Jugendschutz
Altersgrenzen im Netz sind für Experten eine Schnapsidee
25.06.2009 | 15:41 Uhr 2009-06-25T15:41:00+0200
Essen. Die Idee ist nicht neu, aber die Umsetzung sorgt für viele Fragezeichen: NRW-Familienminister Armin Laschet fordert Altersgrenzen für Internetseiten. Die Reaktionen bei Medienexperten reichen von "Schwachsinn" und "Schnapsidee" bis zu starken Zweifeln an einer praktikablen Lösung.
Für ungläubiges Staunen und leichtes Schmunzeln haben die Forderungen des NRW-Familienministers Armin Laschet (CDU) nach Altersgrenzen für Internetseiten gesorgt. „Das ist eine ziemliche Schnapsidee“, sagt etwa Markus Beckedahl mit einem Lachen. Er betreibt das Blog netzpolitik.org - eine politische Plattform, auf der über die freie, digitale Welt diskutiert wird. „Die Vorstellung von Herrn Laschet ist überhaupt nicht praktikabel, wenn jedes Blog und jede Homepage ein Gütesiegel bekommen müsste“, so Beckedahl im Gespräch mit DerWesten.
Die einzig sinnvolle Alternative sei Filtersysteme auf Computer zu installieren. Aber dafür müssten sich daran alle Homepagebetreiber beteiligen, so Beckedahl. Und das sei "Schwachsinn" im World Wide Web. „Es zeugt wieder einmal davon, wie wenig Verständnis bei Herrn Laschet für das Internet vorhanden ist“, sagt Beckedahl.
"Wer soll das Ganze überprüfen?"
„Die Forderung nach Alterssperren ist ja richtig“, meint Prof. Joachim von Gottberg, Geschäftsführer der Freiwilligen Selbstkontrolle Fernsehen (FSF), „aber wer sollte das Ganze überprüfen?“. Beim Fernsehen sei das möglich: „Wir haben 20 deutsche Fernsehsender im Auge. Wenn da einer Blödsinn macht, kriegen wir es mit und drohen mit Bußgeld“. Beim unübersichtlichen Internet, wo jeder etwaseröffentlichen kann, sei das eine ganz andere Problematik. „Es können doch nicht zehn Leute Millionen von Seiten kontrollieren“.
Die Diskussion um Altersgrenzen für Filme im Internet ist auch der Freiwilligen Selbstkontrolle Film seit langem bekannt. „Allerdings haben wir dazu noch keine offizielle Position, da es sich um eine sehr komplexe Frage handelt“, sagt Geschäftsführerin Christine von Wahlert. „Im Offline-Bereich hat sich jeder an die Regeln gewöhnt, im Internet gibt es viele Fürs und Widers.“
Spannung zwischen Ländern und Bund
Seit langem seien Jugendschutzkampagnen im Gesetz vorgesehen, aber es gebe bisher kein Programm, das anerkannt ist, bestätigt der FSF-Geschäftsführer. „Das ist Bund und Ländern ein Dorn im Auge. Deshalb gibt es dort ein kleines bisschen Spannung“, verrät von Gottberg, der darin einen möglichen Grund für das Vorpreschen von Familienminister Laschet vermutet.
Aktuell gibt es verschiedene Ansätze, um den Jugendschutz im Internet zu verbessern. So existiert „Ein Netz für Kinder“. Dabei handelt es sich um eine gemeinsame Initiative von Politik, Wirtschaft und Institutionen des Jugendmedienschutzes. So soll es für Acht- bis Zwölfjährige qualitätsvolle, altersgerechte und interessante Angebote geben, die sich nach dem Jugendmedienschutz richten. „So kann Kindern auf einem speziell eingerichteten Computer ein beschränkter Zugang zum Internet gewährt werden“, erklärt von Gottberg.
