Das aktuelle Wetter Essen 10°C
Papst

Appell zum Papst-Boykott stößt auf Unverständnis

26.06.2011 | 19:37 Uhr
Appell zum Papst-Boykott stößt auf Unverständnis

Essen.  Wird der Bundestag vom Papst missbraucht? Das jedenfalls behauptet SPD-Politiker Rolf Schwanitz in einem Brief. Er fordert seine Fraktionskollegen dazu auf, der Ansprache fernzubleiben. Doch sein Appell stößt allgemein auf Unverständnis.

Die Rede ist noch gar nicht gehalten, doch sie sorgt schon für Streit. Es geht um die Ansprache, die Papst Benedikt XVI. bei seinem Deutschland-Besuch am 22. September vor dem Bundestag halten wird. Bundestagspräsident  Lammert hatte ihn dazu eingeladen. Doch der SPD-Politiker Rolf Schwanitz fordert jetzt in einem Brief seine Fraktionskollegen dazu auf, der Ansprache fernzubleiben.

Die Rede sei mit dem „Grundsatz der religiösen Neutralität des Staates unvereinbar“, heißt es in seinem Text. Der Bundestag werde als „schmückendes Beiwerk und als medialer Verstärker für die theologische Rede“ des Papstes „missbraucht“. Der Bundestag sei kein „Ort der religiösen Missionierung“. Und weiter schreibt Schwanitz, mit dem Papst trete zum ersten Mal ein Gast ans Rednerpult, „der die Mehrheit der Deutschen für verdammungswürdig hält“. Denn nach den Glaubenssätzen der katholischen Kirche seien all jene Menschen davon betroffen, „die diesem Glauben wissentlich nicht folgen wollen“. Sie würden vom Papst „stigmatisiert“. Außerdem trage der Papst „erhebliche Verantwortung“ an der Ausbreitung „Aids-Epidemie“, und „an der Unterdrückung, Ausbeutung und Stigmatisierung von Millionen Menschen“.

„Hoffentlich äußert er sich auch zum Thema Missbrauch“

Kerstin Griese, die Beauftragte der SPD-Bundestagsfraktion für Kirche und Religionsgemeinschaften, findet die Formulierung des Briefes „unglücklich“. Und sie widerspricht dem Eindruck, hinter ihm stünde die gesamte Fraktion. „Das ist falsch“, sagte sie der WAZ. Und: Der Papst sei vom Bundestag eingeladen worden und daher finde sie es gut, ihm zuzuhören, so Kerstin Griese. Dies gelte unabhängig davon, dass man Kritik an Positionen des Papstes haben könne und auch äußere. „Ich werde mir die Rede anhören, weil ich mich dem Dialog nicht entziehen möchte“, sagte die Abgeordnete aus Velbert. Sie erwarte von Benedikt, dass er sich auch zum Missbrauch in der Kirche redet. „Als Mitglied der evangelischen Kirche habe ich zudem die Hoffnung, dass er sich zur Ökumene äußert.“

Papst Johannes Paul II.

 

Auch der Linken-Politiker Bodo Ramelow will sich die Rede von Benedikt XVI. anhören. „Ich werde anwesend sein und mit Aiman Mazyek vom Zentralrat der Muslime und Walter Homolka von den liberalen Juden der Rede lauschen“, sagte Ramelow der WAZ. Beide seien Gäste, die die Linken-Bundestagsfraktion zu diesem Anlass eingeladen habe. „Es ist klar: Das ist kein Gottesdienst, sondern eine Rede in einem weltlichen Parlament und er wird sich zu weltlichen Themen äußern.“ Benedikt sei vom Bundestag eingeladen worden, „und dieser Einladung hat niemand widersprochen“, daran erinnert der Fraktionschef der Linken im Thüringer Landtag. Man solle diesem Staatsgast die Höflichkeit erweisen, die man auch anderen Staatsgästen entgegenbringt. „Wenn Abgeordnete meiner Partei das nicht aushalten, sollen sie nicht hingehen.“ Den Brief des Abgeordneten Schwanitz allerdings betrachtet Ramelow nicht als Boykott-Aufruf, sondern als dessen Meinungsäußerung.

Protestant Ramelow: Audienz beim Papst war spannend

Der Protestant will jedoch nicht der Einladung zum Gottesdienst in Erfurt folgen, der nächsten Station des Papstes bei seinem Besuch im September. „Ich will mich nicht öffentlich dabei filmen lassen, wie ich einen Gottesdienst besuche“, begründet er das. Er könne aber Katholiken verstehen, die dem Papst dabei nahezukommen versuchen. „Ich war zur Audienz beim Papst“, so der Protestant, „und ich fand das spannend -- wenn es auch nicht meine Welt ist.“

Der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Nikolaus Schneider, hat ebenfalls keine Einwände gegen die Rede. „Der Papst ist ja auch Staatsoberhaupt“, sagte er der WAZ. „Das entspricht zwar nicht unserem Kirchenbild, aber als Staatsoberhaupt hat er das Recht, im Bundestag zu sprechen.“

Die Deutsche Bischofskonferenz reagierte gelassen auf Schwanitz „Wir gehen davon aus, dass es eine Meinung ohne Mehrheit ist.“

Angelika Wölk

Facebook
 
Kommentare
24.09.2011
00:23
Appell zum Papst-Boykott stößt auf Unverständnis
von Emil1972 | #35

Immer wieder toll das bei manchen Artikeln die Kommentarfunktion deaktiviert wird. Angst vor zuvielen kritischen Stimmen? Man o man ist das armselig.
Ach ja: Wer braucht schon einen greisen alten Mann, dessen Weltanschauung in der Steinzeit verankert ist?

