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Aus kaufmännischer Sicht ist die Hilfe für EADS ein Skandal

09.03.2010 | 14:56 Uhr
Aus kaufmännischer Sicht ist die Hilfe für EADS ein Skandal

Essen.Mit zwei Milliarden Euro wollen sich die Abnehmerländer inklusive Deutschland an den Mehrkosten für den Militärtransporter A400M beteiligen. Dabei ist schon die Forderung des Herstellers EADS ein Skandal. Nun wird wieder ein „Großer“ unterstützt, während kleine Betriebe keine Staatshilfen erhalten.

Dass eine Kostenkalkulation nicht immer zu 100 Prozent aufgehen kann, dürfte keinen Betriebswirtschaftler überraschen. Dass sich aber ein Konzern um satte 5,2 Milliarden Euro verkalkuliert, ist trotz unvorhersehbarer Faktoren nicht nachvollziehbar. Nun feilschen der Airbus-Mutterkonzern EADS und die sieben Abnehmerländer (darunter Deutschland und Frankreich) über die explodierten Preise für den Militärtransporter A400M.

EADS fordert bekanntlich, dass die Käufer einen Großteil der Mehrkosten übernehmen – und Bundesverteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg verkündete am Mittwoch, dass die Abnehmernationen zusätzliche zwei Milliarden Euro an Leistungen einbringen wollen. Dabei ist aus kaufmännischer Sicht allein schon die Forderung nach einer Beteiligung unverschämt.

Zeche für Fehlkalkulation zahlt in der Regel nicht der Auftraggeber

Ein Beispiel: Helmut R. (Name geändert) arbeitet seit 40 Jahren in der Maschinenbau-Branche. In einem kleinen mittelständischen Betrieb im Ruhrgebiet ist er für den Verkauf zuständig. Der Fachmann kalkuliert die eigenen Produktionskosten sowie die nötige Gewinnspanne – aus diesen Fakten stellt er ein Angebot zusammen und wirbt um Aufträge.

Wenn Helmut R. einen Auftrag für seine Firma annimmt und sich dabei verkalkuliert, muss seine Firma für die zusätzlichen Kosten gerade stehen. Da kann nicht auf einmal die Rechnung für die Abnehmer erhöht werden. Besonders brisant: In dem Fall Airbus wäre es letztlich wohl der Steuerzahler, der für die Zeche aufkommt, falls sich die Bundesregierung tatsächlich an den Mehrkosten beteiligt – auch wenn Guttenberg betont, dass dem Bund keine zusätzlichen Kosten außerhalb des Vertrages mit EADS entstehen würden.

Vertragsstrafen bei Nicht-Einhaltung des Fertigungstermins

Wäre eine solche Fehlplanung wie bei dem Militärtransporter einem mittelständischen Unternehmen unterlaufen, würden die Chancen auf eine Kostenübernahme durch den Auftraggeber äußerst schlecht stehen. „Die würden mir erst einen Vogel zeigen und dann den bestehenden Vertrag unter die Nase halten, den ich zu erfüllen habe“, sagt Helmut R.

Allein schon die um drei Jahre verzögerte Auslieferung wegen technischer Probleme hätte normalerweise gravierende Folgen. Saftige Vertragsstrafen bei Nicht-Einhaltung eines Fertigungstermins gehören zum Alltag in der Maschinenbau-Branche.

Deshalb wäre die Bundesregierung gut beraten gewesen, an ihrer harten Linie festzuhalten. Jetzt wird sich der Bund abermals den Zorn des Mittelstandes zuziehen. Hier schwelt schon länger der Vorwurf, dass große Unternehmen in Krisenzeiten stets auf Staatshilfen bauen können, während kleine Firmen bei dringend notwendigen Krediten von den Banken abgewiesen werden und deshalb vor der Insolvenz stehen. (mit Material von ddp)

Ingmar Kreienbrink

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Kommentare
28.01.2010
23:07
Aus kaufmännischer Sicht ist die Hilfe für EADS ein Skandal
von CaptainWillard | #4

Transaktionskosten.

Zu diesem Thema gibt es gleich mehrere Nobelpreisträger.

Na ja - DER WESTEN ist eben nicht die SÜDDEUTSCHE >:-)

28.01.2010
17:55
Aus kaufmännischer Sicht ist die Hilfe für EADS ein Skandal
von Neuer_DieLinke_Waehler | #3

Wenn sich Vorgaben ändern, Teile neu entwickelt werden müssen etc., dann muss der Aufschlag jeweils neu verhandelt bzw. kalkuliert und mitgeteilt werden, und nicht irgend wann!
Nur mit den blöden Beamten und Politikern kann man es ja machen, ist ja nicht deren Geld....!!!!!

28.01.2010
17:40
Blockierter Kommentar.
von Moderation | #2

Dieser Kommentar wurde von einem Moderator blockiert.

28.01.2010
14:13
Aus kaufmännischer Sicht ist die Hilfe für EADS ein Skandal
von Adomnan | #1

Selten so einen Unsinn gelesen. Welcher Betrieb des Maschinenbaus würde sich denn gefallen lassen, dass nach Auftragsvergabe plötzlich Vorgaben geändert werden, Teile neu entwickelt werden müssen, weil man sie nicht ankaufen darf usw.? Die Mehrkosten haben die Regierungen nun einmal genauso zu verantworten, wie die EADS. Jeder normale Maschinenbaubetrieb hätte viel früher nachverhandelt oder den Auftrag abgelehnt und eine Entschädigung für die bereits erbrachte Leistung verlangt. Ein Skandal ist der gesamte Ablauf, nicht dass man nachträglich auch für das zahlen soll, was man mit zu verantworten hat.

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