Antisemitismus in Großbritannien wächst

London..  Die Zahl der antisemitischen Übergriffe in Großbritannien ist dramatisch gestiegen. 2014 kam es zu mehr als doppelt so vielen judenfeindlichen Aktionen wie im Jahr zuvor. Der „Community Security Trust“ (CST), der das Ausmaß antisemitischer Umtriebe in Großbritannien seit 1984 protokolliert, gibt die Zahl der berichteten Zwischenfälle für das letzte Jahr mit 1168 an. Das sind durchschnittlich mehr als drei Übergriffe pro Tag.

Der Hauptgrund für den starken Anstieg, so der CST, war der Gaza-Konflikt zwischen Israel und den Palästinensern im letzten Sommer. Im Juli und August 2014 wurden allein 542 Vorfälle registriert. Zum Vergleich: 2013 gab es in diesen Monaten lediglich 107 Übergriffe. London und Manchester sind die Städte, in denen der Antisemitismus am stärksten wächst.

Eine Umfrage wies kürzlich ebenfalls auf das Ausmaß judenfeindlicher Einstellungen in der Bevölkerung hin. Ein erstaunlich hoher Anteil der Befragten hegt offensichtlich antisemitische Vorurteile. 25 Prozent stimmten dem Satz „Juden sind mehr hinter dem Geld her als Briten“ zu und 20 Prozent teilten die Meinung, dass „jüdische Loyalität gegenüber Israel sie weniger loyal gegenüber Großbritannien macht“. Die Angst unter britischen Juden um ihre persönliche Sicherheit wächst. Unter den jüdischen Befragten erklärten 45 Prozent, dass „Juden keine langfristige Zukunft in Großbritannien haben“. Und gar 56 Prozent fürchten, dass „der jüngste Anstieg des britischen Antisemitismus an die 30er-Jahre erinnert“.

Zur gleichen Zeit erlebt das Königreich allerdings eine deutliche Zuwanderung von jüdischen Franzosen. In den letzten zwei Jahren hätten bis zu 5000 Juden den Sprung über den Ärmelkanal gemacht, meldete die „Times“. Insgesamt sollen mittlerweile rund 20 000 französischstämmige Juden im Königreich leben, das mit 260 000 Mitgliedern nach Frankreich die zweitgrößte jüdische Gemeinde in Europa aufweist.

Im Vergleich zu Frankreich wird Großbritannien als sicherer angesehen, wie auch Marc Meyer unterstreicht, der französischstämmige Vorsitzende der „Hendon United Synagogue“. Obwohl es einen Anstieg an antisemitischen Übergriffen gegeben habe, sei die Situation doch nicht so schlimm wie in Frankreich. „Im alltäglichen Leben“, sagte Meyer, „herrscht hier in Nordwest-London ein Gefühl der Nicht-Aggression. In Paris muss ich immer mehr auf der Hut sein.“