Ärzte in NRW weisen Patienten ab
28.04.2009 | 16:23 Uhr 2009-04-28T16:23:00+0200
Essen. Den Ärger der Ärzte über das neue Honorarsystem bekommen auch in NRW immer häufiger die Patienten zu spüren. Sie klagen, nicht oder nur gegen Bargeld behandelt worden zu sein.
Nach einigen Fällen in Bayern wurde nun eine ganze Reihe von Abweisungen von Patienten in NRW bekannt, deren anonym gehaltene Dokumentation der WAZ vorliegt.
Ein Patient erhielt von seinem Hautarzt gleich nach der niederschmetternden Diagnose „Verdacht auf Hautkrebs” den Hinweis, die Entfernung sei nur gegen private Kostenübernahme möglich. Selbst zahlen sollte auch ein Hexenschuss-Patient bei seinem Orthopäden. Der habe erklärt, die von der Kasse für ihn gezahlte Pauschale sei ausgeschöpft. In Vorkasse gehen sollten auch die Eltern eines Kleinkindes für die Hüftbehandlung mit einer Spreizhose. Die nötige mehrmalige Kontrolle sei nicht durch die Quartalspauschale gedeckt.
Pro Kopf und Quartal einen festen Betrag
Allein die Kassenärztliche Vereinigung (KV) Nordrhein geht derzeit rund 100 solcher Fälle nach. Seit dem 1. Januar erhalten niedergelassene Ärzte pro Kopf und Quartal einen festen Betrag, der alle Regelleistungen abdeckt. In fast allen strittigen Fällen verwiesen die Ärzte darauf, diese Pauschale sei ausgeschöpft. Zu Unrecht, wie die KV klarstellt. „Die Pauschale begrenzt nicht die Behandlung”, so Sprecherin Ruth Bahners. Im Klartext: Der Arzt muss seine Patienten so oft behandeln, wie es nötig ist, auch wenn er dafür keinen Cent mehr erhält.
Minister will keine Vorkasse dulden
Viele Ärzte wollen sich damit nicht abfinden. Für einen Ratinger Augenarzt hat das bereits eine Disziplinarstrafe zur Folge: Er darf vorerst keine Kassenpatienten behandeln. Mehrere Patienten hatten berichtet, er verschreibe Augentropfen nur noch, wenn sie vorher eine selbst zu zahlende Leistung durchführen ließen. Eine seiner Patientinnen machte auch beim nächsten Augenarzt kehrt: Der wollte sie nur gegen eine Gebühr von 50 Euro behandeln.
Minister Laumann will Vorkasse beim Arzt in keinem Fall dulden. „Sollte ein solcher Vorgang in NRW auftreten, werde ich mit aller Vehemenz als Aufsichtsbehörde einschreiten.”

13:07
@#87 von Ärztehasserhasser
Nein. ES ist zwecklos. Sie verstehen es wirklich nicht...
12:48
Ich habe Ihre Argumente verstanden.
Und ich habe meine. So ist das eben.
Was Sie nicht begreifen wollen, ist die
Tatsache, dass man dieses Thema
nicht pauschalisieren kann.
Die Ärzte haben diese Reform mitgetragen
Sie haben auch die Partei X oder Y gewählt.
Finden Sie deshalb auch alles richtig, was
von dieser Partei beschlossen wird.
Der Friseur-Vergleich ist gar nicht von mir.
Aber er passt. Wenn ein Orthopäde eine Stunde
lang nur Kassenpatienten behandelt, die mind.
das zweite mal bei ihm zur Behandlung sind,
kassiert er gar nichts dafür. Ein Friseur kassiert
für jede Behandlung.
Hören Sie endlich auf mit Ihren Pauschalurteilen!
Wie ich schon schrieb: Es gibt Ärztegruppen, die
bei dieser Reform, auch nach der Erhöhung zum
Jahresanfang, sehr schlecht wegkommen. Und
genau von diesen rede/schreibe ich hier.
