Arm und Reich sind Nachbarn

Gerade ärmere Kommunen bringen Sozialausgaben in Bedrängnis.
Gerade ärmere Kommunen bringen Sozialausgaben in Bedrängnis.
Foto: Oliver Berg

Machen Sie den Selbstversuch: Gehen Sie mal durch Hilden im Kreis Mettmann und sehen Sie, wie fein NRW-Städte sein können: gediegener Wohlstand, glatte Straßen, zumindest oberflächlich heile Welt. Und dann gehen Sie mal durch Altenessen oder Dortmund-Dorstfeld oder Bochum-Hamme.

Das sind keine schlechten Orte, sie haben Charme, man kann sie lieben. Aber im Vergleich zu den rheinischen Vorzeigeorten wirken sie: abgehängt.

Arme Städte, reiche Städte, ­nebeneinander in einem Land. Die einen flicken kreativ Schulen, die anderen üben Marketing. Sind die Pleitestädte im Revier selbst daran schuld? Haben sie schlecht gewirtschaftet? Möglicherweise.

Aber ein Teil ihrer Probleme resultiert aus ­ihrer besonderen Verantwortung. Sie stehen in der Pflicht, bedürf­tigen Menschen – und von ihnen gibt es in Teilen des Ruhrgebiets mehr als anderswo – ein Leben in Würde zu ermöglichen. Das kostet viel. Es kostet sogar immer mehr.

Der Bund könnte die Not lindern. Indem er die extrem prekäre Lage erkennt und Städte mehr als bisher nach sozialen Kriterien fördert. ­Vorteil fürs Revier: Es dürfte endlich wieder von Entschuldung träumen.