Das aktuelle Wetter NRW 22°C
Verteidigung

Atombomben in der Eifel

01.02.2008 | 22:02 Uhr

Essen. Deutschland ist mitnichten eine atomwaffenfreie Zone: Im rheinland-pfälzischen Fliegerhorst Büchel in der Eifel üben deutsche Tornado-Piloten weiterhin den Nuklearkrieg.

Zwei Jahrzehnte nach Ende des Kalten Krieges halten die USA dort in unterirdischen Bunkern noch rund 20 nukleare Sprengköpfe der Typen B-61-3 und B 61-4 einsatzbereit. Man fragt sich wofür. Denn für atomare Waffen gibt es aus der offiziellen Sicht der Nato, zumindest in Europa, keine Ziele mehr . . .

Freigabecode von den Amerikanern

Dass deutsche Jagdbomber des 33. Luftwaffengeschwaders nach wie vor als Trägerflugzeuge für Atombomben-Einsätze bereit gehalten werden, ist mithin mehr als widersinnig. Das verschlafene Eifelnest mit seinen 1000 Einwohnern aber bleibt eine aktive Lagerstatt für amerikanische Atomsprengköpfe. Die US-Luftwaffenbasis Ramstein und der Fliegerhorst Nörvenich sind dagegen inzwischen atomwaffenfrei.

Eingesetzt werden die Atombomben, wenn der amerikanische Präsident den Einsatz befiehlt und auf einem gesonderten Befehlsweg der Freigabecode für die Sicherheitssysteme eingegangen ist. Die USA nehmen für sich das Recht in Anspruch, ihre auf dem alten Kontinent gelagerten Atomwaffen zur Unterstützung des für den Nahen und Mittleren Osten zuständigen regionalen Oberkommandos "Centcom" - außerhalb des Nato-Gebietes - einzusetzen. Fachleute schätzen, dass die USA über 350 Atombomben dieses Typs verfügen und davon etliche in jenen Staaten einsatzbereit halten, die sich an der nuklearen Teilhabe der Nato beteiligen. Dies sind, neben Deutschland, Belgien, Italien, die Niederlande und die Türkei.

Auf dem Fliegerhorst Büchel wacht eine kleine US-Spezialeinheit, etwa 50 Mann stark, über die atomaren Sprengköpfe. Diese würde auf Befehl aus Washington die Waffen scharf machen und sie an die von deutschen Piloten geflogenen Tornado-Jets klinken, die die Bomben in die vorgegebenen Ziele fliegen müssten. Die Bomben vom Typ B-61 haben eine veritable Sprengkraft von 45 bis 170 Kilotonnen und damit eine bis zu 13fache Zerstörungskraft der Hiroshima-Bombe.

Wer bei amerikanischen Militärdienststellen nach den Atombomben in der Eifel fragt, wird mit einem schlichten "no comment!" abgespeist. Man erhält allenfalls die dürre Auskunft, die USA seien im Rahmen der Nato frei, auf deutschem Boden die Waffensysteme zu lagern, die sie für nötig hielten.

Nachfragen sind der Regierung peinlich

Auch in Berlin stößt man auf eine Mauer des Schweigens. Der Bundesregierung sind Nachfragen offensichtlich peinlich, auch wenn sie sich intern wiederholt, aber vergeblich für den Abzug der atomaren Sprengköpfe eingesetzt hat. Selbst die offizielle Ausrede, wer in der nuklearen Planungsgruppe mitreden wolle, müsse "auch werfen können", sticht nicht.

So hat das Verteidigungsministerium in einem Schreiben an den SPD-Abgeordneten Hans-Peter Bartels eingeräumt, dass "an nuklearen Planungsprozessen" des Bündnisses "alle Nato-Mitgliedsstaaten" teilnehmen - also auch jene, auf deren Boden keine US-Atombomben lagern.

Richard Kiessler

Facebook
 
Kommentare
25.09.2008
13:03
Atombomben in der Eifel
von heinerich | #8

die aussage, dass es noch immer keinen friedensvertrag gibt ist vollkommen falsch, absichtlich oder unabsichtlich sei mal dahingestellt.

es gibt de 2 + 4 vertrag. der wie im vertrag drinnen steht, anstatt eines friedensvertrages abgeschlossen wurde. außerdem wurde deutschland die zahlung von reparationen erstspart, weil man sowas in einem friedensvertrag festlegt. ihr musstet für den losgetretenen weltkrieg keine reparationen an die hale welt zahlen, seid froh darüber.