14.09.2011
23:12
Appell zum Papst-Boykott stößt auf Unverständnis
von ethnodeutscher | #34

wozu braucht die welt einen papst?jeder freiwillige helfer in ostafrika hat für mich mehr anerkennung verdient wie dieser komischer,unsympatischer mensch in weiss.boykottiert den papst.die religion ist doch an allem elend schuld.

14.09.2011
22:52
Appell zum Papst-Boykott stößt auf Unverständnis
von Formeleins | #33

Wie teuer kommt der Besuch? Hungern in Afrika nicht die Kinder? Staat und Kirche gehören getrennt.

14.09.2011
19:27
Appell zum Papst-Boykott stößt auf Unverständnis
von butterblumenfee | #32

Armer Bundestag !!!!!!
So etwas nennt sich Deutschland !!!!

14.09.2011
19:14
Blockierter Kommentar.
von roosterkatze | #31

Dieser Kommentar wurde von einem Moderator blockiert.

27.06.2011
14:17
Appell zum Papst-Boykott stößt auf Unverständnis
von Habakuk | #30

Hmm, hat der Redaktion das nette Wahlkampfplakat von Herrn Schwanitz nichzt gefallen?

Armselig!

27.06.2011
12:55
SPD-Politiker Rolf Schwanitz ruft zum Boykott der Papst-Rede vor dem Bundestag auf
von wohlzufrieden | #29

Vernunft kann der Seeheimer Kreis nicht dulden.

27.06.2011
11:20
SPD-Politiker Rolf Schwanitz ruft zum Boykott der Papst-Rede vor dem Bundestag auf
von Berlinerin2011 | #28

@kollest
Sie haben natürlich recht :-))

27.06.2011
11:09
SPD-Politiker Rolf Schwanitz ruft zum Boykott der Papst-Rede vor dem Bundestag auf
von kollest | #27

@Berlinerin2011: Netter Fehler; ich denke Sie meinten ...über 1 Mrd Gläubige.....ansonsten wären die Gläubiger sicher glücklich, wenn sie mit höchstem Segen ihre Forderungen eintreiben könnten ;3)))

27.06.2011
10:24
SPD-Politiker Rolf Schwanitz ruft zum Boykott der Papst-Rede vor dem Bundestag auf
von superwiser | #26

Der Papst könnte dann doch endlich die Initiative ergreifen und etwas über die universelle Gültigkeit der Allgemeinen Menschenrechte sagen. Und dass die Frau dem Manne ebenbürtig sei und dass auch Minderheiten, wie zum Beispiel Homosexuelle und vor allem Katholische Priester ein Recht auf Freizügigkeit haben. Und, dass noch nicht einmal eine 2.000 Jahre alte Sekte das Recht hat, hier Vorschriften zu erlassen. Der Papst hätte dann endlich die Gelegenheit ergriffen, sich als Papst der Gläubigen zu erklären und nicht als der Garant einer Pfaffen-Clique, die wohl ewiglich daran festhalten will, dass sich ja ichts ändert. Aber sowas sind wohl doch nur kindliche Träumereien!

Trackbacks

Die Trackback URL zu diesem Artikel ist: http://www.derwesten.de/services/trackbacks/article/4807868/create

Umfrage
Der ADAC fordert eine Erhöhung der Pendlerpauschale - wegen der hohen Spritpreise. Wäre das gerechtfertigt?

Der ADAC fordert eine Erhöhung der Pendlerpauschale - wegen der hohen Spritpreise. Wäre das gerechtfertigt?

 
Aktuelle Fotos und Videos
Aus dem Ressort
Tote bei Protesten gegen Koran-Verbrennung in Afghanistan
Afghanistan
Nach der Koran-Verbrennung auf einem US-Militärstützpunkt in Afghanistan hat es am Donnerstag erneut mehrere Tote gegeben. Bei Protesten gab es Schießereien zwischen Demonstranten und Soldaten. Dabei starben mindestens fünf Menschen. US-Soldaten hatten Exemplare des Koran wie Hausmüll verbrannt.
Unionspolitiker lehnen Rettungspaket für Griechenland ab
Schuldenkrise
Auf europäischer Bühne ist das Rettungspaket für Griechenland in trockenen Tüchern, doch in der Koalition regt sich Widerstand: Mehrere Politiker aus Union und FDP lehnen das Rettungspaket ab. Sie fordern, Griechenland müsse zunächst die Auflagen erfüllen, bevor weitere Gelder freigegeben werden.