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Anschlagsserie auf NATO-Soldaten in Afghanistan

16.09.2012 | 14:34 Uhr
Foto: /dapd/Michael Kappeler

Auch nach dem Ausbildungsstopp für afghanische Milizionäre reißt die Serie von Angriffen auf ausländische Soldaten aus den Reihen der Sicherheitskräfte nicht ab. Bei drei Anschlägen von Polizisten oder uniformierten Aufständischen kamen am Wochenende insgesamt acht Soldaten ums Leben.

Kabul (dapd). Auch nach dem Ausbildungsstopp für afghanische Milizionäre reißt die Serie von Angriffen auf ausländische Soldaten aus den Reihen der Sicherheitskräfte nicht ab. Bei drei Anschlägen von Polizisten oder uniformierten Aufständischen kamen am Wochenende insgesamt acht Soldaten ums Leben. Wegen einer Reihe sogenannter interner Angriffe hatten die USA das Training einer regierungsnahen Miliz kürzlich ausgesetzt.

Am frühen Sonntagmorgen erschoss ein afghanischer Polizist im Süden des Landes vier US-Soldaten. Zunächst hätten Aufständische einen Kontrollposten im Distrikt Misan in der Provinz Sabul angegriffen, sagte der stellvertretende Polizeichef der Provinz, Ghulam Gilani. US-Truppen seien der afghanischen Polizei daraufhin zur Hilfe geeilt. Zunächst war unklar, ob der Beamte während des Gefechts auf die US-Soldaten feuerte oder später. Nach Gilanis Einschätzung wäre es auch möglich, dass der Polizist zum Angriff gezwungen wurde.

Ein Beamter sei bei dem anschließenden Schusswechsel mit den Soldaten getötet worden, sagte NATO-Sprecher Jamie Graybeal. Ein weiterer sei geflohen. Ob der zweite Polizist in die Tat verwickelt war, sei unklar. Taliban-Sprecher Kari Jusef Ahmadi sagte, die Polizisten hätten zuvor keine Kontakte zu den Aufständischen unterhalten. "Aber sie sind Afghanen und wissen, dass die Amerikaner unsere Feinde sind", sagte er der Nachrichtenagentur AP. Der flüchtige Polizist habe sich nach dem Vorfall den Aufständischen angeschlossen.

Am Samstag hatte ein Bewaffneter in der Uniform einer regierungsnahen Miliz in der Provinz Helmand im Südwesten des Landes zwei britische Soldaten getötet. Sie seien an einem Kontrollposten im Distrikt Nahri Sarradsch erschossen worden, teilte das Verteidigungsministerium in London mit. Erst am Freitag hatten Taliban-Kämpfer in amerikanischen Uniformen einen Militärstützpunkt angegriffen und zwei Soldaten der US-Marineinfanterie getötet. Neun weitere Menschen seien bei dem Überfall verletzt und sechs Kampfflugzeuge zerstört worden, hieß es aus Militärkreisen. 14 Aufständische seien bei den Gefechten ums Leben gekommen.

In Afghanistan kommt es immer wieder zu Angriffen von einheimischen Polizisten und Soldaten oder Aufständischen in entsprechender Uniformierung auf Soldaten der internationalen Koalitionsstreitkräfte. Seit Beginn des Jahres kamen in Afghanistan 51 ausländische Soldaten bei sogenannten internen Angriffen ums Leben.

Unterdessen wurden afghanischen Angaben zufolge bei einem Luftangriff der NATO-Truppen im Osten des Landes acht Frauen und Mädchen getötet. Sie seien am frühen Sonntagmorgen in einer abgelegenen Gegend beim Sammeln von Feuerholz überrascht worden. Das Militärbündnis hingegen teilte mit, es gehe bislang davon aus, dass bei dem Angriff lediglich Aufständische ums Leben gekommen seien.

Der Sprecher der Provinzregierung von Laghman, Sarhadi Sewak, sagte, Dorfbewohner aus dem Bezirk Alingar hätten die Leichen am Sonntag zum Sitz des Gouverneurs gebracht. "Sie riefen: Tod für Amerika! Sie verurteilten den Angriff", sagte Sewak. Auch der afghanische Präsident Hamid Karsai verurteilte den Luftangriff und kündigte Ermittlungen an.

Der Leiter des Gesundheitsamtes der Provinz, Latif Kajumi, sagte, bei dem Angriff seien sieben weitere Zivilisten verwundet und in ein Krankenhaus gebracht worden. Einige Mädchen seinen gerade einmal zehn Jahre alt.

NATO-Sprecher Jamie Graybeal erklärte, das Militärbündnis nehme die Vorwürfe über den Tod von Zivilisten sehr ernst und untersuche den Vorfall. "Der Schutz afghanischen Lebens ist ein Eckpfeiler unserer Mission und es stimmt uns traurig zu erfahren, dass bei unserem Einsatz möglicherweise unbeabsichtigt Zivilisten geschädigt wurden", sagte Graybeal. Ersten Berichten zufolge seien bei dem Angriff keine Zivilisten, sondern 45 Aufständische getötet worden.

Luftangriffe sorgen in Afghanistan immer wieder für Spannungen zwischen der Zivilbevölkerung und der NATO. Dem Militärbündnis wird vorgeworfen, bei den Attacken auf die Führer der Aufständischen regelmäßig auch Zivilisten zu töten.

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dapd

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