Arbeitsagentur fordert flexiblere Öffnungszeiten für Kitas

Nach dem Mittagessen müssen die Kinder in vielen Kitas schon nach Hause. Die Agentur für Arbeit fordert flexiblere Öffnungszeiten.
Nach dem Mittagessen müssen die Kinder in vielen Kitas schon nach Hause. Die Agentur für Arbeit fordert flexiblere Öffnungszeiten.
Foto: Archiv/imago
Was wir bereits wissen
Die Bundesagentur für Arbeit fordert längere und flexiblere Öffnungszeiten für Kitas. Starre Zeiten passten nicht mehr in die Arbeitsrealität. Nicht nur Alleinerziehende profitieren von einer solchen Regelung. Kritiker sagen: Der Vorschlag ist gut, aber nicht finanzierbar.

Essen.. Die Bundesagentur für Arbeit (BA) fordert längere und flexiblere Öffnungszeiten in den Kindertagesstätten. Starre Betreuungszeiten in Kitas passten nicht zur heutigen Lebens- und Arbeitswelt, kritisierte BA-Vorstandsmitglied Heinrich Alt.

Auch wenn es nicht die späten Abendstunden sein müssen, flexible Öffnungszeiten sind gewünscht. Von 9300 Kitas in NRW öffnen 5966 bereits vor 7.30 Uhr, 284 sind auch nach 17 Uhr geöffnet. Den Bedarf an flexiblen Zeiten bestätigt auch der Eon-Betriebskindergarten in Essen. Zwar seien die wenigsten Kinder bis 19 Uhr untergebracht, „aber bis 16 Uhr ist doch heute niemand mehr mit der Arbeit fertig“, heißt es aus der Kita Grugapark.

Arbeitsmarkt Nicht nur Alleinerziehende profitieren

Mütter und Väter können ihre Kinder hier zwischen 7 und 19 Uhr für maximal neun Stunden unterbringen und täglich entscheiden, zu welcher Uhrzeit das geschieht. Ein ähnliches Modell inklusive einer Samstagsbetreuung gilt für die Kita Diesterwegstraße in Gelsenkirchen.

Hier legt man Wert auf die Feststellung, dass nicht nur Alleinerziehende von flexiblen Öffnungszeiten profitieren: „Es sind alle berufstätigen Eltern. Angefangen bei der Krankenschwester oder der Verkäuferin bis hin zum Sparkassenangestellten mit langem Donnerstag.“

Ist der Vorschlag überhaupt finanzierbar?

Als „wünschenswert“, aber „nicht finanzierbar“ wertet Sozialwissenschaftler Stefan Sell den Vorstoß der BA. „Schon jetzt gibt es Qualitätsprobleme. Außerdem steuern wir auf einen Fachkräftemangel zu.“ Nach Angaben Sells, Professor für Volkswirtschaft, Sozialpolitik und Sozialwissenschaften am Rhein-Ahr-Campus Remagen, bedeuten erweiterte Öffnungszeiten einen erheblichen Personalbedarf.

Zudem hätten Erhebungen ergeben, dass die Betreuung bis 20 Uhr zwar gefordert, aber in der Praxis nur von drei bis vier Eltern nachgefragt werde. Selbst für diese Mini-Gruppen müsse jede Kita zwei Fachkräfte abstellen.

Quantität statt Qualität

„Wer soll das bezahlen? Ich fürchte, dass wir nur noch auf die Quantität statt auf die Qualität schauen“, sagt Sell. Auch die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) glaubt nicht an die Umsetzbarkeit der BA-Forderung.

Dass viele Kinder immer häufiger eine „38-Stunden-Woche“ haben, teilt das Statistische Bundesamt mit. Demnach werden in Deutschland bereits mehr als die Hälfte aller Kita-Kinder unter drei Jahren mindestens 35 Stunden pro Woche betreut.