Athen schließt die Banken

Athen..  Griechenland schlittert nach dem Scheitern der Verhandlungen mit seinen Gläubigern in eine der größten Krisen seiner Geschichte. Im Fokus stehen dabei die Banken. Die Europäische Zen­tralbank (EZB) hat die Nothilfen zwar vorerst nicht gestoppt, dennoch setzte die Notenbank mit der Entscheidung vom Sonntag, den Geldhahn nicht noch weiter aufzudrehen, Athen unter Zugzwang.

Als Reaktion hat die griechische Regierung Banken und Börsen die Öffnung untersagt. Demnach sollen die Geldinstitute ab dem heutigen Montag geschlossen bleiben. Wie griechische Medien berichteten, sollen die Geldinstitute erst nach dem 6. Juli, also nach der geplanten Volksabstimmung, wieder öffnen. An Geldautomaten sollen nur 100 Euro pro Tag abgehoben werden können, zumindest in den ersten Tagen. Zugleich sollen Kapitalverkehrskontrollen eingeführt werden, um den Abfluss von Geld ins Ausland zu begrenzen. So soll der Kollaps verhindert werden. Zuletzt hatten immer mehr verunsicherte Bürger Bargeld abgehoben.

In dieser Woche läuft zudem das Hilfsprogramm von Euro-Partnern, Währungsfonds (IWF) und EZB für Athen aus. Damit fehlen dem Land Milliarden, die dringend zur Tilgung von Schulden beim IWF benötigt werden. Denkbar sind damit auch der Staatsbankrott und das Ausscheiden Griechenlands aus der Eurozone.

Die Regierung in Athen hatte überraschend eine Volksabstimmung über die von den Geldgebern geforderten Reformen am kommenden Sonntag angekündigt und gleichzeitig deren Ablehnung empfohlen. Parallel wurden die Gespräche der Euro-Finanzminister mit Griechenland ohne Ergebnis abgebrochen – und es hagelte heftige Kritik. „Die Enttäuschung ist schon sehr groß“, sagte Finanzminister Wolfgang Schäuble (CDU). Er bekräftigte wie seine Kollegen, dass Griechenland Mitglied der Euro-Zone und Teil der EU bleibe. Neue Verhandlungen wären jederzeit möglich. IWF-Chefin Christine Lagarde sagte der BBC, die Griechen könnten in dem Referendum auch für das Angebot der Geldgeber stimmen. Deren Antwort hieße dann: „Lasst es uns versuchen.“

Finanzminister Varoufakis sagte „Bild“ mit Blick auf Kanzlerin Angela Merkel (CDU): „Die Regierungschefs der EU müssen handeln. Und von ihnen hält sie als die Vertreterin des wichtigsten Landes den Schlüssel in der Hand.“