Attentäter von Kopenhagen wollte in Syrien kämpfen

Kopenhagen..  Nach den Terroranschlägen von Kopenhagen verdichten sich die Hinweise auf ein islamistisches Motiv des getöteten Attentäters. Der ­22-jährige arabischstämmige Todesschütze wollte sich offenbar der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) in Syrien anschließen. Weil er diesen Wunsch während einer Gefängnisstrafe geäußert habe, hätten ihn die Behörden auf eine Liste radi­kalisierter Häftlinge gesetzt, ­berichtete die Zeitung „Berlingske“.

Die Polizei nahm inzwischen zwei mutmaßliche Komplizen des Mannes fest, die wegen ­des Verdachts der Mithilfe in Untersuchungshaft genommen wurden. Die Männer sollen dem Attentäter „mit Rat und Tat“ geholfen haben, wie die Polizei erklärte. Medienberichten zufolge haben die Männer dem Attentäter Waffen besorgt.

Täter war der Polizei bekannt

Trotz der offensichtlich islamistisch motivierten Anschläge ­beteiligt sich die dänische Luftwaffe weiter am internatio­nalen Militäreinsatz gegen die Terrormiliz IS im Irak. Dies ­erklärte Ministerpräsidentin Helle Thorning-Schmidt in Kopenhagen. Sie wertete die tödlichen Schüsse als Angriff auf die Rede- und Versammlungsfreiheit. Der Attentäter habe eine offene Diskussion und eine religiöse Gemeinschaft ins Visier genommen. Darauf reagiere das Land entschieden und entschlossen, so die Premierministerin.

Die Versammlungs- und Meinungsfreiheit seien für ­Dänemark unverzichtbar. Die Dänen würden sie verteidigen. „Der Angriff auf die Juden in Dänemark ist ein Angriff auf ganz Dänemark“, sagte Thorning-Schmidt.

Der mutmaßliche Atten­täter Omar Abdel Hamid El-Hussein war der Polizei bereits ­wegen Gewaltdelikten und Verstößen gegen das Waffengesetz bekannt. Der Mann sei in Dänemark geboren und im Bandenmilieu aufgefallen, teilte die Polizei mit.

El-Hussein hatte zuletzt das Zentrum für Erwachsenenbildung im Kopenhagener Vorort Hvidovre besucht, hatte dort auf seine Hochschulreife hingearbeitet. „Er war ein sehr fleißiger und begabter Schüler“, sagt Rektor Peter Zinkernagel. Die Eltern des Attentäters sind Palästinenser. Er soll sich mehrfach wütend über ­Israel geäußert haben. „Er hatte keine Angst, laut auszusprechen, dass er Juden hasste“, sagt ein früherer Klassenkamerad. Nach Informationen des dänischen Rundfunks war der junge Mann erst wenige Wochen zuvor aus der Haft ent­lassen worden. Im November 2013 hatte er einen Messerangriff in einer S-Bahn verübt.

Vater reagierte bestürzt

Der Vater des Täters reagiert bestürzt auf die Tat. „Ich bin genauso schockiert wie der Rest der Welt“, sagte er. Er habe erst durch einen Anruf der Polizei von den Anschlägen seines Sohnes erfahren.

Der Terrorist hatte am Samstag und in der Nacht zu Sonntag angegriffen. Bei Schüssen auf ein Kulturcafé starb ein ­dänischer Filmemacher. Vor einer Synagoge im Stadtzentrum tötete der Angreifer einen 37 Jahre alten jüdischen Wachmann. Die Polizei erschoss den Terroristen bei einer versuchten Festnahme, nachdem er das Feuer eröffnet hatte.

In Kopenhagen haben sich am Montagabend rund 40 000 Menschen nach Angaben der Veranstalter zu einer Gedenkstunde für die beiden Opfer der Terroranschläge versammelt.