Automatisierte Positiv- und Negativlisten
Zudem gibt es Diskussionen über automatisierte Positiv- und Negativlisten: Bei einer Positivliste würden ausschließlich Internetseiten mit jugendfreien Angeboten greifbar. „Das scheitert allerdings schon daran, dass nicht jeder Internet-Anbieter davon erfahren und sich damit registrieren würde“, sagt der FSF-Geschäftsführer. Zudem wäre das Nachhalten extrem aufwendig.
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Die Idee der Blacklist funktioniere ähnlich wie bei der geplanten Sperrung von Kinderpornografie-Seiten. „Die Blacklist ist aber auch idiotisch, weil viele Seiten in das Raster fallen würden, die dort überhaupt nicht reingehören“, betont der Jugendschutzexperte. Wenn etwa auf einer Homepage das Wort Staatsexamen auftauche, werde es problematisch, da das Wort die Buchstabenreihenfolge „sex“ enthält.
Letztlich seien die Probleme mit Altersgrenzen im Internet alles Beteiligten bekannt – aber nicht, wie man es richten könne. „Es wäre interessant, wenn Herr Laschet eine Idee für eine halbwegs überschaubare und praktikable Lösung hätte – doch mir fehlt der Glaube“, sagt von Gottberg.

11:50
Ablenkungsmanöver und Kennzeichnen von Ahnungslosigkeit in punkto Internet.
Zensurmassnahmen irgendwelcher Art lösen ein Problem nicht, sondern verdecken es nur.
Man erspart sich die Mühe, nachhaltig konzeptionierter Maßnahmen, oder gar Überlegungen den Jugendlichen Alternativangebote zum Internet zu bieten.
(Letztere fallen eher dem Rotstift zum Opfer).
Mit vernünftiger Medienerziehung, in den Schulen und im Elternhaus, würde sich eine solche Frage nicht wirklich stellen.
21:09
#33 von Zensurfeind
In Frankreich läuft zufällig das Gleiche ab: Zensurversuche; da hat das Oberste Gericht allerdings dazwischengehauen. Das ganze ist ein EU-weit organisierter Angriff auf unsere Grundrechte! Das stinkt schon von weitem nach Machenschaften der EU-Mafia. Harmonisieren nennen sie das ...
Das sehe ich genau so!
Jedes Land beschreitet eigene Wege (Erlässt Gesetze), der eine mehr in die Richtung der andere beschreitet einen anderen Weg, das Ziel das verfolgt wird ist jedoch das gleiche, Zensur im Internet aus zu üben, vor allen Dingen kann man vieles von anderen Staaten dann übernehmen, mal macht dieser Staat den Vorreiter ein anderes mal ein anderer Staat, um dann eine gesamteuropäische Lösung zu bekommen, ein Gesetz wo alle Grausamkeiten der Zensur der einzelnen Länder zusammen gebracht wurden, Machbarkeit, Durchführbarkeit auch rechtliche sind ja dann schon in verschiedenen Ländern ausgetestet und überprüft worden!
16:24
Läppische Nebelkerze. Dieser Laschet will von RICHTIGEN Problemen ablenken; von denen gibts genug. Wieviele Jugendliche werden denn jährlich in NRW bei Raubüberfallen und Schlägereien verletzt? Wieviele Kinder sind in den letzten 10 Jahren spurlos verschwunden?
Das Internet schändet keine Kinder!
In Frankreich läuft zufällig das Gleiche ab: Zensurversuche; da hat das Oberste Gericht allerdings dazwischengehauen. Das ganze ist ein EU-weit organisierter Angriff auf unsere Grundrechte! Das stinkt schon von weitem nach Machenschaften der EU-Mafia. Harmonisieren nennen sie das ...
15:35
Der Nächste! Auf einer nicht enden wollenden Liste von Politikern, die mit einer fixen Idee im Namen des Jugenschutz daher kommen trägt Herr Laschet nun auch seinen Namen ein. Es gilt scheinbar sich selber einfach mal durch Ansprechen des Reizthemas wieder in aller Munde zu bringen. Jede Werbung ist eine gute Werbung wenn über das Produkt geredet wird.
