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Gesundheitswesen

Analyse: Ärztemangel spitzt sich zu

21.04.2009 | 18:17 Uhr
Analyse: Ärztemangel spitzt sich zu

Berlin. Trotz steigender Ärztezahlen wird einer neuen Analyse zufolge der wachsende Bedarf immer weniger gedeckt. Hintergrund sind die neuen medizinischen Möglichkeiten und kürzere Arbeitszeiten der Mediziner. Nötig sei eine bessere Vergütung, fordert der Vizepräsident der Ärztekammer, Montgomery.

2008 stieg die Zahl der berufstätigen Ärzte nach Daten der Analyse, die von der Kassenärztlichen Bundesvereinigung erstellt wurde, um 1,5 Prozent auf 319.697. Seit 1991 wuchs sie um mehr als 30 Prozent. Trotzdem verringerte sich die von allen Ärzten zusammen geleistete Arbeitszeit seitdem um 1,6 Prozent, wie KBV-Experte Thomas Kopetsch sagte. Der Vizepräsident der Bundesärztekammer, Frank Ulrich Montgomery, sagte am Dienstag in Berlin: «Wir bewegen uns auf eine Wartelisten-Medizin zu». Zu bekämpfen sei dies nur mit besserer Vergütung und besseren Arbeitsbedingungen für die Mediziner.

Er erklärte dies unter anderem damit, dass es immer mehr Ärztinnen gibt und Frauen im Schnitt geringere Arbeitszeiten haben. Außerdem schlage der allgemeine Trend zur Arbeitszeitverkürzung auch bei den Medizinern durch.

"Expansion des Möglichen"

Gleichzeitig wächst der Bedarf. «Die Expansion des Möglichen in der Medizin führt zu einem deutlich erhöhten Ärztebedarf», sagte Kopetsch. Zum Beispiel gebe es erst seit dem ersten Retortenbaby von 1978 Bedarf an In-Vitro-Fachleuten. Auch spezialisieren sich die Mediziner immer stärker. 1924 gab es der Analyse zufolge nur 14 unterschiedliche Fachgruppen, heute sind Mediziner mit 160 verschiedenen Fachbezeichnungen am Markt.

Darüber hinaus schlägt dieser Analyse zufolge bereits die Demografie durch. Machten 1991 die Über-60-Jährigen 20,4 Prozent der Bevölkerung aus, so lag der Anteil 2007 bereits bei 25,3 Prozent - ein Zuwachs um ein Fünftel. Ab 60 nimmt statistisch gesehen der Behandlungsbedarf stark zu. Er liegt bei 326 Prozent dessen, was Unter-60-Jährige benötigen, wie Kopetsch sagte.

Auch Patienten spürten den Ärztemangel bereits, sagte Montgomery. Sie beklagten Wartezeiten und kämen schwieriger an Termine für hochspezialisierte Angebote. In den Krankenhäusern seien in vielen Abteilungen 20 bis 50 Prozent der Stellen unbesetzt. Mangel gebe es auch auf dem Land, nicht nur in den neuen Ländern. Seien noch vor zehn Jahren Tausende Mediziner arbeitslos gewesen, so verzeichne man nun «Traumarbeitslosenraten» von nur ein bis zwei Prozent. Rund 1.000 Mediziner pro Jahr verliere man unter dem Strich an das Ausland, sagte der Kammervizepräsident.

Kritik an der Honorarreform

Montgomery appellierte an die Politik, die Bedingungen zu verbessern. Moderne junge Menschen seien nicht mehr bereit, ihren Lebensstil dem Beruf unterzuordnen und Überstunden ohne Ende zu leisten. Nötig seien mehr Stellen in Krankenhäusern und eine bessere Vergütung, bessere Honorare für niedergelassene Ärzte sowie flankierende Maßnahmen wie Entlastung von Bürokratie oder Ausbau von Kinderbetreuung, sagte er.

Die gerade von Ärzten und Kassen vereinbarte Nachbesserung der Honorarreform kritisierte Montgomery. Es handele sich nur um eine Umverteilung: Einigen Ärzten werde mehr gegeben, anderen etwas weggenommen. Nötig sei jedoch mehr Geld. Eine Summe wollte er jedoch nicht nennen. Auch der zusätzliche Bedarf an Ärzten in den kommenden Jahren sei noch nicht zu beziffern. Man stehe erst am Anfang der Analyse. Nötig sei mehr Versorgungsforschung, sagte Montgomery. (ap)

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Kommentare
22.04.2009
01:13
Analyse: Ärztemangel spitzt sich zu
von Macho | #11

Es ist faszinierend wie eine seit längerer Zeit durchgeführte Diskreditierung eines Berufstandes fruchtet. Ich kann nur jedem ambitionierten Mediziner raten dieses Land zu verlassen. Spätestens in zehn Jahren (wahrscheinlich schon füher) werden die Folgen der verfehlten Gesundheitspolitik, wie auch der gesellschaftlichen Inakzeptanz von Leistung sichtbar und nahezu für jeden spürbar werden.
Aber bekanntlich macht der Letzte das Licht aus!
Liebe Grüße aus der Schweiz!

