Das aktuelle Wetter NRW 4°C
Ärztestreik

Ärzte-Verbände kündigen "Nadelstiche" statt Streik an

06.09.2012 | 16:47 Uhr
Ärzte fordern deutlich mehr Honorar.Foto: dapd

Berlin.  Im Streit mit den Krankenkassen um höhere Honorare wollen die niedergelassenen Mediziner vorerst auf flächendeckende Praxisschließungen verzichten - und auf andere Protest-Aktionen ausweichen. Der Kassenverband wirbt dagegen um eine Verhandlungslösung, um die Konfrontation zu beenden

Kranke Menschen, die in den kommenden Tagen zum Arzt müssen, sollen erst einmal nicht die Leidtragenden des Streits um höhere Ärztehonorare sein: Die Kassenärzte wollen auf die angedrohten flächendeckenden Praxisschließungen erst einmal verzichten. Das kündigte der Vorsitzende der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV), Andreas Köhler, am Donnerstag an. Die Vorstände der 17 Kassenärztlichen Vereinigungen und der KBV hätten jedoch einstimmig ein Paket an anderweitigen Maßnahmen beschlossen.

"Die Krankenkassen werden unsere gezielten Nadelstiche spüren", betonte Köhler. Vom kommenden Montag an sollen den Angaben zufolge Woche für Woche "hintereinander geschaltete Maßnahmen" in den 100.000 Praxen der niedergelassenen Ärzte und Psychotherapeuten starten.

Kassen werben um Verhandlungslösung

Der Spitzenverband der gesetzlichen Krankenkassen (GKV) warb dagegen dafür, den Streit auf dem Verhandlungsweg zu lösen. Verbandssprecher, Florian Lanz, sagte, bereits nach der ersten Verhandlungsrunde sei das Thema Honorarsenkung vom Tisch gewesen. "Seit Ende vergangener Woche geht es nicht mehr um die Frage, ob die Honorare steigen, sondern nur noch darum, wie stark sie steigen. Diese Frage wollen wir gemeinsam mit der Kassenärztlichen Bundesvereinigung am Verhandlungstisch lösen", betonte Lanz.

Video
Berlin, 03.09.12: Nur 270 Millionen statt der geforderten 3,5 Milliarden Euro – die niedergelassenen Ärzte gehen aus Protest gegen das Schlichtungsergebnis der Honorarverhandlungen auf Konfrontation zu den Krankenkassen und drohen mit Praxis-Streiks.

Die KBV hatte die Verhandlungen über die Honorare der rund 150.000 niedergelassenen Ärzte und Psychotherapeuten am Montag platzenlassen. Zuvor hatte der Erweiterte Bewertungsausschuss mit einem Schlichterspruch entschieden, die Zuweisungen um 270 Millionen Euro zu erhöhen. Die Ärzte verlangen ein Plus von 3,5 Milliarden Euro oder elf Prozent.

"Verantwortungsloses Machtkartell"

Die Bundesärztekammer forderte unterdessen Bundesgesundheitsminister Daniel Bahr (FDP) auf, die Macht des Spitzenverbandes der gesetzlichen Krankenversicherung zu beschneiden. Die GKV entwickele "sich zu einem völlig verantwortungslosen Machtkartell. Und da müsste der Bundesgesundheitsminister eingreifen", sagte Ärztepräsident Frank Ulrich Montgomery. Zugleich zeigte er sich optimistisch, im Streit über höhere Honorare für Ärzte mit den Kassen eine Einigung erreichen zu können.

Bei solchen Verhandlungen sei es üblich, dass man erstmal "die Instrumente zeigt, mit denen man sich bedrohen kann", sagte Montgomery. In diesem Zusammenhang verwies er auf mögliche Praxisschließungen. Am Ende müssten beide Seiten jedoch zurück an den Verhandlungstisch und "miteinander einen Vertrag unterschreiben". (dapd)



Kommentare
07.09.2012
13:03
Ärzte-Verbände kündigen
von wiebeler | #2

100 000 Euro sind auch etwas wenig im Schnitt

07.09.2012
09:34
Wie wollen die Ärzte denn den Kassen drohen?
von ruhrgebieti | #1

Die einzigen, denen sie drohen können, sind die Patienten.

Aus dem Ressort
Papst fordert in der Türkei die Freiheit des Glaubens
Papstreise
Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan empfängt Papst Franziskus in seinem neuen Palast in Ankara. Nur wenige Stunden nach seinen heftigen Attacken gegen den Westen gibt sich der Präsident friedfertig. Sein Gast aber findet klare Worte.
Die meisten Patienten würden ihr Krankenhaus weiterempfehlen
Krankenhäuser
Im Schnitt würden 82 Prozent der stationär Behandelten ihr Krankenhaus weiterempfehlen. Das zeigt eine Umfrage von drei großen Krankenkassen. Doch es gibt auch starke Abweichungen. Die privat betriebene Helios Klinikum in Duisburg etwa rangiert ganz unten.
Bund gibt Kommunen eine Milliarde für Flüchtlingshilfe
Flüchtlinge
Der Bund will den Kommunen in Zukunft dabei helfen, die zahlreichen Flüchtlinge zu versorgen. Insgesamt sollen sie eine Milliarde Euro bekommen. Von den geplanten 25 Millionen Euro Soforthilfe fließen sechs Millionen nach NRW. Weitere Maßnahmen sollen die Kommunen zusätzlich entlasten.
NPD fühlte sich von Polizei behindert - und gewinnt Prozess
Rechte
Wie soll sich die Polizei verhalten, wenn sie eine Kundgebung der rechtsextremen NPD schützen muss? Was politisch immer wieder umstritten ist, hat nach einer Veranstaltung in Münster jetzt auch ein Gericht beschäftigt. Die nordrhein-westfälische Polizei zog dabei den Kürzeren.
NRW testet ab Januar Software zu Kriminalitäts-Vorhersagen
Polizei
Mit dem Computer errechnen, wo der nächste Einbruch stattfinden wird? Das würde die Polizei gerne können. Nordrhein-Westfalen testet dazu demnächst ein Computerprogramm, das "Predictive policing" können soll.
Umfrage
Der deutsche Beitrag zum Spenden-Song
 
Fotos und Videos
Sakurai und Co.
Bildgalerie
Fotostrecke