Armut droht in NRW zum Massenphänomen zu werden
05.09.2012 | 12:56 Uhr 2012-09-05T12:56:33+0200
Düsseldorf. Jeder fünfte Vollzeitbeschäftigte in NRW arbeitet im Niedriglohnsektor. Die Zahl der Menschen, die im Monat weniger als 833 Euro zur Verfügung haben, schnellt in die Höhe. Die Ergebnisse des neuen Sozialberichts alarmieren Arbeitsminister Guntram Schneider: "Die soziale Schere geht immer weiter auseinander".
Immer mehr Menschen in Nordrhein-Westfalen droht Armut. Im Vorjahr stieg die Zahl der einkommensarmen Personen gegenüber 2010 um 200.000 oder 7,6 Prozent auf rund 2,8 Millionen Menschen. Das sind 15,8 Prozent der Bevölkerung des Landes, wie aus dem Sozialbericht NRW 2012 hervorgeht, den Arbeitsminister Guntram Schneider (SPD) am Mittwoch in Düsseldorf vorstellte.
Als einkommensarm gilt, wer monatlich weniger als 833 Euro zur Verfügung hat. "Die soziale Schere in unserem Land geht immer weiter auseinander , obwohl wir ein positives Wirtschaftswachstum haben", warnte Schneider. Ein weiteres Alarmzeichen sei die wachsende Zahl der Geringverdiener, zu denen laut Sozialbericht 2010 mehr als die Hälfte der Vollzeitbeschäftigten unter 25 Jahre zählte. Inzwischen sei jeder fünfte Vollzeitbeschäftigte in NRW im Niedriglohnsektor tätig. Als Niedriglohn gilt ein monatliches Bruttoarbeitseinkommen von unter 1.890 Euro.
Vor diesem Hintergrund forderte Schneider einen "Umverteilungsprozess", der die "unverhältnismäßige Belastung" kleinerer Einkommen zurücknehme. Gefordert seien ein gesetzlicher Mindestlohn sowie die "adäquate" Besteuerung von Vermögen. Auch eine Erhöhung des Spitzensteuersatzes gehöre dazu. "Starke Schultern können und müssen mehr tragen als schwache", sagte der Minister.
Wohlfahrtsverbände warnen vor Kürzungen
Die Wohlfahrtsverbände in Nordrhein-Westfalen sehen angesichts der Ergebnisse des Sozialberichts dringenden Handlungsbedarf und fordern weitere Initiativen auf Landes- und Bundesebene. Gleichzeitig warnen die Verbände die Landesregierung vor Kürzungen im Sozial- und Bildungshaushalt. „Wir können uns Armut nicht leisten“, sagt Hermann Zaum, Vorsitzender der Freien Wohlfahrtspflege NRW. „Wenn ganze Stadtteile abgehängt werden, gefährdet das unsere Demokratie. Und wenn wir zulassen, dass junge Menschen ohne Schul- oder Berufsabschluss bleiben, dann setzen wir die Zukunftsfähigkeit unserer Volkswirtschaft aufs Spiel.“
Im vorliegenden Sozialbericht sehen die Wohlfahrtsverbände eine gute Grundlage für eine vorausschauende Sozial-, Bildungs- und Arbeitsmarktpolitik. Hermann Zaum: „Wenn es die Landesregierung ernst meint mit der Armutsbekämpfung, dann ist im Sozial- und Bildungshaushalt und vor allem bei den Kindern und Jugendlichen nicht zu sparen.“ (mit dapd)

17:03
einen dritten Punkt hatte ich noch ganz vergessen.
Die aufkommende wirtschaftlich schwierige Lage der unteren Einkommenschichten ist doch auch Auswuchs der langjährig gepredigten "Dienstleistungsgesellschaft".
Man siehr jetzt auf leider tragische Weise die Ergebnisse, nämlich den wachsenden Niedriglohnsektor und den Niedergang des Ruhrgebiets.
Rein Interesse halber... habe ich bei meinem letzten Abitreffen nach 20 Jahren feststellen müssen, dass sage und schreibe gefühlte 90% der studierten Kollegen nach dem Studium aus Essen aus Mangel an Jobs weggezogen sind...nach München, Stutgart, Ausland etc.
Was leider bleibt sind die einkommensschwachen, was fehlt die potenten gutverdienenden Beitragszahler. Die arbeiten nun bspw. in München bei Pharmafirmen oder namhaften und international konkurrenzfähigen Industrieunternehmen....
