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Anruf-Affäre

Auch Sprecherin von CSU-Minister Söder rief in Fernsehredaktion an

27.10.2012 | 14:11 Uhr
Seit Bekanntwerden des Anrufs von CSU-Sprecher Strepp beim ZDF steht die CSU in der Kritik. Politiker fordern den Rücktritt von Ministerpräsident Seehofer (re.). Auch die Sprecherin von Markus Söder soll bei einer Redaktion angerufen und sich über einen Beitrag beschwert haben.Foto: dapd

München.  Der Anruf von CSU-Sprecher Hans Michael Strepp beim ZDF war offenbar kein Einzelfall. Auch die Sprecherin des damaligen bayerischen Umweltministers Markus Söder (CSU), Ulrike Strauß, soll sich im März 2011 beim Bayerischen Rundfunk über einen kritischen Beitrag beschwert haben.

Nach dem Anruf des zurückgetretenen CSU-Sprechers Hans Michael Strepp beim ZDF ist eine weitere Intervention aus dem CSU-Umfeld beim öffentlich-rechtlichen Fernsehen bekanntgeworden. Im März 2011 rief die Sprecherin des damaligen Umweltministers Markus Söder (CSU) beim Bayerischen Rundfunk an, weil sie einen Bericht der BR-Nachrichtensendung Rundschau über Söder im Zusammenhang mit der Reaktorkatastrophe von Fukushima als "nicht sachgerecht" empfand. In einer späteren Ausgabe der Sendung wurde der Beitrag durch einen anderen ersetzt, wie die "Süddeutsche Zeitung" am Samstag weiter berichtete.

Söders Sprecherin Ulrike Strauß bestätigte in der "Welt am Sonntag" den Anruf, betonte aber, sie habe keinen Einfluss genommen. Nach Darstellung des BR hatte Strauß nicht nur in der Redaktion angerufen, sondern auch den Redaktionsleiter der Sendung an seinem freien Tag zu Hause.

"Hatte keinen Auftrag und habe niemanden informiert"

Strauß handelte nach eigenen Worten aus eigenem Antrieb und ohne Anweisung. "Ich hatte keinen Auftrag und habe niemanden informiert", sagte die Sprecherin der "Welt am Sonntag" laut Vorabbericht. "Außerdem hat der BR bestätigt, dass kein Einfluss genommen wurde." Söder ist inzwischen Finanzminister, seine Sprecherin nahm er beim Wechsel in das neue Ressort mit.

Der "Süddeutschen Zeitung" zufolge zeigte der BR am 17. März 2011 - sechs Tage nach dem Reaktorunglück von Fukushima - in der Rundschau um 16.45 Uhr einen Beitrag, der sich mit Äußerungen Söders über die Sicherheit des bayerischen Atomkraftwerks Isar I befasste. Der BR habe Äußerungen Söders aus der Zeit vor dem Reaktorunglück gezeigt, dass die Anlage sicher sei - und eine Äußerung nach dem Unglück, dass Isar I doch nicht so sicher sei. Der Beitrag habe leicht spöttisch "ein erstaunlicher Minister" geendet. In der zweiten Sendung um 18.45 Uhr sei der Beitrag durch einen Nachrichtenfilm über die Regierungserklärung Söders vom selben Tag zum Reaktorunglück ersetzt worden.

Oppermann (SPD) attestiert CSU "gestörtes Verhältnis zur Pressefreiheit"

Der BR erklärte laut "Süddeutscher Zeitung", der erste Bericht sei allein aus journalistischen Gründen aus dem Programm genommen worden. Es habe sich um einen Beitrag mit Magazin-Charakter gehandelt und nicht um einen klassischen Nachrichtenfilm. Zwischen beiden Sendungen lagen die Anrufe der Söder-Sprecherin Strauß, die laut Zeitungsbericht zunächst beim Chef vom Dienst der Sendung und daraufhin beim Redaktionsleiter Peter Marder anrief, der an seinem freien Tag zu Hause gewesen sei. Marder habe geantwortet, er werde mit der Redaktion reden. Eine Forderung, den Beitrag zu kippen, habe es nicht gegeben. "Im Übrigen habe ich mir verbeten, dass sie mich zu Hause anruft", zitierte die "Süddeutsche Zeitung" Marder.

