Affäre um Plagiatsvorwürfe - Schavan unter Verdacht
14.10.2012 | 19:06 Uhr 2012-10-14T19:06:00+0200
Berlin. In der Affäre um Plagiatsvorwürfe bei ihrer Doktorarbeit gerät Bundesbildungsministerin Annette Schavan (CDU) immer stärker unter Druck. Ein Gutachter erklärte jetzt laut einem Medienbericht, etliche Stellen der Dissertation trügen das „charakteristische Bild einer plagiierenden Vorgehensweise“.
Annette Schavan reagierte mit größter Empörung: Die Unterstellung einer Täuschungsabsicht bei ihrer Doktorarbeit weise sie „entschieden zurück“, erklärte die Bundesbildungsministerin. „Es trifft mich, es trifft mich im Kern“, klagte die CDU-Politikerin. Sie habe bei ihrer Dissertation, eingereicht vor 32 Jahren bei der Uni Düsseldorf, sorgfältig gearbeitet.
Doch daran gibt es jetzt gravierende, für Schavan höchst gefährliche Zweifel .
Ein von der Uni Düsseldorf in Auftrag gegebenes Gutachten erhärtet den seit fünf Monaten bestehenden Verdacht, Schavan habe bei ihrer Doktorarbeit im Fach Erziehungswissenschaften mehr als nur unsauber gearbeitet: Es ergebe sich „das charakteristische Bild einer plagiierenden Vorgehensweise“, schreibt der Gutachter Stefan Rohrbacher in der vertraulichen Expertise, aus der der „Spiegel“ jetzt zitiert. Diese Arbeitsweise sei sogar „ein das Profil der Dissertationsschrift wesentlich mitprägendes Element.“
Die Fälle zu Guttenberg und Schavan sind nicht eins zu eins vergleichbar. Doch müssen an die Bildungsministerin auch wesentlich schärfere Maßstäbe angelegt werden als an einen Verteidigungsminister. Von daher spricht schon jetzt Vieles dafür, dass Schavan nicht mehr tragbar ist.
„Leitende Täuschungsabsicht“
Und: „Eine leitende Täuschungsabsicht ist nicht nur angesichts der allgemeinen Muster des Gesamtbildes, sondern auch aufgrund der spezifischen Merkmale einer signifikanten Mehrzahl von Befundstellen zu konstatieren.“ Auf 60 der 351 Seiten der Dissertation „Person und Gewissen“ hat Schavan demnach Quellen nicht oder nur unzureichend benannt, mitunter auch in „Collage-Technik“ Textbausteine ohne Verweis auf den Autor übernommen. Es sind brisante Plagiatsvorwürfe, die Schavan nicht nur den „Dr. phil“, sondern auch das Ministeramt kosten könnten.
Die 57-Jährige wurde von dem Gutachten offenkundig überrascht, aber neu ist der Vorwurf nicht: Bereits im Mai hatte ein anonymer Blogger auf der Internetseite „Schavanplag“ Täuschungsvorwürfe erhoben – vor wenigen Tagen erneuerte der Blogger mit dem Pseudonym „Robert Schmidt“ seine Attacke und sprach von in etlichen Fällen nicht entschuldbaren Verstößen. Er will auf 92 Seiten Stellen gefunden haben, bei denen Schavan nicht oder nicht ausreichend Quellen kenntlich machte.
Schwierige Entscheidung
Der Dekan der Philosophischen Fakultät der Universität Düsseldorf hatte nach den ersten Vorwürfen eine Prüfung eingeleitet und Rohrbacher, Professor für Jüdische Studien, mit dem Gutachten beauftragt. Dessen Expertise ist nicht das letzte Wort, aber sie hat Gewicht: Am Mittwoch berät der Promotionsausschuss der Philosophischen Fakultät, den Rohrbacher leitet, über das weitere Vorgehen.
Ob Schavan ihren Titel verliert, entscheidet am Ende der Fakultätsrat. Die Entscheidung dürfte nicht ganz einfach sein, die Ministerin hatte in der Plagiatsaffäre bisher viel Unterstützung: Schon Mitstreiter des anonymen Bloggers hatten von einem Grenzfall gesprochen und sich dagegen ausgesprochen, Schavan wegen Plagiats anzuprangern. Auch Erziehungswissenschaftler der Uni Berlin hatten erklärt, es gehe um Zitierfehler, aber nicht um Plagiate.
Der damalige CDU-Verteidigungsminister hatte abgeschrieben. Nach anfänglichem Leugnen gab der forsche CSU-Mann zuerst den Titel zurück. Kurz darauf musste er zurücktreten. Seitdem arbeiten findige Internet-Experten immer wieder an Doktorarbeiten prominenter Politiker. Mehrfach wurden sie fündig.
Opposition macht schon Druck
Doch mit dem neuen Gutachten ist diese Verteidigung Schavans geschwächt. Die Ministerin selbst hat sich bisher nur vage geäußert – erst störte sie die Anonymität des Bloggers, dann verwies sie auf die laufende Prüfung der Universität. Bislang konnte sich Schavan der Rückendeckung der Kanzlerin sicher sein: Sie ist seit langem eine enge Vertraute, Merkel gibt viel auf ihren Rat und wird Schavan nur fallen lassen, wenn es nicht anders geht.

