Attentat erschüttert Frankreich

Paris..  Bei einem Terroranschlag mutmaßlicher Islamisten auf das religions- und besonders islamkritische französische Satiremagazin „Charlie Hebdo“ sind gestern mindestens zwölf Menschen getötet worden, unter ihnen zwei Polizisten. Elf weitere Personen seien verletzt worden, vier davon schwer, teilte die Pariser Staatsanwaltschaft am Abend mit.

Frankreich fahndet nun mit Hochdruck nach den Tätern. Das französische Innenministerium dementierte am späten Abend Berichte über eine Festnahme der Attentäter. Die – vermutlich drei – Täter sind aber offenbar identifiziert. Darunter seien zwei Brüder aus Paris mit französischer Staatsangehörigkeit. Sie sollen erst im Sommer aus dem Syrien-Krieg zurückgekehrt sein. Das berichteten am Abend „Le Monde“ und mehrere andere Medien übereinstimmend unter Berufung auf Ermittler.

Das Blutbad löste eine Schockwelle aus. Die Sicherheitsmaßnahmen im Großraum Paris wurden massiv verschärft. In Dutzenden französischen Städten kamen Zehntausende Menschen zu Solidaritätskundgebungen für „Charlie Hebdo“ zusammen, allein 35 000 in Paris. Auch in Berlin wurde demonstriert.

Schwerster Anschlag seit Jahren

Mindestens zwei Täter drangen am späten Vormittag mit Kalaschnikow-Maschinenpistolen und einem Raketenwerfer in die Redaktionsräume ein und ermordeten neben anderen vier prominente Zeichner. Unter den Toten ist Redaktionsleiter Stéphane Charbonnier alias Charb, der unter anderem mit Mohammed-Karikaturen international bekannt wurde.

Nach Angaben von Ohrenzeugen sollen die Terroristen in perfektem Französisch gerufen haben: „Allah ist groß“, „Wir haben den Propheten gerächt“ und „Der Islamische Staat wird bestehen“. Sie flohen in einem Kleinwagen.

Es ist der schwerste Terroranschlag in Frankreich seit Jahrzehnten. Präsident François Hollande rief die Nation zur Einheit auf. Er sprach von „Barbarei“ und einen „Schock für Frankreich“. Muslimische Verbände in Deutschland verurteilten den Anschlag mit scharfen Worten. „Dies ist ein feindlicher und menschenverachtender Akt gegen unsere freie Gesellschaft“, teilte der Zentralrat der Muslime in Deutschland mit.

Im Großraum Paris riefen die Behörden die höchste Sicherheitsstufe aus. Viele Menschen blieben aus Furcht vor den Terroristen in ihren Häusern. Vor Medienhäusern wurden Polizeiwagen sichtbar platziert. Beamte fuhren einzelne Redaktionen ab: „Lassen Sie im Zweifel keinen rein!“

Täter mit Schnellfeuergewehren

Im Internet kursieren Videos, die die Straße vor der „Charlie-Hebdo“-Redaktion im Osten der französischen Hauptstadt zeigen. Darauf sind zwei schwarz vermummte Männer zu erkennen, die offenbar unaufgeregt und sehr zielgerichtet agieren. Ein Täter geht mit einem Schnellfeuergewehr auf einen bereits auf dem Bürgersteig liegenden Polizisten zu, der um Gnade bittet. Der Mann tötet ihn mit einem Kopfschuss.

Erst gestern war die aktuelle Ausgabe von „Charlie-Hebdo“ erschienen. Das Titelbild des Wochenmagazins zeigt den Schriftsteller Michel Houellebecq, der mit dem Roman „Soumission“ (Unterwerfung) über Frankreich unter einem islamischen Präsidenten für Furore sorgt. Der Roman erschien ebenfalls gestern.

Der Terroranschlag löste weltweit Betroffenheit aus. „Diese abscheuliche Tat“ sei ein Angriff auf die Meinungs- und Pressefreiheit, erklärte Bundeskanzlerin Angela Merkel.

„Charlie Hebdo“ war mehrfach wegen Mohammed-Karikaturen in die Kritik geraten. Bereits im November 2011 waren nach der Veröffentlichung einer „Scharia“-Sonderausgabe die Redaktionsräume in Flammen aufgegangen.

NRW-Behörden sensibilisiert

NRW-Innenminister Ralf Jäger (SPD) sagte, die Sicherheitsbehörden des Landes seien nach dem Terroranschlag sensibilisiert und besonders wachsam. Es gäbe jedoch bislang „keine Hinweise auf konkret bevorstehende Anschläge in Deutschland“, sagte Jäger.

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