Video
München, 25.10.12: Nach Vorwürfen der versuchten Einflussnahme auf das ZDF-Programm hat CSU-Chef Horst Seehofer Parteisprecher Hans Michael Strepp auf dessen Wunsch hin von seinem Amt entbunden. Kritiker fordern die lückenlose Aufklärung der Affäre.

Der Parlamentarische Geschäftsführer der SPD im Bundestag, Thomas Oppermann, warf der CSU ein "gestörtes Verhältnis zur Pressefreiheit" vor. "In Bayern soll nur berichtet werden, was der CSU gefällt", erklärte Oppermann. "Der Anruf offenbart, dass der Fall Strepp kein Einzelfall ist." Der CSU-Parteisprecher war am Donnerstag zurückgetreten. Ihm wurde vorgeworfen, er habe mit einem Anruf beim ZDF eine Berichterstattung über den bayerischen SPD-Parteitag verhindern wollen. Nach Darstellung der CSU handelte auch Strepp im Alleingang ohne Kenntnis seines Vorgesetzen, des CSU-Generalsekretärs Alexander Dobrindt.

CSU-Landesgruppenchefin sieht Fall als erledigt an

Die Linkspartei bezeichnete die CSU "als Bedrohung für die Pressefreiheit". "Dass die CSU-Führung vom Treiben der Pressesprecherinnen und Pressesprecher nichts weiß, glaubt sie doch selbst nicht", erklärte der Vizefraktionschef im Bundestag, Ulrich Maurer. Grünen-Parteichefin Claudia Roth sagte der "Bild am Sonntag", mit dem Rücktritt von Strepp seien Parteichef Horst Seehofer und Dobrindt nicht aus der Verantwortung entlassen.

Anruf-Affäre
Rückzug von Seehofer aus ZDF-Gremien gefordert 

Der SPD-Landeschef Florian Pronold fordert den Rückzug von CSU-Chef Horst Seehofer und seinem Generalsekretär Alexander Dobrindt aus den Gremien des ZDF. Auch nach dem Rücktritt des CSU Sprechers Hans Michael Strepp müsse die Angelegenheit der Anruf-Affäre in den Gremien des ZDF besprochen werden.

CSU-Landesgruppenchefin Gerda Hasselfeldt erklärte den Fall Strepp für beendet. "Es handelt sich um das Fehlverhalten eines einzelnen Mitarbeiters", sagte sie dem Berliner "Tagesspiegel am Sonntag". (rtr)



Kommentare
29.10.2012
08:20
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Name von Moderation entfernt | #17

Dieser Kommentar wurde von einem Moderator blockiert.

28.10.2012
21:43
Auch Sprecherin von CSU-Minister Söder rief in Fernsehredaktion an
von meinemeinungdazu | #16

Ob Seehofer, Dobrindt oder Söder: alles die gleichen christlichen Verräter. Alle sollten ihren Hut nehmen. Demokratie und Bürgernähe bedeutet denen nichts. Gut, dass die schnellen neuen Medien diese Skandale aufdecken. Kein Politiker kann sich mehr sicher sein. Die Konsequenzen müssen kommen.

28.10.2012
21:19
Auch Sprecherin von CSU-Minister Söder rief in Fernsehredaktion an
von 1955 | #15

Alles populistisches Wahltheater!
Nächste Woche wird eine "neue Sau" durchs Dorf getrieben!
Dass Herr Frey sich wichtig macht, ist auch nicht neu! Nun fürchtet er die Retourkutsche bei seinem Sender, zurecht! Der Fall des Herrn Brender lässt gruessen !

3 Antworten
Auch Sprecherin von CSU-Minister Söder rief in Fernsehredaktion an
von meinemeinungdazu | #15-1

Ganz einfach: Die politische Einflussnahme auf die Medien ist eine Unverschämtheit. Was sollen die Bürger eigentlich noch glauben? Warum gehen sie mit Vertrauen noch wählen? Das ist der Punkt!!!

