Schlichtungsstelle, werktags telefonisch zu erreichen unter 0211/380 96 66, oder im Netz: info@schlichtungsstelle-nahverkehr.de