Aus Studenten werden Studierende

An Rhein und Ruhr..  Der Zwang zur Geschlechtergerechtigkeit erreicht die Studentenwerke in NRW. Weil sich durch das Wort „Student“ nur Herren eindeutig angesprochen fühlen können, soll es künftig geschlechtsneutral-korrekt „Studierendenwerke“ heißen. Das ist jedenfalls die Ansicht der Landesregierung. Die Betroffenen fühlen sich von diesem rot-grünen Hang zur gerechten Wortwahl regelrecht überfallen und verweigern die Gefolgschaft.

Die Kölner machen das nicht mit, die Studentenwerke in Dortmund, Aachen, Paderborn, Siegen und an vielen anderen Hochschul-Standorten stellen sich ebenfalls quer. Sie fürchten um die Marke „Studentenwerk“ und halten den Namenswechsel für sinnlos teuer. Hunderttausende Euro dürfte es kosten, an Türen und auf Fluren der „Studierendenwerke“ neue Schilder zu montieren. Briefe, Flyer, Internetseiten, Facebook-Auftritt, Visitenkarten – alles müsste überarbeitet werden. „An dieser Vorschrift hängt ein ganzer Rattenschwanz“, ärgert sich Helga Fels von der Arbeitsgemeinschaft der Studentenwerke NRW.

In Essen und Duisburg heißt es heute schon „Studierendenwerk“. Widerwillig wurde dort der Namenswechsel vollzogen. „Es ist ein sperriger, nicht alltagstauglicher Begriff“, sagte Sprecherin Petra Karst gestern. Die Essener und Duisburger möchten im Laufe des Jahres einen Namen finden, mit dem sie sich „glücklicher fühlen“. Fein raus sind die Studentenwerke in Bochum und Wuppertal. Ihre Namen waren stets zweifelsfrei geschlechtsneutral: Akademisches Förderungswerk und Hochschul Sozialwerk.

Das NRW-Wissenschaftsministerium muss sich auf eine Trotzreaktion einstellen. Zum Beispiel aus Dortmund: „Der Verwaltungsrat des Studentenwerks hat sich entschieden, den tradierten Namen ,Studentenwerk’ beizubehalten.“ Dies sei in die neue Satzung aufgenommen worden, die dem Ministerium zur Genehmigung vorliege.

Die Studenten zahlen die Zeche

Die Umbenennung wäre aus Dortmunder Sicht „mit erheblichen Kosten verbunden“. Allein das Dortmunder Werk betreut sieben Hochschulen, darunter die Technische Universität Dortmund, die FH Südwestfalen, die Fernuni Hagen.

Das NRW-Wissenschaftsministerium erinnert an den Auftrag der Studentenwerke, „sozialer Dienstleister für die Studierenden im Land zu sein. 2013 waren 46,5 Prozent dieser Dienstleistungsempfangenden weibliche Studierende“, hieß es gestern geschlechtsneutral-korrekt aus der Behörde. Es sei im Studierendenwerksgesetz NRW festgelegt, dass sich „die Realität der Geschlechterverteilung auch in der Bezeichnung der Organisationen“ wiederfinde.

Bei „Studentenwerk“ handele es sich um ein so genanntes „generisches Maskulinum“. Frauen blieben durch dieses Wort unerwähnt und unsichtbar. Wer indes von „Studierenden“ spreche, der mache auch die Frauen „sprachlich sichtbar“.

Die zwölf Studentenwerke in NRW sind zuständig für den Betrieb von Wohnheimen, Mensen und für die Studienfinanzierung (Bafög). Sie beschäftigen rund 4000 Mitarbeiter. Ein Teil ihrer Einnahmen stammt aus den Sozialbeiträgen der Studenten. Und diese, so fürchtet der Sprecher der Studentenwerke NRW, Jörg Lüken, müssten am Ende auch die teure Umbenennung finanzieren.