Auch Sprecherin von CSU-Minister Söder rief in Fernsehredaktion an
von 1955 | #15-2

Das ZDF war schon immer sehr nah bei CDU/CSU!
Natürlich ist Einflussnahme politisch verwerflich, findet aber immer wieder von allen großen Parteien statt!

Auch Sprecherin von CSU-Minister Söder rief in Fernsehredaktion an
von Pit01 | #15-3

Solange die Rundfunkräte mit Politikern ( fast alle Farben ) besetzt sind, wird man versuchen Einfluss auf Inhalte zu nehmen.

28.10.2012
18:41
Auch Sprecherin von CSU-Minister Söder rief in Fernsehredaktion an
von wolfgang123 | #14

Ist es nicht Aufgabe der Pressesprecher bei den Redaktionen anzurufen? Der Skandal ist doch nur, dass die CSU die Berichterstattung über die SPD verhindern wollte. Die eigene Berichterstattung veruscht jeder Pressesprecher jeden Tag ins rechte Licht zu rücken - dafür wird sie oder er bezahlt!

Bis jetzt bin ich davon ausgegangen, dass die Sender zuerst bei den Parteien anrufen. Immerhin haben die Parteien doch die Spitzen der Sender mit jeweils ihren Leuten besetzt. Ohne das richtige Parteibuch, kann man doch im jeweiligen Sender nichts werden. Beim WDR muss man das eine und beim BR eben das andere Parteibuch haben.

28.10.2012
17:52
Wow, wow
von wohlzufrieden | #13

Als nächstes wird der Pförtner vor geschickt...dann sein Hund.

28.10.2012
17:10
Auch Sprecherin von CSU-Minister Söder rief in Fernsehredaktion an
von knickerbocker | #12

Man möge sich vorstellen wenn das z.B die Linken-SPD-Grünen gemacht hätten,dann würden die Christlichen von Auflösungen jener Parteien fordern.

Und wie blöde hält uns Seehofer das man ihn tatsächlich abnehmen soll,dass ein Presseprecher eigenmächtig handelt.

28.10.2012
12:10
Auch Sprecherin von CSU-Minister Söder rief in Fernsehredaktion an
von Ismet | #11

Ach wie ist das schön, das keiner weiss das ich Rumpelsstilzchen heiss...
De CSU Parteivorsitzenden denken wir wären so blöd wie sie es glauben. Aber, da irren sie sich.
Es kann doch nicht behauptet werden, das eine Pressesprecherin bis auf irgendwelche Dementis abzugeben etwas von sich aus machen darf.
Da zeigt man auf andere Länder die (k)eine freie Presse haben und was machen die gleichzeitig in Deutschland?
Achtung Ironie: Apropo, an alle hier, darf ich Bayern zu Deutschland zählen? Ich habe gelernt das Bayern ein Freistaat wäre...Ironie aus.

Ich denke die werden das schön aussitzen und drauf hoffen das der (dumme?) Wähler es bis zu den Wahlen wieder vergessen hat...
Möchte jetzt sehen, wie es die Kabarettisten diese Geschichte ausschlachten werden.

28.10.2012
09:50
Auch Sprecherin von CSU-Minister Söder rief in Fernsehredaktion an
von Pit01 | #10

Pressesprecherin U.Strauss macht sich lächerlich, wenn sie behauptet ohne Auftrag gehandelt zu haben. Hätte ich solch eine Pressesprecherin/-Sprecher der/die Alleingänge macht, wäre sie gefeuert. Will sagen, das ganze Spiel ist leicht zu durchschauen.

27.10.2012
23:00
Auch Sprecherin von CSU-Minister Söder rief in Fernsehredaktion an
von Broncezeit | #9

"In Bayern soll nur berichtet werden, was der CSU gefällt", erklärte Oppermann.

Er verwechselt Partei und Sender.

27.10.2012
21:47
Auch Sprecherin von CSU-Minister Söder rief in Fernsehredaktion an
von janka.nbmv | #8

http://www.sueddeutsche.de/bayern/bayernkurier-greift-bayerischen-rundfunk-an-der-abtruennige-sender-1.1241362

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