Akw bleiben im Schnitt zwölf Jahre länger am Netz
06.09.2010 | 06:45 Uhr 2010-09-06T06:45:00+0200
Berlin.Nach monatelangem Gerangel haben sich Union und FDP auf eine Laufzeitverlängerung für die Kernkraftwerke geeinigt. Die deutschen Atommeiler sollen im Schnitt zwölf Jahre länger am Stromnetz bleiben.
Das monatelange Gerangel um die Atomlaufzeiten hat ein Ende. Die deutschen Atommeiler sollen im Schnitt 12 Jahre länger am Stromnetz bleiben. Ältere Meiler sollen 8 Jahre zusätzlich laufen, jüngere 14 Jahre. Dies teilten Umweltminister Norbert Röttgen (CDU) und Wirtschaftsminister Rainer Brüderle (FDP) in der Nacht zum Montag nach fast zwölfstündigen Beratungen im Berliner Kanzleramt mit. SPD, Linke und die Bürgerinitiative Umweltschutz warfen der Regierung vor, sie habe sich den Lobbyinteressen der Stromkonzerne gebeugt.
Für die nun gefundene gestaffelte Lösung will die Regierung die 17 deutschen Atommeiler in zwei Gruppen unterteilen, je nach Baujahr. Im Gegenzug zur Laufzeitverlängerung müssen die großen Energiekonzerne wie geplant ab 2011 die Brennelementesteuer von 2,3 Milliarden Euro jährlich zahlen - allerdings nur befristet auf einige Jahre. Ergänzend wird ein neuer „Sonderbeitrag“ zur Förderung erneuerbarer Energien fällig, auf den sich die Atomkonzerne vertraglich festlegen sollen.
„Großer Wurf“
Brüderle sprach von einem „großen Wurf“, Rötten von einem Erfolg für die Koalition. Kanzlerin Angela Merkel will sich an diesem Montagvormittag äußern. Die CDU-Chefin hatte selbst 10 bis 15 Jahre längere Laufzeiten ins Gespräch gebracht - über die derzeit geltende Frist bis etwa 2021 hinaus.
Am Vormittag hatten die Gespräche der Kanzlerin mit den zuständigen Ressortchefs im Kanzleramt begonnen. Am frühen Nachmittag waren die Partei- und Fraktionschefs von Union und FDP dazugestoßen. Vor dem Kanzleramt hatten sich am Nachmittag mehrere hundert Atomkraftgegner versammelt. Sie protestierten mit Transparenten, Tröten, Trillerpfeifen und Sprechchören gegen die Regierungspläne und ließen 2000 schwarze und gelbe Luftballons mit AKW-Symbolen und Totenköpfen aufsteigen. Zu den Protesten hatten mehrere Verbände wie der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) und die atomkritische Organisation Campact aufgerufen. Die Spitzen der Opposition kamen ebenfalls vor das Kanzleramt und warfen der Regierung geschlossen Lobbyismus vor.
Linke-Parteichefin Gesine Lötzsch sagte nach der Einigung: „Die Stromlobby hat sich in entscheidenden Fragen durchgesetzt. Der Bund hat sich unter Merkel als erpressbar erwiesen.“ Die Atomkonzerne dürften mit abgeschriebenen Meilern billig Strom produzieren, ihn teuer verkaufen und die Gewinne zu großen Teilen einstecken. Der schnelle Atomausstieg komme wieder auf die Tagesordnung, sobald es eine andere Regierungsmehrheit gibt, versprach sie.
„Heißer Herbst“
Nach Ansicht von SPD-Chef Sigmar Gabriel löst die Regierung mit ihrem Vorhaben zur Laufzeitverlängerung „einen neuen gesellschaftlichen Großkonflikt aus“. Die von den Grünen prophezeite These, es werde einen „heißen Herbst“ geben, hält er jedoch für eine „überlebte Formel“. Für ihn sei aber klar, „dass eine deutliche Mehrheit der Bürger nicht will, dass das Kanzleramt zu einer Außenstelle der Atomlobby verkommt“, sagte Gabriel. Es werde wegen die Nichtbeteilung des Bundesrates beim Prozess der Laufzeit-Verlängerung Verfassungsklage erhoben.
