Das aktuelle Wetter NRW 20°C
AfD-Kongress

AfD und FPÖ probten in Düsseldorf den Schulterschluss

14.02.2016 | 14:31 Uhr
AfD und FPÖ probten in Düsseldorf den Schulterschluss
Frauke Petry, AfD-Bundesvorsitzende, Heinz-Christian Strache, Chef der FPÖ, und AfD-Europaabgeordneter Marcus Pretzell (von links) beim Kongress in Düsseldorf mit rund 850 Teilnehmern.Foto: Jakob Studnar, Funke Foto Services

Düsseldorf.   Grenzen schließen, Asylrecht abschaffen, Europa teilen: Beim Parteikongress in Düsseldorf finden AfD und Österreichs FPÖ viele Gemeinsamkeiten.

„Merkel muss weg! Merkel muss weg!“ Aus gut 850 Kehlen wurde dies minutenlang skandiert im großen Saal des Düsseldorfer Kongresszentrums, dazu klatschten die Anhänger und Mitglieder der rechtspopulistischen AfD rhythmisch mit den Händen. Heinz-Christian Strache, Chef der österreichischen Freiheitlichen Partei Österreichs (FPÖ) hatte sein Publikum von den Sitzen gerissen, als er den Menschen zurief: „Merkels Willkommenskultur ist naiv, dumm und gemeingefährlich!“ Er verdammte die Flüchtlingspolitik der Bundesregierung und wünschte sich Frauke Petry, die Bundesvorsitzende der AfD, als künftige Kanzlerin. Die saß dabei in der ersten Reihe und lächelte zufrieden.

Bei dem AfD-Kongress am Samstag loteten die beiden politisch dem rechten Spektrum zugehörigen Parteien Gemeinsamkeiten und mögliche Strategien aus. Um „Europäische Visionen – Visionen für Europa“ sollte es dabei gehen, doch nach Ansicht von FPÖ und AfD ist „der Verein“ Europa bereits am Ende.

AfD fordert, Recht auf Asyl aus dem Grundgesetz "abschaffen"

Wie ein Mantra wiederholten sämtliche Redner, dass der Euro gescheitert sei, die Brüsseler Bürokratie abgeschafft gehöre und man mit dem Projekt Europa „ganz von vorne bei einem weißen Blatt Papier beginnen“ müsse, wie es Marcus Pretzell, NRW-Vorsitzender der AfD, forderte. Die Grenzen müssten geschlossen werden, das Asylrecht müsse verschärft, „finanzielle Anreizsysteme“ für Flüchtlinge radikal reduziert und das generelle Recht auf Asyl mitsamt dem Artikel 16 A im Grundgesetz abgeschafft werden, so Frauke Petry.

Während im Saal die Stimmung stieg, versammelte sich vor dem Kongresszentrum eine etwa gleich große Zahl von Demonstranten . Kirchen, Gewerkschaften, Friedenbündnisse und Parteien hatten zur Gegendemo aufgerufen, zwei Rosenmontags-Wagen des bekannten Wagenbauers Jacques Tillich fuhren auf, einer zeigte einen brennenden Bundesadler mit der Aufschrift: „Anschläge auf Flüchtlingsheime“. Ein Redner vom Bündnis „Düsseldorf stellt sich quer“ rief den Menschen zu: „In Deutschland darf nie wieder eine Partei mit Rassismus und Nationalismus die Massen mobilisieren.“

FPÖ-Chef beschimpft Rechten-Gegner als "Faschisten der Neuzeit"

Frauke Petry registrierte die Aktion gelassen: „Proteste sind wir gewohnt“, sagte sie. Ihr Gesinnungsfreund Strache, der die rechte FPÖ in Umfragen mit über 30 Prozent zur stärksten politischen Kraft in Österreich geführt hat, setzte eins drauf: Die „linksextremistischen Chaoten“ da draußen seien „in Wahrheit die gefährlichen Antidemokraten und Faschisten der Neuzeit“, während er Petry im gleichen Atemzug als „lupenreine Demokratin“ mit dem „Herz einer Löwin“ bezeichnete.

Erheiterung löste zuvor auf der Pressekonferenz die Frage aus, ob die AfD weiterhin dafür sei, dass Flüchtlinge an den Grenzen auch mit Waffengewalt abgewehrt werden müssten. Petry und Prezell sahen sich an und lachten. Sie sei zu der Aussage von den Medien provoziert worden, gab Petry zurück. Im Übrigen habe sie nur auf die geltende Rechtslage hingewiesen. Dass müsse ja wohl erlaubt sein.

Optimismus vor Landtagswahlen in Deutschland

Pretzell, der für die AfD im Europaparlament sitzt, plädierte für ein „Europa der Vaterländer“, schlug vor, die gemeinsame Währung abzuschaffen und Europa in drei Wirtschaftsräume zu teilen, in Nord-, Süd- und Osteuropa. Deutschland, Großbritannien, die Niederlande, Luxemburg und die skandinavischen Länder sollten ihre Grenzen jeweils für sich öffnen und „Freizügigkeit auf Augenhöhe“ erlauben.

Vor den anstehenden Landtagswahlen am 13. März in drei Bundesländern proben die europäischen Populisten den Schulterschluss und präsentierten sich in Düsseldorf selbstbewusst. Nach jüngsten Umfragen überspringt die AfD jeweils mühelos die Fünf-Prozent-Hürde. In Sachsen-Anhalt liegt die Partei demnach bei etwa 15 Prozent, in Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz um die zehn Prozent.

In Düsseldorf träumte mancher Kongress-Teilnehmer bereits von Regierungsverantwortung sowie dem Einzug in den Bundestag 2017. Frauke Petry: „Unser Projekt ist langfristig angelegt. Wir freuen uns auf den Wahltag.“

Christopher Onkelbach

Kommentare
15.02.2016
11:09
AfD und FPÖ probten in Düsseldorf den Schulterschluss
von wkah | #55

Da marschiert eben ein gewisser Teil der Deutschen, wenn es ernsthafte Probleme gibt, im Gleichschritt nach Rechts.
Obwohl ich davon überzeugt bin,...
Weiterlesen

Funktionen
Fotos und Videos
Sakurai und Co.
Bildgalerie
Fotostrecke
Merkels Pressekonferenz – die Zitate
Bildgalerie
Bundeskanzlerin
article
11563330
AfD und FPÖ probten in Düsseldorf den Schulterschluss
AfD und FPÖ probten in Düsseldorf den Schulterschluss
$description$
http://www.derwesten.de/politik/afd-und-fpoe-proben-in-duesseldorf-den-schulterschluss-id11563330.html
2016-02-14 14:31
AfD, Alternative für Deutschland, Frauke Petry, FPÖ, Rechtspopulisten, Parteien, Politik, Rechtsradikale, Rechtsextremismus,
Politik