10:06
@ #80 Ärztehasserhasser
Nein haben Sie nicht, da Sie meine Argumente nicht verstanden haben und stramm am Thema vorbeiformulieren.
1. Die Ärzte haben diese Reform MITGETRAGEN!
2. Die Ärzte verdienen auch mit der Pauschale noch anständig. Wie das geht, haben Sie ja selbst beschrieben. Der Arzt hat genug Stellschrauben, an denen er drehen kann, um ein vernünftiges Einkommen zu erzielen.
3. Entscheidend ist nicht, wie hoch die Pauschale ist, oder dass nur einmal im Quartal/Patient kassiert wird, sondern WAS UNTERM STRICH BLEIBT! M. E. ist das völlig ausreichend. Der Friseur-Vergleich ist albern und kindisch.
Stellen Sie sich mal vor, alle Ärzte wären Angestellte und würden nach, sagen wir mal, TVÖD (früher BAT) bezahlt.
Nochmal das Hauptproblem: Die Vielzahl der Ärzte sind nicht bereit, finanzielle Zugeständnisse zu machen (wenn es überhaupt welche sind), um ein gerecht austariertes System zu erhalten. Stattdessen beklagen sie sich über selbst-mitgestaltete Reformen und lassen das an ihren Patienten aus.
Wir haben in Deutschland ein hochwertiges Gesundheitssystem und damit das so bleibt, müssen alle Zugeständnisse machen. AUCH DIE ÄRZTE!
09:27
Ich höre seit Jahrzenten nur vom Praxissterben und schlecht bezahlten Ärzten. In dieser Zeit ist die Zahl der Praxen explodiert und jeder halbwegs geeignete Arzt aus dem Krankenhaus hat sich selbstständig gemacht.
Das alles vor dem Hintergrund einer Aussicht als unterbezahlter Scherge von Ulla einer 60-Stundenwoche nachgehen zu müssen ????
Sollten die Ärzte wirklich an ihr eigenes Gejammer glauben, wären sie wohl selber ein Fall für die Couch.
Was hat denn die Interessenvertretung der Ärzte mit den Milliarden angestellt, welche ihnen kürzlich zugestanden wurden ??
22:35
Die Ärzte lassen ihre Wut leider an den Falschen aus, nämlich an den Patienten. Diese haben dann auch die gesundheitlichen Konsequenzen zu tragen. Welcher Arzt kann das verantworten?
Da werden sich einige Ärzte sicher bald mit Klagen konfrontiert sehen.
Ich fände es klasse, wenn sich für einen gewissen Zeitraum alle Privatversicherten mit den gesetzlich Versicherten solidarisieren und die betreffenden Ärzte meiden. Dann wollen wir doch mal sehen, wie schnell die Ärzte vernünftig werden oder am Ende sind.
20:26
Wo fließen eigentlich meine horrenden Krankenkassenbeiträge hin???
Zur Ulala oder zu den Krankenkassenvorständen???
Und, wenn ich für die Behandlung beim Arzt löhnen muß, krieg ich das Geld wieder ersetzt???
Und, was berhaupt die Ulala. Oder ist die grade im Urlaub oder krank???
18:50
Hier die selbsterlebten Fakten.
Meine Frau war bei einem Orthopäden in DU - Zentrum in Behandlung und wurde durch seine Überweisung im Krankenhaus operiert. Nach der Krankenhausentlassung suchte sie diesen Orthopäden am 24.02.09 auf, zur Nachbehandlung.
Ihr wurde jedoch eine Behandlung auf Krankenkassen Verrechnung verweigert, weil es ihr 3. Besuch in diesem Quartal sei. Es wäre nur eine Behandlung mit Selbstzahlung nach seinem Comfort – Sprechstunden Tarif möglich. Wir zahlten. Für die Ausstellung eines Rezeptes für eine spezielle Gymnastik wie von einem Radiologen empfohlen, der für das Krankenhaus die Röntgenaufnahme machte, forderte er meine Frau auf zu diesem Radiologen zu gehen, obwohl dieser hierzu nicht berechtigt gewesen wäre.