Und die Politik im Pott schaut zu und verstrickt sich in ihren Sozialdiskussionen über Umverteilung etc. So wundert es nicht, das die Region weiter verkommt..
Na ja, "die Politik" musste sich in NRW ja dringend um höhere Renten für sich selbst kümmern, allen voran Frau Kraft, da bleibt nicht mehr viel energie übrig, um sich um das Volk zu kümmern.
15:51
da platzt bei diesem Stammtischgelaber des Herrn Schneider einem der Kragen.
Es sind genau zwei Tatsachen, die zu dieser leider negativen Entwicklung führen.
1. Zusammenhang zwischen Bildung und Armut - neben der Verantwortung der Eltern (teilweise nicht vorhanden) für eine gute Ausbilung der Nachkommen zu sorgen, sollte der Staat für eine möglichst zukunftsorientierte Ausbildung sorgen. Ein gut ausgebildeter Handwerker mit regelmäßiger Weiterbildung kommt bspw. gem. Erfahrung aus dem Bekanntenkreis hervorragend über die Runden. Die nahe der Vollbeschäftigung liegenden Arbeitslosenquoten hoch qualifizierter Leute sprechen auch eine eindeutige Sprache.
2. Fehlerhafte jahrzehntelange Politik in NRW. Wenig Investitionen in Bildung, Subventionierung nicht zukunftsfähiger Branchen (s. Kohle) schwächte den Standort NRW, sodass starke Industrien bszw. in Bayern für gutbezahlte Jobs sorgen. (A-quote Bayern ca. 3-5%)
Unstrittig ist dabei eine angemessene Bezahlung gut ausgebildeter Leute.
15:35
können Sie ja mal an einem Regentag im Dezember in der sauerländischen Pampa mit dem Fahrer des letzten Kleinbusses führen. Oder als Patient in der Notaufnahme mit den dortigen Krankenschwestern.
Vielleicht verstehen Sie dann den Unterschied zwischen gesellschaftlichen Nutzen und ihren neoliberalen Hirngespinsten.
15:12
Der Zusammenhang zwischen Bildung und Armut ist unleugbar:
"Geringqualifizierten gelingt es zu einem wachsenden Anteil nicht, ein Einkommen oberhalb der Armutsrisikoschwelle zu erzielen. Die Armutsrisikoquote von Personen aus Haushalten von gering qualifizierten Haupteinkommensbezieherinnen und -beziehern ist von 31,7 % im Jahr 2005 auf 36,2 % im Jahr 2010 gestiegen. Weist die Person mit dem höchsten Einkommen im Haushalt eine mittlere oder hohe Qualifikation
auf, so liegt die Armutsrisikoquote mit 12,4 % bzw. 3,8 % wesentlich niedriger. (...) Relative Einkommensarmut geht häufig mit einem Mangel an Bildungsressourcen und unfreiwilliger Nichterwerbstätigkeit einher."
14:53
Bitte sehr.
Woher denn wohl die Weisheit mit den 50% kommt, würde mich dann auch noch interessieren, und kommen Sie mir jetzt nicht mit Gewerkschaftsstatistiken.
Man muss auch mal zur Kenntnis nehmen, dass es in unserem Gesellschaftssystem eben nur für den Umstand dass jemand den ganzen Tag irgendwas arbeitet, nicht automatisch 20 EUR in der Stunde bezahlt werden. Ganz einfach.
Na - die entsprechenden Zahlen werden doch gerade SIE schnell finden können.
Aufgrund ihrer bisherigen Beiträge, hält sich mein Interesse ihnen zu helfen in Grenzen.
Eins habe ich nämlich gelernt - es gibt Leute:
Bitte verwirren sie mich nicht mit Tatsachen - ich habe meine vorgefertigte Meinung.
14:37
7
über 50 % aller, im Niedriglohn, Beschäftigten haben eine abgeschlossene Berufsausbildung bzw. ein abgeschlossenes Studium
Danke für das Gespräch !!!!!!!!!!!!!
14:27
und den gesellschaftlichen Nutzwert verschiedener Job berechnet. Dabei kam raus, das weder Entlohnung noch berufliche Qualifikation Beweis für den gesellschaftlichen Nutzen sind.
Mal ganz abgesehen davon, dass ihr Stammtischbeispiele die Ausnahme sind.
Soso. Dann entstammt dem Stammtisch also die Tatsache, dass sämtliche Statistiken einen unmittelbaren Zusammenhang zwischen Bildungsniveau und Bezahlung bzw. Chancen überhaupt einen Job zu bekommen, attestieren?
