Altkanzler Schröder wünscht sich von den Deutschen mehr "Solidarität" mit Griechenland

Alt-Kanzler Schröder mischt sich in die Euro-Krise ein. Die Deutschen müssten sich gegenüber den Griechen solidarischer zeigen.
Alt-Kanzler Schröder mischt sich in die Euro-Krise ein. Die Deutschen müssten sich gegenüber den Griechen solidarischer zeigen.
Was wir bereits wissen
Wegen der Schuldenkrise seines Landes will der griechische Ministerpräsident Samaras einen Aufschub bei der Umsetzung der Sparziele erreichen. Altkanzler-Schröder (SPD) empfiehlt den Griechen Disziplin beim Sparen, den Deutschen aber auch mehr Solidarität mit Griechenland.

Athen.. Altkanzler Gerhard Schröder (SPD) mischt sich in die Euro-Krise ein. Er sagte dem griechischen Fernsehsender Net bei einem Urlaub auf der Insel Kos, wenn die griechische Regierung ihren Reformkurs forsetze, müssten die Partner ihr "Zeit lassen". Griechenland eine Zukunft in der Eurozone zu sichern, sei "nicht einfach, aber möglich", fügte Schröder hinzu.

Werde Griechenland aus der Eurozone herausgedrängt, so würden sich die internationalen "Spekulanten" auf Portugal, Spanien und Italien verlegen. Den Deutschen empfahl Schröder mehr "Solidarität" mit den Griechen, den Griechen mehr "Disziplin" beim Sparen nach der Art der antiken Spartaner.

Die griechische Regierung strebt offenbar derweil eine spürbare Fristverlängerung bei den Sparvorgaben der internationalen Geldgeber an. Ministerpräsident Antonis Samaras wolle in der kommenden Woche bei Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und Frankreichs Staatschef François Hollande für einen Aufschub werben, berichtete die "Financial Times" am Mittwoch. Die Bundesregierung bestätigte ein Treffen am 24. August.

Unter Berufung auf Unterlagen der griechischen Regierung berichtete die Zeitung, Samaras strebe einen Zeitrahmen von vier statt zwei Jahren zur Umsetzung der Sparmaßnahmen in seinem hochverschuldeten Land an. In den vergangenen Wochen war bereits mehrfach von einer möglichen Verlängerung der Frist zur Erfüllung der Sparvorgaben die Rede gewesen.

Samaras kommt Freitag nach Berlin

Samaras wird am Freitag kommender Woche in Berlin erwartet. Nach einem Empfang mit militärischen Ehren sei ein Arbeitsessen mit Merkel geplant, teilte Regierungssprecher Steffen Seibert mit. Bei dem Treffen solle es "vor allem um die wirtschafts- und finanzpolitische Situation Griechenlands sowie den Stand des griechischen Reformprogramms gehen".

Zu den Berichten über den Wunsch nach einem Aufschub sagte Seibert, Merkel werde sich anhören, was Samaras zu sagen habe. Grundlage für alle weiteren Entscheidungen werde der Bericht der Gläubigertroika aus Europäischer Union, Internationalem Währungsfonds (IWF) und Europäischer Zentralbank (EZB) sein, die im September zu neuen Prüfungen in Athen erwartet wird.

Laufendes Hilfsprogramm umfasst 31,5 Milliarden

Bereits am kommenden Dienstag wird Samaras Eurogruppenchef Jean-Claude Juncker in Athen empfangen. Der griechische Regierungschef will dann nach seinem Aufenthalt in Berlin nach Paris weiterreisen. Dort steht am Samstag ein Treffen mit Hollande auf seiner Agenda.

Griechenland erhält Hilfszahlungen der EU und des IWF. Das seit März laufende zweite Hilfsprogramm hat ein Volumen von 130 Milliarden Euro. Eine neue Tranche von knapp 31,5 Milliarden Euro, ohne die dem Land die Staatspleite droht, soll nach der neuen Prüfung der Troika ausgezahlt werden. Griechenland ist bereits seit dem Jahr 2010 vom Markt für langfristige Staatsanleihen ausgeschlossen.

Im Gegenzug für die Hilfen muss Athen nach den derzeitigen Vereinbarungen bis zum Jahr 2014 rund 11,5 Milliarden Euro einsparen. Athen erklärte zuletzt jedoch, dass in einem geplanten neuen Sparpaket noch Maßnahmen im Umfang von bis zu vier Milliarden Euro fehlten. Die Sparmaßnahmen sind in Griechenland immer wieder Grund für Proteste.