Auch im Alter noch bühnenreif
05.10.2009 | 08:00 Uhr 2009-10-05T08:00:00+0200
Arnsberg. Arnsberg machte seinem Image als Kulturstadt am Wochenende alle Ehre. Im Rahmen des 5. Internationalen Theatertreffens waren auf den Bühnen des Sauerlandtheaters und der Kulturschmiede hochkarätige Produktionen zu sehen.
Ein Höhepunkt des dreitägigen Festivals aus stark visuell geprägtem Theater und Tanztheater war wohl die Produktion „Zeitsprünge” am Samstagabend im Sauerlandtheater. Ein Liebespaar tanzt auf der Bühne im klassischen Ballettstil. Teils eng umschlungen, teils einander suchend bewegen sich ihre Körper im Einklang der Musik. Er umgarnt sie, hält sie, hebt sie. Berührungen, Bewegungen, Blicke - Hingabe und Sehnsucht sind nicht zu übersehen. Dass er schon 66 ist, merkt man Horst Dittmann kaum an, wenn er tanzt. Mühelos scheint er seine Partnerin in Figuren zu heben. Immer noch hat er die Haltung eines Profis. 30 Jahre lang hatte der Balletttänzer nicht mehr getanzt, als er vor drei Jahren auf Heike Hennig traf. Die Leipziger Choreografin suchte ehemalige Profitänzer, die sie wieder auf die Bühne bringen konnte. Erst allein, dann mit jüngeren. „Ich war ihr damals mit 63 eigentlich noch zu jung”, erzählt Horst Dittmann. Am Samstagabend ist sie froh, dass sie ihn hat, denn zwei seiner älteren Tanzpartner fallen krankheitsbedingt aus. Und Karriere und Alter sind nicht spurlos an seinem Körper vorbeigegangen. „Ich hatte eine Hüft-Operation und kann meine Füße kaum noch spüren”, sagt er. Tanzen kann er trotzdem noch, wenn auch nicht mehr so wild wie seine jungen Kollegen. „Wenn man einmal Tänzer war, sind die Bewegungen in den Körper eingeschrieben”, sagt Dittmann.
Einmal Tänzer, immer Tänzer
Mit seinen sieben Tanzpartnern macht er auf der Bühne eine Reise durch die Zeit. Ganz unterschiedliche Generationen von TänzerInnen stehen sich gegenüber. Energien, Ideen, Erfahrungen und Tanzstile prallen aufeinander. Das ballett-tanzende Liebespaar wird abgelöst von einem jungen Pärchen. Die Musik wird lauter, der Rhythmus schneller, der Tanz moderner. Aus Sehnsucht wird Verlangen. Andere Paare kommen hinzu. Tanzen mit. Alles scheint freier, ungebundener. Plötzlich werden aus den Paaren Gruppen. Die Jungen feuern auf der Straße einen Breakdancer an. Auf der anderen Seite stehen die Alten. Verstehen nicht, was der junge da macht. Mit Ballett und Klassik tanzen sie dagegen an. Dann wird aus der Straße ein Saal. Rivalen werden zu Paaren. Breakdance und Ballett verwandeln sich in einen Standarttanz. Eine Stunde unterhalten die acht Tänzerinnen aus vier Generationen die etwa 200 Zuschauer. Am Ende gibt es tosenden Applaus und Bravorufe für ein Tanztheater das mit Konflikt und Zusammenwirken von Generationen auf eindringliche Weise spielt beweist, dass Tanzen nicht an Jugend und Beweglichkeit gebunden sein muss.

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Alles über das Tanztheter ZeitSprünge von Heike Hennig & Co und den Dokumentarfilm Tanz mit der Zeit von Trevor Peters, welcher am 12. Dezember 2009 seine Erstausstrahlung auf ARTE erlebt.