Das aktuelle Wetter NRW 16°C
Europawahl

Am Ende kommt nochmal Schwung in den Wahlkampf

05.06.2009 | 17:16 Uhr
Am Ende kommt nochmal Schwung in den Wahlkampf

Berlin. Hört man sich in den Parteizentralen um in Sachen Europawahl, dann vernimmt man nur Stöhnen. "Superschwer auszurechnen" sei das, was da an Ergebnissen auf die Parteien zukommt. Zumindest kommt in den lustlosen Wahlkampf zum Ende hin noch mal ein wenig Schwung.

Er ist rastlos. Heute trat Franz Müntefering in Hamburg und Berlin auf. Morgen redet er morgens in Hamburg, mittags in  Dortmund und abends - gleich zweimal - in Mönchengladbach. Im  Endspurt eines bislang lauen EU-Wahlkampfs kämpft nicht nur der  SPD-Chef. Alle besinnen sich darauf, dass im Wahlkampf das Wörtchen  Kampf steckt und die Wähler sich immer später entscheiden; wenn sie  sich überhaupt einen Ruck geben.

64,3 Millionen Bürger sind  aufgerufen. In sieben Ländern finden  auch Kommunalwahlen statt. Das könnte helfen, die Wahlbeteiligung -  das große Rätsel - zu erhöhen. 43 Prozent waren 2004 ein  Minusrekord.  Dieser Wahlsonntag, stöhnen sie in allen  Parteizentralen, sei `superschwer auszurechnen".

Ein Wahlkampf mit drei Gesichtern

Drei Gesichter hatte der EU-Wahlkampf: Angela Merkel,...

Ein lustloser Wahlkampf geht zu Ende. So richtig begonnen hat er vor  zwei Wochen. Obwohl er der größte Stimmungstest vor der  Bundestagswahl ist, führten die Parteien ihn gebremst und nicht mit  letztem Einsatz. Die SPD gab zehn Millionen Euro aus. Fast drei Mal  so viel legt sie für die Bundestagswahl zurück.

Dieser Wahlkampf hatte drei Gesichter: die von Angela Merkel, Silvana  Koch-Mehrin und Martin Schulz. Die Kanzlerin steht gar nicht zu  Wahl. Schulz wurde von der SPD als EU-Kommissar vorgeschlagen. Es  war der Versuch einer Personalisierung. Nach den Plakaten ist Koch-Mehrin das Gesicht der Wahl.  Dementsprechend hart traf es die FDP, als die Konkurrenz   Koch-Mehrin mit dem Vorwurf attackierte, sie habe oft die  parlamentarischen Sitzungen "geschwänzt". Eher ins Fach "Schaukampf"  gehört, dass der Spitzenkandidat der CDU, Hans-Gert Pöttering, und  SPD-Mann Schulz den Streit über einen EU-Beitritt der Türkei  aufwärmten.

EU-Wahlkampf ohne Europathemen

...Martin Schulz,...

Um Europa ist es bei den EU-Wahlkämpfen selten gegangen.  Schulz  kann sich erinnern, wie es 2004 um die `Agenda 2010" und 1999 um den  Kosovo-Krieg ging. Das Phänomen 2009 ist, dass ein zentrales Thema  fehlte. Bei FDP und Grünen ist keine Gefahr in Verzug. Auch bei den Linken  deutet wenig auf einen Existenzkampf hin. Die CDU hat ihre Kampagne  stark auf Merkel zugeschnitten. Mal schauen, ob ihre Popularität der  CDU nützt.

Für zwei Parteien ist die Wahl entscheidend, ja schicksalhaft: für  CSU und SPD. Die CSU muss in Bayern so viele Stimmen gewinnen, dass  sie bundesweit über fünf Prozent kommt. Machbar ist es, aber ein  Selbstläufer ist es nicht mehr. Im Freistaat sind Pfingstferien. Das erschwert die Mobilisierung.  Die Freien Wähler dürften der CSU Stimmen kosten.

Ärzte, Milchbauern, Arcandor-Mitarbeiter

...und Silvana Koch-Mehrin.

Generell ist die  Stimmung aufgeladen: Die Ärzte sind unzufrieden, die Milchbauern  haben einige Kundgebungen aufgemischt. Aktuell sorgt der  Existenzkampf des Arcandor-Konzerns für Unruhe. In Franken sitzt das  Versandhaus "Quelle", ein großer Arbeitgeber. "Karl-Theodor, sei  helle, erhalte uns die Quelle", war auf einem Transparent bei einer  CSU-Kundgebung zu lesen. Da wird sich CSU-Wirtschaftsminister zu  Karl-Theodor Guttenberg schon einen Reim darauf machen.

Mit 21,5 Prozent geht die SPD ins Rennen. Das war 2004. War da was?  Es war das Agenda-Jahr, und bei der Europawahl wurde dem  Reformkanzler ein Denkzettel verpasst. 1999 hatte die SPD 30,7  Prozent erzielt. Daran sollte sie anknüpfen. Ihr Kanzlerkandidat Frank-Walter Steinmeier braucht dringend ein  Erfolgserlebnis,  um eine Aufholjagd bis zur Bundestagswahl  realistischer  erscheinen zu lassen. Die SPD geht davon aus, dass  die Union ihr Ergebnis von 2004 (44,5 Prozent) nicht wiederholen  kann und der Abstand zwischen den Volksparteien schmilzt. Keck  erklärte Müntefering, man solle die Vasen unterm Fernseher  wegschieben, weil der schwarze Verluste-Balken unten aus dem  Bildschirm rausschlagen werde. Was noch zu beweisen wäre.

