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Syrien

Assads Armee greift Rebellenstadt Homs in Syrien an

05.02.2012 | 18:07 Uhr
Assads Armee greift Rebellenstadt Homs in Syrien an

Kairo/New York.   Mit schwerer Artillerie hat der syrische Diktator Assad seine Armee die Rebellenhochburg Homs angreifen lassen. Der Westen ist weiter zum Zugucken verdammt: Russland und China blockieren mögliche Sanktionen gegen den afrikanischen Staat. Außenminister Westerwelle spricht von einem "Veto gegen die Menschen“.

Es war wie eine Vorlage: Kurz vor der Abstimmung des Weltsicherheitsrats in New York hatte die syrische Armee nach Angaben von Menschenrechtsgruppen am Samstag in der Stadt Homs ein bisher beispielloses Massaker an Bewohnern verübt. Dennoch stimmten China und Russland gegen eine Resolution gegen Syrien

Stundenlang und systematisch wurden die sunnitischen Wohnviertel Khalidiyeh, Bab Amr und Qusur mit schwerer Artillerie und Panzerraketen unter Feuer genommen. Wie die „Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte“ in London bestätigte, starben mindestens 230 Menschen in ihren Häusern, von denen Dutzende total zerstört wurden. Über 1000 Bewohner wurden verletzt, darunter viele Frauen und Kinder. Das Regime in Damaskus bestritt diese Berichte und tat sie als „hysterische Propaganda-Kampagne bewaffneter Gruppen“ ab. Die Toten „auf den Bildern der Satellitenkanäle“ seien in Wirklichkeit von Bewaffneten entführt und hingerichtet worden. Amateurvideos aus Homs zeigten panische Szenen aus der Moschee des bombardierten Stadtteils Khalidiyeh, die als provisorische Notaufnahme für Verletzte hergerichtet worden war. Auf dem Boden des Gotteshauses waren auch zahlreiche Tote zu sehen. Andere Bilder dokumentierten die verzweifelten Versuche von Bewohnern, ihre brennenden Häuser zu löschen.

Botschaften gestürmt

Homs, das teilweise aussieht wie eine Ruinenstadt, gilt seit Monaten als Hochburg des Widerstands gegen das Assad-Regime. Ganze Straßenzüge sind bereits unter der Kontrolle der „Freien Syrischen Armee“, andere Viertel nach wie vor im Griff des Regimes. Möglicherweise ist das Massaker eine Vergeltungsaktion für den Überfall von Deserteuren auf einen Armeeposten in Khalidiyeh, bei dem 19 Soldaten getötet oder gefangen genommen wurden.

Aus Protest gegen das Blutvergießen stürmten Regimegegner in zahlreichen europäischen und arabischen Hauptstädten die syrischen Botschaften und verwüsteten das Inventar. Den schwersten Schaden nahm die Vertretung in Kairo. Die Demonstranten zündeten das Gebäude an, es brannte teilweise aus. Tunesien kündigte an, den syrischen Botschafter des Landes zu verweisen und forderte alle anderen arabischen Staaten auf, das Gleiche zu tun.

Westliche und arabische Staaten äußerten ihr Unverständnis über das Nein Russlands und Chinas zu einem Text, der die Untaten des Regimes von Damaskus verurteilen sollte. Dagegen hatten 13 der 15 Mitglieder den arabisch-europäischen Entschluss befürwortet. „Das ist eine große Enttäuschung für die Menschen in Syrien und dem ganzen Nahen Osten, für alle Unterstützer von Demokratie und Menschenrechten“, erklärte UN-Generalsekretär Ban Ki-Moon.

Warnung vor Bürgerkrieg

Die UN-Botschafterin der Vereinigten Staaten, Susan Rice, wurde deutlicher: „Wir sind angewidert, dass einige Mitglieder uns davon abhalten, unsere Pflicht zu tun.“ Frankreichs UN-Botschafter Gérard Araud warf Russen und Chinesen vor, sie hätten „das Blut des syrischen Volkes an ihren Händen“. Außenminister Guido Westerwelle sprach von einem „Veto gegen die Menschen in Syrien“, US-Außenministerin Hillary Clinton warnte vor einem bevorstehenden Bürgerkrieg.

Russland und China versuchten, ihr Verhalten im UN-Sicherheitsrat zu rechtfertigen. „Wir bedauern diesen Ausgang“, erklärte Moskaus Botschafter Witali Tschurkin. Russland habe einen Kompromiss finden wollen. „Aber diese Versuche wurden von Ländern unterlaufen, die zu viel wollten, sogar einen Regimewechsel.“ Sein chinesischer Kollege Li Baodong sagte, solange die Verhandlungspartner noch uneins seien, trage eine Abstimmung weder zur Geschlossenheit und Autorität des Sicherheitsrats noch zur Lösung des Konflikts bei.

Martin Gehlen

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Kommentare
06.02.2012
13:42
"Russland und China blockieren mögliche Sanktionen gegen den afrikanischen Staat"
von donelvis | #2

Vielleicht sollte man dem Autor mitteilen, dass Syrien kein afrikanischer Staat ist.

05.02.2012
19:49
Wilde Worte
von findling | #1

Irgendwie kann sich der Bericht nicht richtig entscheiden, ob nun die Vorkommnisse dort tatsächlich oder nur nach Angaben aus verschiedenen Quellen in Art und Ausmaß stattgefunden haben.
Persönlich halte ich es für höchstwahrscheinlich, dass die syrische Armee und seine Geheimdienste nun ein neues Massaker in Homs begangen haben könnten, aber dennoch bleibt es auch bei dem von den syrischen Machthabern hauptsächlich zu verantwortenden Mangel an unabhängigen Beobachtern.

Von wilden Worten hat die syrische Bevölkerung aber nichts. Westerwelle hätte schon längst einen Flieger nehmen sollen, um in Damaskus mit seinem Konterpart oder Assad selbst zu reden.
Er hätte schon längst in Erfahrung bringen müssen, wie es der syrischen Führung leichter gemacht werden könnte nachzugeben, denn nun wird sie ja zu Recht auch noch ausländische Mächte fürchten und ins Feld führen können, die sie bedrohten.
Da stände es auch Westerwelle an, kleinere Brötchen zu backen, denn was hat er denn in den letzten 10 Monaten für die Menschen in Syrien geleistet?

Und was hätte bei der UN-Resolution raus kommen sollen, außer einer Verurteilung Syriens?

Will dort jemand einmarschieren?
Dann soll er das laut und deutlich aussprechen und nicht so tun, als seien die Unruhen jetzt aufgelebt und der Einsatz der syrischen Armee habe jetzt erst richtig begonnen.

Also, wer sind die Mutigen, die dort eingreifen wollen oder was meint man mit weiteren Sanktionen bewirken zu können?
Dass die halbe Bevölkerung dort täglich zu frieren hat, weil auch dort der Winter härter ist als in den Vorjahren aber die Versorgung mit Heizstoffen nicht mehr aufrechterhalten werden kann?

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