Der Sprecher der BI Umweltschutz, Wolfgang Ehmke, sagte, die Regierung sei sich vor allem darin einig gewesen, die Profitinteressen der Konzerne zu bedienen. Die Gorleben-Gegner rufen angesichts dieser politischen Zuspitzung zur Demonstration in Berlin am 18. September auf: „Wir müssen auf diesen politischen Müll, der in Berlin verzapft wird, reagieren und werden auch in Berlin demonstrieren.“
Änderung des Atomgesetz
Die Bundesregierung benötigt nach Ansicht des Verfassungsrechtlers Kay Windthorst für eine Verlängerung der Laufzeiten in jedem Fall die Zustimmung des Bundesrats - unabhängig von der Dauer. „Bei einer Laufzeitverlängerung muss das Atomgesetz geändert werden“, sagte der Professor für öffentliches Recht an der Universität Bayreuth. Das führe jedoch zu einer wesentlichen Änderung der atomrechtlichen Regelungen, da sie im Ergebnis den Atomausstieg teilweise rückgängig macht. „Hierfür bedarf es der erneuten Zustimmung des Bundesrates“, sagte er.
Mit seiner Position widersprach Windthorst der Ansicht von Rechtsexperten aus Union und FDP, die eine Zustimmung des Bundesrates nicht für notwendig erachten. Längere Atomlaufzeiten haben nach Windthorsts Ansicht gravierende Folgen für die Länder. Diese müssten länger Personal- und Sachmittel bereitstellen, außerdem würden die erweiterten Eingriffsmöglichkeiten des Bundes gegenüber den Ländern verlängert. (ddp/apn)

05:22
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20:27
Aha, die Betreiber zahlen also Milliarden ins Haushalts-Säckel. Warum wird nicht gleich die Mehrwertsteuer erhöht? Diese Kosten holen sich die Bonzen doch - mit einem fetten Aufschlag - vom Verbraucher zurück! Und der kann sicht nicht wehren!
14:59
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14:20
Möglich, und 2030 präsentiert man uns dann neue Pläne für die nächste Generation Kernreaktoren.
13:43
Und in 12-14 Jahre trifft sich die nächste Lobbyistenrunde zur nächsten Laufzeitverlängerung....
13:30
Bin doch mal gespannt, ob wir Verbraucher zum Dank fette Preisnachlässe bekommen.Ich habe da allerdings Zweifel und befürchte sogar das Gegenteil.
13:19
Tja, das mit der Atomkraft sehen etliche wichtige Leute in der Tat völlig anders. Ich frage mich allerdings, ob die Brückentechnologie Kernkraft eine Brücke bauen soll zu den erneuerbaren Energiequellen oder zu (6) neuen Reaktortypen, die schon seit einigen Jahren entwickelt werden und in den Jahren 2030-2045 zur Marktreife gelangt sein sollen. Diese Reaktoren sollen in Hinsicht auf technische Defekte, Bedienungsfehler, Anschläge, Unglücke und Diebstahl erheblich sicherer werden als die heutigen Typen. Außerdem wird man sie mit Natururan (U 238) und Thorium betreiben können, wobei die Menge und das Gefährdungspotential des erzeugten Atommülls erheblich niedriger sein sollen. Einige der neuen Reaktortypen würden vermutlich sogar den Atommüll der heutigen Reaktoren verarbeiten können, der ja zu einem Gutteil aus nicht gespaltenem U 235 sowie U 238 und Transuranen wie Pu 239 und anderen schweren Elementen besteht. Ich empfehle, einfach einmal bei Wikipedia nach Generation IV International Forum zu suchen oder direkt bei www.gen-4.org nachzuschauen. Ob dieses neuen Reaktortypen das werden leisten können, was sie versprechen? Tja, das bleibt die Frage...
12:34
Atomkraft muss ein Auslaufmodell bleiben. Sonne, Wind, Biomasse und Wasser plus Energieeffizienz und Einsparung gehören die Zukunft!
10:41
Die Frage ist.
Warum spiegelt sich das nicht im Strompreis wieder ???
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10:28
Absolut richtig argumentiert #14. Aber dieses Nicht richtig rechnen können gibt es in allen möglichen Bereichen, nicht nur in Deutschland. Wobei die Leute an der Macht schon rechnen können (aber nur wenn es um den eigenen Geldbeutel geht). Genau deshalb bekommt die Menschheit immer größere Probleme. Um beim Beispiel Atomkraft zu bleiben: Die Entsorgung nicht mehr verwendungsfähigen radioaktiven Materials könnte ja auch im Weltall geschehen ( z.B werden die Atommüllsonden dirket in die Sonne geschickt ( egal wie lange das dauert). Nur bei den dann anfallenden Kosten ( vom Betreiber zu tragen) würde sich kein einziges AKW rechnen.
Diese Laufzeitverlängerung der AKW repräsentiert nicht im Geringsten die Meinung der Bevölkerung. Ein weiteres Mal vestätigt die Politik dass sie dem Kapital in den Allerwertesten kriecht und dass der Politik das Volk schnuppe ist.Meine allseits bekannte Reaktion: Ich nehme die Politiker schlicht und ergreifend nicht mehr ernst.