Alter Bürgerkrieg bestimmt Präsidentenwahl auf Sri Lanka

Colombo..  Der Bürgerkrieg in Sri Lanka ging vor fast sechs Jahren zu Ende - trotzdem bestimmt er die Präsidentenwahlen an diesem Donnerstag auf der Insel. An vielen Straßenrändern stehen heroisch blickende Soldaten aus Pappe, wie sie damals in die von separatistischen Rebellen gehaltenen Gebiete einmarschierten. Poster wiederum zeigen schreckliche Bilder von Bombenattacken der Extremisten.

Mit den emotionalen Bildern will der regierende Präsident Mahinda Rajapaksa die rund 15 Millionen Wahlberechtigten daran erinnern, dass er die Armee befehligte, die im Mai 2009 die Terrororganisation LTTE zerschlug. Nach fast drei Jahrzehnten Konflikt hatte er so mit harter Hand Frieden auf der Insel im Indischen Ozean geschaffen. Seitdem blüht die Wirtschaft und die Touristen sind zurück.

Rajapaksa hofft nun auf eine Wiederwahl - es wäre bereits seine dritte Amtszeit. Der 69-Jährige hat extra die Verfassung ändern lassen, um dies möglich zu machen. Auch verlegte er die Wahl um zwei Jahre auf diesen Donnerstag vor - alles durchgewunken von dem ihm gefälligen obersten Gericht. Analysten vermuten, Rajapaksa wolle die noch anhaltenden Popularität ausnutzen, die er dank des Armeesieges in großen Teilen der Bevölkerung genießt.

In den vergangenen Wochen formierte sich jedoch eine Allianz gegen den Amtsinhaber. An ihrer Spitze steht Maithripala Sirisena, der bisherige Gesundheitsminister, der im November mit Rajapaksa brach und nun gegen ihn antritt. Buddhistische, muslimische und marxistische Parteien unterstützen den 63-Jährigen. Acht Minister und Staatssekretäre sind übergelaufen.

Neben diesen beiden Favoriten kandidieren noch 17 weitere Sri-Lanker um das Präsidentenamt. Es könnte also zur Stichwahl kommen. Das jedoch wäre problematisch. Denn nur wenige Tage nach dem ersten Durchgang will der Papst nach Sri Lanka reisen. Und Papst Franziskus möchte sich von keinem Kandidaten vor den Karren spannen lassen.