Afrika für Kenner
12.02.2010 | 18:26 Uhr 2010-02-12T18:26:00+0100Essen. Wenn es um Afrikas Zukunft geht, dann spürt Rupert Neudeck gelegentlich noch „den heimlichen alten Europäer in mir”, der ihm rät, den Afrikanern unsere Lebensart aufzuzwingen. Aber genau das Denken sei einer der Gründe, warum es in weiten Teilen jenes gewaltigen Kontinents trotz jahrzehntelanger Aufbau- und Entwicklungshilfe noch immer im Argen liegt.
Neudeck leitet das Friedenskorps Grünhelme, das u. a. in Ruanda, Uganda, Mauretanien und im Kongo Hilfsprojekte durchführt. Und er vertraut der Energie zur Selbsthilfe, die in den Menschen dort wirke sowie ihrer „Kraft des Überlebens”. Davon berichtet er bei der Radioaufzeichnung des politischen Buchmagazins „Lesart“ im Grillo-Theater Essen. Ihm und der Vizepräsidentin der Deutschen Afrika-Stiftung, Uschi Eid, geht es darum, das finstere Bild Afrikas als Hort von Hunger, Korruption und völkermordenden Machtkämpfen zu korrigieren. Beide lenken den Blick auf das immense Potenzial, das in Afrika stecke. Neudeck glaubt, die Zeit der furchtbaren Bürgerkriege sei vorbei. Eid hofft auf die junge Intelligenz, die die korrupten Potentaten aus den Ämtern treiben könnte. Und beide mahnen Europa, seine Chancen in Afrika nicht zu verspielen. Das aufstrebende China zeige gerade, wie es geht.
„Lesart Spezial“ wird vom KWI Essen, Deutschlandradio Kultur, der Buchhandlung Proust und dem Schauspiel Essen ausgerichtet. Medienpartner ist die WAZ. Deutschlandradio Kultur strahlt die Aufzeichnung am Sonntag von 12.30 Uhr bis 13 Uhr aus.

13:02
Es wäre sehr interessant von Herrn Neudeck zu erfahren welche Strategien er verfolgt bzw. welche Lösungsmöglichkeiten er sieht.
Wenn er bei der Weitergabe von einfachen Technologien wie Kompostieren oder verbesserten Landbau bereits meint dies sei ein aufzwingen unserer Lebensart so wären seine Gedankengänge sehr wohl zu hinterfragen. Denn in der großen Praxis funktioniert selbst dies nicht – vor 50 Jahren gab es keinen Hunger.
Herr Neudeck vertraut auf der „Energie zur Selbsthilfe“ sowie die „Kraft des Überlebens“.
Schlagworte bedeuten scheinbar mehr als praktische effiziente Arbeit an deren es mehr und mehr mangelt. Das in Afrika ein enormes Potenzial steckt haben uns die Hilfsorganisationen gezeigt – es werden immer mehr. Anstatt Vorträge und Symposien und die daraus folgenden Debatten sollten wir in mehr Zusammenarbeit und Produktion in Afrika mit den Afrikanern stecken.
Gerhard Karpiniec
Laxenburg/Österreich
09:20
Afrika ist nicht mit europäischen Maßstäben zu messen; dass sehen Neudeck u. eid sehr richtig.
Aber auch ein sehr wohlmeinender Afrikafreund u. Helfer wie Albert Schweitzer ist doch an Afrika verzweifelt gewesen !
Die brutale Realität, die existenziellen Mangelerscheinungen in vielen Gebieten des afrikanischen Kontinents, vor alllem in den wild wuchernden Grossstädten Afrikas übersteigen die Vorstellungskraft eines Europäers bei weitem.
Angesichts der kaum lösbaren Probleme Afrikas, die durch die massive Bevölkerungsexplosion noch verstärkt werden, erfasst einen schon das Gruseln .