30.04.2008
13:40
Atombomben in der Eifel
von Ralf Schmitz | #7

Die Informationen stimmen nur teilweise, denn neben den offiziell bereit gehaltenen gibt es noch Unmengen nicht aktivierter Reservebestände

06.02.2008
10:33
Atombomben in der Eifel
von Xanthe Hall | #6

Wenn jemand was gegen diese Atomwaffen machen will, dann gibt es die Kampagne unsere zukunft - atomwaffenfrei. Mehr Infos: http://www.atomwaffenfrei.de.

05.02.2008
18:52
Atombomben in der Eifel
von eras | #5

Verständnisfrage:
Kann mir civic/ Zivilisten jemand den vorletzten Satz erklaeren?: `Selbst die offizielle Ausrede, wer in der nuklearen Planungsgruppe mitreden wolle, müsse auch werfen können, sticht nicht.`
Selbst wenn ich mir ein Kegelspieler vorstelle, gibt `auch werfen können`, fuer mich leider noch keinerlei Sinn...

03.02.2008
11:47
Atombomben in der Eifel
von wolfsblut | #4

@vom ort,na was meinst du wohl warum wir nur ein waffenstillstand haben.damit wir nix zu sagen haben.wenn unsere politiker mal so viel ar... in der hose hätten,dann würden sie auf ein friedensvertrag pochen

02.02.2008
08:39
Atombomben in der Eifel
von vom ort | #3

wenn man sich überlegt das wir immer noch keinen friedesvertrag sondern nur einen waffenstillstand haben braucht man sich über das verhalten der besatzer nicht wundern!!!

02.02.2008
08:02
Atombomben in der Eifel
von Kellerhoff | #2

@schnee:
Diese Info ist richtig, aber nicht wirklich neu. Schon gar nicht das Verhalten der Amerikaner. Partnerschaft nach Gutsherrenart - das war schon immer ihr Stil im Umgang innerhalb der NATO. Und wenn unsere sogenannten Spitzenpolitiker vom Speichellecken in Washington wieder zurück kommen, wurden solche Themen gewiss nicht angesprochen.

02.02.2008
06:52
Atombomben in der Eifel
von schnee | #1

Stimmt, dieses Thema wird totgeschwiegen. Man muss oft zwischen den Zeilen lesen, um zu verstehen.
Über diesen Artikel war ich heute früh sehr erstaunt!

Trackbacks

Die Trackback URL zu diesem Artikel ist: http://www.derwesten.de/services/trackbacks/article/1560699/create

Umfrage
Bürger sollen künftig häufiger gefragt werden, ob sie zu einer Organspende bereit wären. Können Sie sich vorstellen, Organspender zu werden?
 
Aktuelle Fotos und Videos
Karikatur vom Tage
Bildgalerie
Fotostrecke
Norbert Röttgen - Aufstieg und Fall
Bildgalerie
Rücktritt
David McAllister geht "baden"
Bildgalerie
Boot kentert
Triumph der Sozialisten
Bildgalerie
Frankreich
Aus dem Ressort
Ramsauer will Punktesystem in Flensburg noch verschärfen
Verkehr
Wer sich unerlaubt vom Unfallort entfernt oder andere durch zu nahes Auffahren nötigt, soll im neuen Verkehrssünder-System mit drei Punkten in Flensburg bestraft werden. Das plant Bundesverkehrsminister Ramsauer. Er will die Reform der Verkehrssünder-Datei nach Bürgerbefragungen verschärfen.
Streit um Pkw-Mautpläne von Verkehrsminister Ramsauer
Autobahn
Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer (CSU) will eine Pkw-Vignette wie in der Schweiz oder Österreich einführen. Die Koalition solll das Thema am 4. Juni diskutieren. Allerdings sperrt sich die FDP bereits gegen das Vorhaben.
Foto 50 Kommentare 50