22.04.2009
00:22
Analyse: Ärztemangel spitzt sich zu
von ichsageesungern | #10

@von aufrecht

Ärzten nur sehr geringe Einkommen bietet.

In welcher Welt Leben Sie?
Ist Ihnen eigentlich schon mal aufgefallen, dass in diesen Jammer-Tiraden der Ärzte nie das Durchscnittsgehalt angegeben wird?
Mit gutem Grund, das leigt nämlich auch heute noch bei weit über 100.000 Euro...

21.04.2009
20:59
Analyse: Ärztemangel spitzt sich zu
von aufrecht | #9

lieber vantast.
vor Deiner nächsten CT solltest Du noch einmal überlegen, o Du diesen Schwachsinn noch einmal antuen möchtest. Bringen wird Dir es nichts- nur dem Betreiber des Gerätes.

21.04.2009
20:43
Analyse: Ärztemangel spitzt sich zu
von aufrecht | #8

Meine Hochachtung gilt jeder Frau und jedem Mann, der heute Medizin studiert. Ein härteres und längeres Studium gibt es wohl nicht. Doch –nach ihrem Abschluss als Arzt- wo landen sie? In einem System, dass den eigentlichen Leistungsträgern wie Krankenschwestern und Ärzten nur sehr geringe Einkommen bietet. Die eigentlichen Abzocker an diesem System sitzen in München und Erlangen und den USA. Die Unternehmen lachen sich tot über die blöden Krankenhäuser die viel Versichertengeld sich solch teueres und sinnloses Gerät aufschwatzen lassen. Die Untersuchungen im Ultraschall, sprich Computer- thomographen sind doch reiner Hokuspokus.
Die wahre Leistung für uns Menschen erbringen nur unsere Mitmenschen, Ärzte und Schwestern und Pfleger.

21.04.2009
17:00
Analyse: Ärztemangel spitzt sich zu
von ichsageesungern | #7

Die poltisch unkorrekte Wahrheit spricht niemand aus:

Dass es zu wenig Ärzte gibt -trotz steigender Zahlen-, liegt daran, dass die meisten ÄRZTINNEN den Beruf mehr als Hobby betrachten und sich ihre Praxis mit 2,3 Studien-Freundin teilen.

Traurig aber wahr: die Medizin ist das neue Lehramt; Papi-Staat zahlt ja....

21.04.2009
16:54
Analyse: Ärztemangel spitzt sich zu
von kritischer Leser | #6

Wie kann man auf die Idee kommen, das niemand mehr Medizin studieren will wenn der NC zwischen 1,0-1,3 und die Wartezeit bei 10 Wartesemestern liegt??

21.04.2009
16:30
Analyse: Ärztemangel spitzt sich zu
von anni | #5

alle kvs schliessen.
dann ist genügend geld für alle da.
vieleicht auch etwas für bessere behandlung

21.04.2009
15:53
Analyse: Ärztemangel spitzt sich zu
von Hea2LUZ2 | #4

Nochmal zum auf der Zunge zergehen lassen:

Seit 1991 wuchs die Anzahl der Aerzte um mehr als 30 Prozent. !!!

160 verschiedenen Fachbezeichnungen. !!!

Seien noch vor zehn Jahren Tausende Mediziner arbeitslos gewesen, so verzeichne man nun «Traumarbeitslosenraten» von nur ein bis zwei Prozent. !!!

Moderne junge Menschen seien nicht mehr bereit, ihren Lebensstil dem Beruf unterzuordnen und Überstunden ohne Ende zu leisten. !!!

Nötig sei jedoch MEHR Geld. Eine Summe wollte er jedoch nicht nennen. !!!

Auch der zusätzliche Bedarf an Ärzten in den kommenden Jahren sei noch nicht zu beziffern. Man stehe erst am ANFANG der Analyse. Nötig sei mehr VERSORGUNGSFORSCHUNG, sagte Montgomery. !!!

Sperrt diesen bekloppten in die Klappsmuehle,
SOFORT

21.04.2009
15:52
Analyse: Ärztemangel spitzt sich zu
von isnogut | #3

Und wieder der üblige Reflex von Herrn Montgomery : mehr Geld, mehr Geld ....

21.04.2009
15:11
Analyse: Ärztemangel spitzt sich zu
von vantast | #2

Komme gerade aus dem Krankenhaus zur Erholung nach Hause, habe 4 CTs hinter mir, ein CT als Überprüfung muß aber noch in 1 Monat gemacht werden. Nicht, das das auf die gleiche Rechnung geht: Ich muß für die Kostenübernahme dieses einen CTs zum Hausarzt, der stellt eine Überweisung zum Orthopäden aus, der Orthopäde stellt eine Überweisung für das CT im Krankenhaus aus!!!!
Also: möglichst viele sollen an diesem einen CT verdienen! Das ist Irrsinn pur.....

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