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Griechenland: Helfer entsetzt über Folgen des Flüchtlingspakts

23.03.2016 | 17:45 Uhr
Flüchtlinge sitzen in dem Flüchtlingscamp Moria auf der griechischen Insel Lesbos hinter einem Zaun. Moria gilt als einer der größten Flüchtlings-Hotospots in Griechenland.
Flüchtlinge sitzen in dem Flüchtlingscamp Moria auf der griechischen Insel Lesbos hinter einem Zaun. Moria gilt als einer der größten Flüchtlings-Hotospots in Griechenland.Foto: Kay Nietfeld/dpa
Flüchtlinge sitzen in dem Flüchtlingscamp Moria auf der griechischen Insel Lesbos hinter einem Zaun. Moria gilt als einer der größten Flüchtlings-Hotospots in Griechenland.
Flüchtlinge gehen an der Mauer des Auffanglagers "Moria" entlang.
Wenn Boote ankommen, sammeln freiwillige Helfer die Schwimmwesten ordentlich auf einen Haufen, fertig zum Abtransport.
Nach Inkrafttreten des EU-Türkei-Pakts hat die Hilfsorganisation Ärzte ohne Grenzen ihre Arbeit im Lager "Moria" auf der Insel Lesbos eingestellt.
Flüchtlinge gehen in das Camp "Better days for Moria". Das Camp ist eine Ausweichmöglichkeit zum Hotspot "Moria" direkt nebenan.
Der Ausgang ihrer Reise ist ungewiss: Für die Migranten, die es von der türkischen Küste aus nach Lesbos geschafft haben, geht es nun weiter Richtung griechisches Festland - und dann womöglich zurück in die Türkei.

Athen/Berlin.  Hilfsorganisationen auf der griechischen Insel Lesbos haben sich entsetzt über die Folgen des Flüchtlingspakts geäußert.

Aus Protest gegen die faktische Inhaftierung der Menschen vor Ort stellten das UN-Flüchtlingshilfswerk UNHCR und die Organisation Ärzte ohne Grenzen den Transport der Flüchtlinge zum sogenannten Hotspot der Insel ein. Die Bundesregierung wies die Kritik zurück.

Nach den Worten von Regierungssprecher Steffen Seibert geht Deutschland von einer eher kurzen Verweildauer der Flüchtlinge in den umstrittenen Aufnahmelagern aus. "Sie muss so kurz sein wie möglich, (...) aber auch so lang wie nötig, um den rechtlichen Bestimmungen gerecht zu werden", erklärte Seibert am Mittwoch in Berlin.

"Bisher war es so, dass am Hafen Ärzte und freiwillige Helfer warteten, die sich um die Flüchtlinge kümmerten, sie versorgten und zu den Auffanglagern brachten", sagte Thomas Baumgärtel, der auf Lesbos die Station der Deutschen Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger (DGzRS) leitet. "Das bricht jetzt weg - aber wir können die Leute ja nicht einfach im Meer aufsammeln, am leeren Pier ausladen und wieder aufs Meer fahren!"

Glück im Unglück, sagte Baumgärtel, dass es in der Nacht zum Mittwoch stark stürmte und deshalb von der Türkei aus keine Boote übersetzten. "Wenn das Wetter morgen wieder besser wird, müssen wir uns was überlegen."

Ärzte ohne Grenzen stellte seine Aktivitäten im Lager Moria auf Lesbos nach eigenen Angaben ein. Die Fortführung der Arbeit mache die Helfer zu "Komplizen eines Systems, das wir als unfair und unmenschlich ansehen", teilte die Landeskoordinatorin für Griechenland, Marie Elisabeth Ingres, mit. "Wir werden nicht zulassen, dass unsere Hilfe für eine Massenabschiebung instrumentalisiert wird."

Helfer vor Ort auf Lesbos berichteten, dass neu ankommende Flüchtlinge und Migranten seit Inkrafttreten des Flüchtlingspakts am Sonntag wie Kriminelle behandelt würden. Wenn sie im Auffanglager ankommen, werden ihnen demnach Schnürsenkel, Gürtel und Handys abgenommen. Anschließend würden sie im "Hotspot", einem ehemaligen Gefängnis, in Baracken untergebracht, die sie nicht verlassen dürften.

Im griechischen Grenzlager Idomeni forderten Insassen die Öffnung der mazedonischen Sperranlagen. Dutzende Migranten blockierten die Eisenbahntrasse, rund 150 setzten sich auf eine Fernstraße und verursachten kurzzeitig ein Verkehrschaos. Einige Migranten traten in den Hungerstreik, berichteten Reporter vor Ort. Die griechischen Bahnen brachten alte Schlafwagenwaggons nach Idomeni, die rund 250 Menschen einen trockenen Schlafplatz bieten. Am Nachmittag setzte erneut starker Regen ein.

"Die Menschen hier tun sich aus lauter Verzweiflung selbst Schlechtes an", sagte UNHCR-Sprecher Babar Baloch der Deutschen Presse-Agentur. Aus Furcht vor Gewaltakten wütender Migranten zogen die meisten humanitären Organisationen einen Teil ihrer Mitarbeiter in der Nacht zum Mittwoch aus dem Lager ab, wie der UNHCR-Sprecher berichtete. In Idomeni harren nach Schätzungen des Krisenstabs aktuell gut 13 000 Menschen aus. Sie wollen weiter Richtung Norden, meist nach Deutschland.

(dpa)

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2016-03-23 17:45
Migration, Flüchtlinge, Griechenland, Deutschland
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