Dann ist es also nicht richtig, dass Akademiker im Schnitt (und von nix anderem rede ich) immer noch deutlich weniger oft arbeitslos werden bzw. schlecht bezahlte Jobs annehmen müssen als alle andere Berufsgruppen?
Wer das glaubt, bewegt sich intellektuell auf dem gleichen Niveau, wie unser Arbeitsminister und die anderen Gewerkschaftsheinis. Wenn ich mich tatsächlich von diesen Leuten vertreten lassen müsste, dann würde ich mir allerdings auch Sorgen machen.
@evildeathrock
soweit ich meistgu verstehe geht es ihm garnicht um den zusammenhang von bildung und job/verdienst sondern um den gesellschaftlichen nutzen den eine taetigkeit hat.
z.b.: sanitaeter vs schoenheitschirurg
der eine faehrt (schlecht bezahlt) in der ambulanz durch die gegend, versorgt verletzte und rettet leben, der andere pumpt blondinen mit silikon voll ;)
volker pispers:
Stellen sie sich vor, morgen fallen alle Investment-Banker, Unternehmens-Berater und Aktienanalysten tot um. Oder morgen fallen alle Krankenschwestern, Polizisten, Feuerwehr-Leute und Altenpfleger tot um. Und dann überlegen sie kurz, was sie persönlich vermissen würden.
14:21
Es ist immer wieder erstaunlich, dass irgendwann "die da Oben" auch merken, was jeder weiß?
Schlechtes Bildungssystem, Hartz IV, Mütter mit Kindern, junge Menschen und viele Jobs im Billigsektor - was soll anderes da bei rauskommen????
Ist es in Ordnung, dass Menschen den ganzen Tag arbeiten und mit dem Lohn nicht mal die Miete bezahlen können????
Eigentlich sollte die Politik dagegen etwas unternehmen! Eigentlich!!!!
14:12
Dieses Gejammere über angebliche Armut geht mir langsam gehörig auf den Zwirn. Es ist doch ganz offensichtlich, dass es vor allem die zu geringe bzw. nicht vorhandene Qualifikation ist, die Leute in gering bezahlte Beschäftigung treibt. Hier erntet man jetzt die Früchte, der völlig verfehlten NRW-Bildungspolitik der letzten 50 Jahre: Immer geringere Anforderungen, immer weniger Geld für Bildung und jetzt auch noch G8 und Bologna.
Dazu kommt, dass es überhaupt nicht einsichtig ist, dass jemand dessen einzige Berufsqualifikation darin besteht, einen Kleinbus fahren zu können, mehr als 7 EUR die Stunde verdienen sollte. Oder: wer schon mit 16, weil keine Lust mehr, die Schule geschmissen hat, der kann sich hinterher nicht über die ach so schlechte Bezahlung von Hilfsarbeiterjobs beschweren. Die meisten Leute auch in NRW sind nämlich schlicht nicht bereit solche einfachen Tätigkeiten besser zu bezahlen (z. B., durch höhere Preise).
Man muss den Ball auch mal ein bisschen flach halten.
Sagen Sie das einmal den Leuten mit abgeschlossenem Studium, die nichts anderes bekommen als einen Billigjob.
Hauptsache ihnen geht es gut?
Das unsere Bildungssysteme schlecht wissen wir schon lange. Nur warum tut da niemand was gegen? Ist das etwa gewollt?
jaja, sicher, sind halt selber schuld.
knapp 700.000 offene stellen.
knapp 3mio arbeitslose
knapp 7mio hartz4 emppfaenger
ihrer ansicht nach haetten wir keine arbeitslosen und arme wenn die alle besser ausgebildet waeren?
ja, ne, is klar!
Wenn es so wäre wie Sie schreiben, dann ja. Aber wieviele Fachkräfte, gut ausgebildet, fallen heute in niedrige Löhne, Zeitarbeit und befristete Arbeitsverhältnisse. Wieviele ältere Fachkräfte bekommen keinen Job mehr oder verdienen bitterwenig? Das alles sind die Millionen, die von Rot-Grün in die Situation gebracht wurden. Gelb-Schwarz bedankt sich dafür. Nein, Gerechtigkeit, Ehrlichkeit, Menschenwürde, Bürgernähe nach unserem Grundgesetz: alles dieses fehlt. Die Politik ist verlogen, betrügend, kapitalfördernd und weiß nicht mehr um die Sorgen und Nöte vieler Bürger. Eine Wahl ist inzwischen überflüssig.
13:54
Mentalidad Capitalista. Die Welt ist für dich gemacht, kein Schicksal.