Annette Schavan (CDU) gerät wegen der Plagiatsvorwürfe immer mehr unter Druck . Sollte die Bundesbildungsministerin zurücktreten?
Doch die Opposition macht Druck. Die Vorsitzende des Bundestags-Bildungsausschusses, Ulla Burchardt (SPD), fordert zwar für Schavan eine „faire Chance“, sich zu den Vorwürfen zu äußern. Aber: „Wenn sich die Vorwürfe bewahrheiten, muss sie zurücktreten.“

10:14
Kann man nicht einmal mehr einer Bildungsministerin trauen?Werden wir nur noch von Betrügern regiert und ausgenommen? MfG H-R G.
07:07
Bei den vielen politischen Plagiatoren sollte es doch bald einen Preis wg. "genialer" Täuschung und Betrug geben. Vielleicht eine Dienstwagen mit 3 Rädern und fehlender Frontscheibe in Rostausführung. Schließlich lieben wir Deutschen unsere Politiker!ROTFL
06:52
Interessant ist das nur Unions und FDP Politiker mit Plagiatsvorwürfen konfrontiert werden.
Was natürlich nicht heißt das Politiker von SPD, Grüne und Linke nicht betuppen, aber die Schnüffler sind links und in eigene Nest kackt man nicht. Lächerlich ist es dennoch.
"Was natürlich nicht heißt das Politiker von SPD, Grüne und Linke nicht betuppen, aber die Schnüffler sind links und in eigene Nest kackt man nicht."
Wo hast Du denn den Blödsinn abgeschrieben?
eine ganz typische Antwort aus der "rechten Ecke".
Da ist man doch auch sonst nicht zimperlich und ziert sich nicht, wenn es ums Suchen geht. Bitte.
06:39
vielleicht sollten demnächst nur "nicht-doktoren" ministerposten bekleiden.
23:15
Ich bin auch dafür erst mal alle Doktorarbeiten der letzten Jahrzehnte unter Generalverdacht zu stellen - denn warum sollten nur Politiker "falsch zitiert" haben. Wusste Frau Schavan vor 32 Jahren schon welche politische Karriere sie erwartete? Vermutlich werden wir nach Prüfung erheblich weniger Doktoren haben.
"Oft" habe Schavan vorgegeben, aus Primärquellen zu zitieren, wo es sich eigentlich um leicht abgewandelte Übernahmen aus Sekundärquellen gehandelt haben soll"
"Bei den Vorwürfen gegen Schavan geht es vor allem um Verschleierungen. Es werde an vielen Stellen nicht deutlich, wie weitgehend sie sich bei anderen Autoren bediente"
Anders als bei Guttenberg - der hat kopiert.
Spiegel: "In dem vertraulichem 75-seitigen Papier zieht er nach eingehender Prüfung ..." - interessant wer alles so Zugriff auf vertrauliche Papiere hat.
Der politische Gegener bringt sich schon mal in Stellung - ohne dass die wirklich Zuständigen das Gutachten kennen, die erhalten das erst nächste Woche.
22:24
@moderation:Kommentar 9und10 stehen immer noch??Hier wurden schon ganz andere Kommentare entfernt!!!
22:00
@ kitty73 sie haben weder studiert, noch einen doktortitel! das merkt man. genau wie sprüche: ich hatte nie zeit, einen doktor zu machen. oder: ich habe meine doktorarbeit im schreibtisch, muss nur abgeben. oder: ich nehme mir mal 4 wochen urlaub und mache meinen doktor fertig. am lautesten schreien immer diejenigen, die gerne einen doktortitel haben wollen, es nie geschafft hatten und sich nun benachteiligt fühlen. die fordern immer die abschaffung dieser qualifikation, für die viele menschen über jahre hart und mit entbehrungen arbeiten müssen.
plagiatoren sind dagegen rücksichtslos aufzudecken und an den pranger zu stellen!
Tja wenn man glaubt, dass man weiß ...dass man merkt....
schon tückisch, wenn tuecking sich verrennt.
Aber Sie haben den Kommentar nicht verstanden - vielleicht erst studieren und eine Doktorarbeit schreiben?
21:16
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21:13
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21:09
Wenn man bei allen Dissertationsarbeiten ähnliche Maßstäbe anlegen würde, müsste vermutlich ein erheblicher Teil der Titel aberkannt werden. Vor 30 Jahren war es sicherlich noch wesentlich problematischer, Verstöße aufzudecken als heute mit Hilfe der elektronischen Medien. Die Vorwürfe hier sind sicherlich mit denen gegenüber Guttenberg u. anderen in der Größenordnung nicht vergleichbar. Als Bundesbildungsministerin ist sie aber sicherlich nicht mehr haltbar! Man sollte im übrigen niemals so naiv sein zu glauben, dass Akademiker u. speziell promovierte Akademiker geistige Überflieger sind.
Den der Zeit oder den der Wahrheit?