Ausschuss fragt: Finanzierte sich NSU durch Kinderpornos?

Am Fundort der Leiche von Peggy K. wurde die DNA von Uwe Böhnhardt ermittelt. Der Fundort liegt im Saale-Orla-Kreis in Thüringen, nahe der Grenze zu Bayern.
Am Fundort der Leiche von Peggy K. wurde die DNA von Uwe Böhnhardt ermittelt. Der Fundort liegt im Saale-Orla-Kreis in Thüringen, nahe der Grenze zu Bayern.
Foto: dpa
Hat ein Netzwerk von Rechtsextremen mehrere Kinder ermordet? Zwei Ausschüsse fordern die Aufarbeitung alter Vermissten- und Todesfälle.

Berlin.. Nach dem Fund von DNA-Spuren auf einer Decke, die nahe des Fundortes der Leiche der ermordeten neunjährigen Peggy K. entdeckt wurden, fordern Politiker Aufklärung. Die DNA wurde dem mutmaßlichen NSU-Rechtsterroristen Uwe Böhnhardt zugeordnet und wirft die Frage auf, ob Böhnhardt und sein rechtsextremes Umfeld an weiteren Kindermorden beteiligt waren.

In gleich zwei Ausschüssen dürften die neuen Erkenntnisse im Fall der 2001 verschwundenen und im Februar dieses Jahres tot aufgefundenen Peggy Thema sein. Sowohl im zweiten Untersuchungsausschuss im Bundestag wie auch in einem Untersuchungsausschuss im Baden-Württembergischen Landtag werden Verbindungen der Terrorgruppe Nationalsozialistischer Untergrund (NSU) zur Kinderpornografie und zu Vermisstenfällen aufgearbeitet. In Stuttgart geht es dabei auch um die Frage: Hat der NSU seine Existenz im Untergrund und seine Morde durch den Verkauf von Kinderpornografie oder durch Prostitution finanziert?

Stuttgarter Ausschuss beschäftigt sich mit Terrorfinanzierung

„Der Aspekt Kinderpornografie spielte bisher unter anderem im Zusammenhang mit Tino Brandt eine Rolle. Der mutmaßliche NSU-Unterstützer hatte versucht, in der Nähe des NSU-Tatorts Heilbronn ein Haus zu kaufen“, hieß es in einer gemeinsamen Stellungnahme der Ausschussvorsitzenden in Stuttgart, Susanne Bay, und ihrer Ausschusskollegin Petra Häffner (beide Grünen). In Heilbronn wurde die Polizistin Michele Kiesewetter vom NSU ermordet. Brandt sitzt derzeit in Haft – wegen Kindesmissbrauchs.

Der Untersuchungsausschuss in Baden-Württemberg hat unabhängig vom Fund der Böhnhardt-DNA im Fall Peggy einen Beweisantrag gestellt, der nicht weniger verlangt, als alle ungeklärten Verbrechen in Baden-Württemberg auf Spuren Richtung NSU zu untersuchen.

Vermisstenfälle in Thüringen und Sachsen im Fokus

Doch nicht nur auf Landes-, sondern auch auf Bundesebene sollen alte Fälle neu aufgerollt werden. Auch dabei geht es um Verbindungen von Rechtsterroristen zu Vermissten- oder Todesfällen von Kindern.

Petra Pau, Obfrau der Linken, im zweiten NSU-Untersuchungsausschuss im Bundestag, sagte unserer Redaktion, dass zunächst Verunreinigungen bei dem DNA-Fund im Fall Peggy ausgeschlossen werden müssten. „Und dann erwarte ich, dass der Generalbundesanwalt den Abgleich aller DNA-Spuren von vermissten Kindern aus Thüringen, Sachsen und Oberfranken mit den DNA-Spuren aus dem Wohnmobil und der Wohnung des NSU-Kerntrios anordnet“, so Pau.

Eine Sonderkommission in Thüringen hat bereits am Montag ihre Arbeit aufgenommen. Ein Fall, der besonders unter Beobachtung stehen dürfte, ist der Mord an dem neunjährigen Bernd B. im Jahr 1993. Als Hauptverdächtiger galt stets der Neonazi Enrico T., jedoch wurde der Fall nie ganz aufgeklärt.

T. ist ein Jugendfreund von Uwe Böhnhart und soll an der Beschaffung einer Waffe des NSU beteiligt gewesen sein. Am Fundort der Leiche von Bernd B. nahe der Saale in Thüringen wurde ein Bootsmotor gefunden. Die einzigen Personen, die laut Enrico T. vom dazugehörigen Boot wussten: er selbst und Uwe Böhnhardt.

Ermittlungen gegen Beate Zschäpe wurden eingestellt

Während Böhnhardt in Verbindung mit Kindesmissbrauch und Kindstötung gebracht wird, wurde gegen seine ehemalige Freundin Beate Zschäpe, die derzeit in München vor Gericht steht, wegen des Besitzes von Kinderpornografie ermittelt. Auf einem von ihr genutzten Computer hatten die Ermittler nach dem Auffliegen des NSU-Trios Bilder von nackten Kindern entdeckt.

Die Fotos wurden an Spezialisten des BKA weitergeleitet. „Das Ergebnis war jedoch – wie oft in derartigen Fällen –, dass die Fotos und dementsprechend die betroffenen Kinder dort noch nicht bekannt waren“, erinnert sich Petra Pau gegenüber unserer Redaktion. Dass das Verfahren später eingestellt wurde, sieht sie als normalen Vorgang. Schließlich sei zum Zeitpunkt der Analyse des Computers im Jahr 2012 keine Verbindung des NSU-Trios zu weiteren Fällen von Kinderpornografie bekannt gewesen.