Champions League

Angela Merkels Handshake mit Uli Hoeneß - darf die das?

Ein Bild, das schnell zum Gesprächsthema wurde: Angela Merkel beim freundlichen Händedruck mit Uli Hoeneß.
Ein Bild, das schnell zum Gesprächsthema wurde: Angela Merkel beim freundlichen Händedruck mit Uli Hoeneß.
Foto: dpa

Mit einem Handschütteln am Rande des Champions-League-Finales hat Angela Merkel eine Debatte ausgelöst. Die Bundeskanzlerin gab, freundlich lächelnd, neben einigen anderen auch Uli Hoeneß die Hand, gegen den derzeit wegen Steuerdelikten ermittelt wird. Der Protest folgte sofort - warum eigentlich?

London/Essen.. Darf sie das? Nach dem Finale im Londoner Wembley-Stadion hat Angela Merkel den Bayern-Funktionären zum Sieg gratuliert. Auch Uli Hoeneß hat sie dabei die Hand geschüttelt, der eine größere Steueraffäre am Bein hat.

Sofort gab es im Internet böse Kommentare. Hätte die Kanzlerin der Bundesrepublik Deutschland nicht dafür sorgen können, dass Hoeneß auf der Toilette ist, wenn sie ihre Honneurs macht?

USA-Treffen Die Unschuldsvermutung gilt – auch für Hoeneß

Wer Merkels Geste okay finden will, der braucht nur auf die Unschuldsvermutung zu verweisen. Hoeneß ist geständig, aber noch lange nicht rechtskräftig verurteilt. Es gehört zu den guten, aber oft vergessenen Sitten unseres Rechtsstaates, dass man nicht eher den Stab bricht über einen Menschen, bis die Richter es getan haben. Bei uns gibt es Geld- und Freiheitsstrafen, der Pranger ist schon länger abgeschafft.

Außerdem könnte man Merkel durchaus Kalkül unterstellen: Wenn sie ohnehin in Steuerfragen weniger rigoros ist als die politische Konkurrenz von Linkspartei bis SPD, was schadet dann ein kleines Signal an das eigene Lager? Wahrscheinlich ist es doch so: Die, die jetzt am lautesten protestieren, hätten ohnehin nicht CDU gewählt.

Alle Verdächtigen hofieren - da hätte die Kanzlerin viel zu tun

Andererseits: Die Unschuldsvermutung ist zwar ein hohes Gut – aber man muss sie ja nicht so weit auslegen, dass jeder, gegen den wegen eines Straftatverdachts ermittelt wird, auch gleich von der Kanzlerin hofiert wird. Da hätte sie viel zu tun.

Und zweitens kann Merkel gar nicht so sicher sein, dass es am Ende nicht doch Stimmen kostet – denn Merkel braucht für den Sieg ja nicht nur die Stimmen aus dem eigenen Lager, sondern immer auch welche vom Gegner. Der Umgang mit Steuerhinterziehern ist eines der Themen, bei denen Christ- und Sozialdemokraten herzlich miteinander streiten. Jede Schwäche auf diesem Themenfeld kann sich am Wahlabend rächen.

Als Merkel Hoeneß die Hand schüttelte, entstand eine ganze Foto-Serie. Sie zeigt keine Spuren von Zweifel auf Merkels Gesicht. Wir wissen ja, dass sie auch anders gucken kann. Warum tat sie es nicht? Und auf der anderen Seite: kann ein Mensch gar nicht zufriedener gucken als Uli Hoeneß auf diesen Fotos. Ein Geschenk! Und dann auch noch so ein großes.

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