Miguel Sanches

Facebook
 
Kommentare
06.06.2009
21:41
Blockierter Kommentar.
von Matthias.Kiesel | #31

Dieser Kommentar wurde von einem Moderator blockiert.

06.06.2009
20:42
Am Ende kommt nochmal Schwung in den Wahlkampf
von Holz-Auge | #30

Egal wieviel % Müntes Bande einfährt, sie gewinnen doch immer jede Wahl. Auch bei 7,2% ist sein Posten und seine Diäten sicher. Ergo Wahl gewonnen ! ! !
Und der macht gegen den braunen Sumpf mobiel?
Mann, seine Bande hat doch den kleinen Leuten das Geld aus der Tasche gezogen, und dafür gesorgt, daß der Leistungsdruck immer mehr gestiegen ist. Wo war diese Großschnautze als die CDU unsere Rentenkassen geplündert hat?
Der ist auch einer von denen, die uns jetzt weiß machenn wollen, daß die Rentner auf zu großem Fuß leben. Wenn der generationen-Vertrag nicht funktioniert, dann gebt mir meine 49 Jahre Rentenbeitrag mit Zins und Zinseszis zurück !!!

06.06.2009
17:53
Blockierter Kommentar.
von miriam.lessmann | #29

Dieser Kommentar wurde von einem Moderator blockiert.

06.06.2009
17:49
Blockierter Kommentar.
von gerd44031 | #28

Dieser Kommentar wurde von einem Moderator blockiert.

06.06.2009
17:45
Am Ende kommt nochmal Schwung in den Wahlkampf
von osis | #27

Naja, die Bücherverbennung in Form von Computerspielen läuft ja auch In Deutschland auf Hochtouren...

Und die kommt nicht von Rechts...

06.06.2009
17:26
Am Ende kommt nochmal Schwung in den Wahlkampf
von Sozialerdemokrat | #26

In einem Altenpflegeheim ist mehr Schwung als in diesem Wahlkampf. Für die meisten Parteien ist die EU-Wahl eine gute Gelegenheit, bei der Wahlkampfkostenerstattung abzukassieren. Man kassiert mehr als man ausgibt. Außerdem kann man seine Poit-Opas zum Abschied noch mit guten Posten versorgen.

06.06.2009
11:11
Am Ende kommt nochmal Schwung in den Wahlkampf
von Name gesucht | #25

Irgendwie scheinen alle unzufrieden zu sein.
Dennoch spalten sich zwei Lager ab.
Die Nichtwähler wollen das System nicht mit ihrer Stimme unterstützen und bleiben zu Hause.
Die Wählenden wollen das System mit ihrer Stimme verändern. Zur Wahl stehen aber nur die üblichen Verdächtigen Parteien, die zur Politikverdrossenheit nach Kräften beigetragen haben. Und die kein Interesse erkennen lassen, eine Veränderung des Systems anzustreben (außer vielleicht einer weiteren Erweiterung). Andere Parteien gibt es, aber die werden allesamt die 5% Hürde reißen.
Schwierig zu sagen, ob die Wähler oder die Nichtwähler jetzt die besseren Argumente haben.
Nur eins ist sicher: verändern wird sich nichts, die Unzufriedenheit wird in den nächsten 5 Jahren weiterwachsen. Und dann darf man auch schon wieder zur Urne eilen. Oder auch nicht, schließlich hat man ja die Wahl...

06.06.2009
10:27
Blockierter Kommentar.
von glaubenix | #24

Dieser Kommentar wurde von einem Moderator blockiert.

06.06.2009
10:18
Blockierter Kommentar.
von karl martell | #23

Dieser Kommentar wurde von einem Moderator blockiert.

06.06.2009
08:13
Am Ende kommt nochmal Schwung in den Wahlkampf
von Sozialerdemokrat | #22

Der ganze Wahlkampf war lustlos und unprofessionell. Die wollen in Straßburg nur Diäten abkassieren, aber nichts leisten. Letztlich wird es darauf ankommen, welche Partei ihre Anhänger besser mobilisiert. Mein Tip:
CDU 31 %; CSU 6 %;SPD 24 %, FDP 12 % Grüne 12 %; Linke 10 %

Trackbacks

Die Trackback URL zu diesem Artikel ist: http://www.derwesten.de/services/trackbacks/article/360118/create

Umfrage
Bürger sollen künftig häufiger gefragt werden, ob sie zu einer Organspende bereit wären. Können Sie sich vorstellen, Organspender zu werden?
 
Aktuelle Fotos und Videos
Karikatur vom Tage
Bildgalerie
Fotostrecke
Norbert Röttgen - Aufstieg und Fall
Bildgalerie
Rücktritt
David McAllister geht "baden"
Bildgalerie
Boot kentert
Triumph der Sozialisten
Bildgalerie
Frankreich
Aus dem Ressort
UN-Sicherheitsrat tagt in Krisensitzung zu Syrien-Massaker
Syrien
Der UN-Sicherheitsrat wird sich nach Angaben von Diplomaten noch am Sonntag treffen, um über das Massaker im syrischen Hula mit mindestens 109 Toten zu diskutieren. Das Gremium werde sich um 20.30 Uhr deutscher Zeit treffen, hieß es.
Foto 4 Kommentare 4
Bruder von chinesischem Bürgerrechtler Chen aufgetaucht
Menschenrechte
Der Bruder des blinden chinesischen Dissidenten Chen Guangcheng ist nach Angaben eines Menschenrechtsanwalts in sein Dorf im Osten Chinas zurückgekehrt. Chen war in der vergangenen Woche nach Peking gereist. Kurz darauf verschwand er.