15:18
Das Wort SCHWACHSINN trifft´s am besten.
14:21
@kein Plan Das Internetcowboyland ist nichts weiter als der Spiegel der Realität wie sie auch ohne Internet existiert.
Nur mit dem Unterschied eben, das jede unbedachte Äußerung abrufbar bleibt. Sprich mal mit Leuten Online Generation. Die machen aus vielen Dingen über das sich Offliner echauffieren kein großes Drama.
Die wissen um die Dummheiten und menschlichen Fehler, die Offliner glauben hinter einer Fassade verstecken zu müssen. Um dann doch am Stammtisch von Ihren Heldentaten zu erzählen, die Onliner sofort bei You Tube hinterlassen. Ähnlich wie in den 1970er Personalentscheider denen misstrauten die keine Story vom Bund zu erzählen wussten, so stehen heute jüngere Personalentscheider denen skeptisch gegenüber, die in den gängigen Netzwerken nicht zu finden sind.
Angesichts der vielen menschlichen Merkwürdigkeiten denken viele der Online Generation wesentlich intensiver über Werte und Toleranz nach als die Offliner, deren Weltsicht zwischen Vorgarten und Arbeitsplatz überschaubar bleibt.
Da wo das Internet kriminell wird, hat man wesentlich besseren Zugriff auf die Verursacher als in der realen Welt. Und dank Vorratsspeicherung kann man sogar noch die verfolgen, die in den letzten Monaten Kontakt mit der kriminellen Seite gehabt haben.
Für die 18+ Welt ist also kein weiterer Regelungsbedarf gegeben. Und unter 18 gilt was oben schon geschrieben steht. Die Eltern entscheiden, ob sie ihren Kindern den vollen Zugriff gewähren oder nicht. Und dafür gibt es eine breite Palette an Hilfsmitteln.
Will der Staat da die Kontrolle bekommen, so kann das Ziel nur Zensur sein. Und die - das weiß jeder gesetzestreue Bürger - ist in Deutschland verboten. Und zwar aus sehr gutem Grund geboren aus leidvollen Erfahrungen.
14:01
Ohja, nach dem Iraninan Way of Surf, jetzt am besten auch noch den Chinese Way of Surf dazunehmen.
Was kommt als nächstes ?
PISA-Problem gelöst: Pol Pot übernehmen sie ! ???
10:09
@26 .. schon richtig. Problem bei der Sache ist aber:
Die Regierenden wollen regieren. Regieren heisst in Deutschland immer: Kontrollieren, reglementieren und verbieten.
Das wird auch in diesem Zusammenhang nicht anders laufen.
Proteste interessieren hier wenig.
Wer sich ein bisschen über die mittelfristigen Vorhaben in der Richtung informieren will, findet unter: http://www.daten-speicherung.de/ ein paar (teilweise beängstigende) Entwürfe.
09:40
Das ist doch schon wieder so eine Schwachsinnsdiskussion. Für unter 18jährige ist es gar nicht möglich, selbst einen Internetzugang zu bekommen. Das müssen immer die Eltern machen. Wenn diese ihrem Erziehungsauftrag nachkommen wollen und bestimmte Inhalte von ihren Kindern fernhalten möchten, dann gibt es haufenweise Software, die auf dem Rechner installiert werden kann und die dann die Filterung übernimmt.
09:38
@KeinPlan
Ich denke die Proteste im Iran über das Internet haben aber bewiesen wie wichtig ein staatlich unkontrolliertes Internet ist.
Bei einer guten Regierung mögen diese Überwachungs- und Zensurmaßnahmen ja in den richtigen Händen liegen, bei einer schlechte Regierung Und da hatten wir auch in Deutschland in den letzten 100 Jahren mehr als genug von, können diese Maßnahmen sehr sehr großen Schaden anrichten.