Ärzte wollen besser kommunizieren

An Rhein und Ruhr..  Die deutschen Mediziner wollen sich um eine bessere Kommunikation mit ihren Patienten bemühen. Beim diesjährigen Ärztetag in Frankfurt steht das Thema heute erstmals auf der Tagesordnung. Dort soll die Entwicklung eines verbindlichen Lehrplans für die ärztliche Gesprächsführung beschlossen werden.

Im Durchschnitt haben Ärzte in Deutschland etwa acht Minuten Zeit für ein Gespräch mit ihren Patienten. Laut Studien der Universität Düsseldorf unterbrechen Mediziner ihre Patienten in diesen Gesprächen allerdings bereits nach elf bis 24 Sekunden zum ersten Mal. Für ein gutes Arzt-Patientenverhältnis sei es aber „essenziell, dass sich der behandelnde Arzt ausreichend Zeit nimmt, nicht nur für die Diagnosestellung selbst, sondern auch für die Sorgen und Wünsche des Patienten“, sagt Günter Wältermann, Vorstandsvorsitzender der AOK Rheinland.

Auch der Patientenbeauftragte der Bundesregierung, Karl-Josef Laumann (CDU), fordert ein Arzt-Patienten-Verhältnis „auf Augenhöhe“: Für eine erfolgreiche medizinische Behandlung müssten sich Arzt und Patient fair begegnen und partnerschaftlich über nötige Therapien entscheiden, sagte Laumann der NRZ. Dabei gebe es auf Seiten der Ärzte „noch Verbesserungsbedarf“, so Laumann weiter.

Bei den Medizinern ist die Botschaft angekommen. „Wir nehmen zunehmend wahr, dass gute Kommunikation entscheidend für den Behandlungserfolg ist“, so Rudolf Henke, Präsident der Ärztekammer Nordrhein. Die ärztliche Gesprächsführung ist seit 2012 in das Medizinstudium integriert, manche Universitäten simulieren Gesprächssitutionen mit Schwerstkranken – aber gerade junge Ärzte fühlten sich noch immer nicht ausreichend geschult, sagte Henke im Gespräch mit der NRZ.

„Kommunikation mit dem Patienten muss eine Schlüsselkompetenz von Ärzten werden“, fordert Henke. Ein Gespräch mit einem Patienten dürfe nicht nur der puren Informationsübermittlung dienen, sondern müsse auch zum Aufbau einer Beziehung dienen. Schließlich begegneten Mediziner ihren Patienten allzu oft an Wendepunkten ihres Lebens, etwa, wenn sie ihnen mitteilen müssten, dass sie schwer erkrankt sind. Henke plädiert dafür, dass sämtliche Fortbildungsangebote für Ärzte auch der Kommunikation Rechnung tragen müssen. „Dafür wollen wir unsere Kollegen gewinnen“, so der Präsident der Ärztekammer Nordrhein.