Meine Frau besucht seit dem einen anderen Arzt.
Nach der ARD Talkshow „Anne Will LIVE“ vom Sonntag, den 8.3.09 war dieses Verhalten der Ärzte das Thema und wurde einhellig als nicht rechtens verurteilt und empfohlen sich an die eigene Krankenkasse zu wenden.
Ich habe dies am 9.3.09 schriftlich getan und erhielt von der Kasse die Antwort, dass mein Schreiben mit den als Anlage beigefügten Anlagen: Preistabelle für die Comfort- Sprechstunden-Behandlung und Quittung über die Selbstzahlung, an die Rechtsabteilung der Kasse weitergeleitet worden wäre.
Kurze Zeit später am 25.3.09 bekam meine Frau dann ein Schreiben vom o.g. Orthopäden mit der Aufforderung ihre Unterlagen abzuholen da die Vertrauensbasis nicht mehr gegeben sei.
Ich holte die Unterlagen ab und konnte dabei feststellen das hier noch weitere Unterlagen auf ihre Abholung warteten. Meine Frau also kein Einzelfall war.
Ich finde diese Instumentalisierung von Kranken, wie auch in der WAZ vom 28.04.2009 in dem Beitrag von Herrn Stefan Schulte richtig gesehen, als ein nicht hinzunehmendes Verhalten.
Hier wird die Verärgerung der Ärzte über das Versagen, im Wesentlichen der Kassenärztlichen-
Vereinigung, an die Patienten weitergegeben, denen bei weltweit höchsten Kosten teilweise
unzumutbare Praxiswartezeiten zugemutet werden.
Die Ärztegemeinschaft sollte darauf achten, dass sie nicht durch Kollegen, nach den Bankern,
die zweite Buh-Gesellschaft der Nation wird.
17:51
Vorschlag zur Kostenreform im Gesundheitswesen:
Alle Kranken reisen ( selbstverständlich auf eigene Tasche) zur Behandlung in Billigländer wie Indonesien oder Jamaika!
Dann reicht nicht nur die Kostenpauschale der U.S. , sondern wir brauchen ja gar keine Ärzte mehr in Deutschland!
Leute, sparen wir ein Geld!
Wie, Geht nicht?
Dann muß irgendwo im Vorfeld was nicht stimmen!
Faire Bezahlug für gute Leistung!
17:35
Ich habe schon sehr viel verstanden, liebster Ralle!
Im Gegensatz zu manch anderen hier differenziere ich sehr gut.
Pauschalisieren kann man dieses Thema überhaupt nicht.
Es gibt Ärztegruppen, die immer noch sehr gut verdienen...
und es gibt welche, die nur noch klarkommen,
wenn sie Patienten der Berufsgenossenschaften oder eben
Privatpatienten behandeln.
Es kommt stark darauf an, was ein freiberuflicher Arzt an Sonder-
leistungen abrechnen kann (direkt mit dem Patienten z.B.) oder
wie das Verhältnis Anzahl Kasse-/Privat-Patient ist.
Ich hasse es, wenn pauschale Urteile abgegeben werden.
Denen geht es gut - denen geht es schlecht...
Und wenn manche Ärzte nur noch die erste Behandlung bezahlt
bekommen (und das auch noch schlecht), habe ich vollstes
Verständnis dafür, wenn sie sich wehren. Der Lohn dieser
Ärztegruppe wäre ohne Privat- und BG-Patient schlechter
als der eines Friseurs.
Haareschneiden wird heute besser bezahlt als bestimmte
Ärztegruppen. Und eine Schere ist preisgünstiger anzuschaffen
als ein Ultraschallgerät...
15:49
@ #60 Ärztehasserhasser
Sie haben zwischen nicht viel bis überhaupt nichts verstanden.
A) Die neue Honorar-Reform mit der Pauschale (heißt auch Fallwert) ist ein im Konsens mit den Ärzteverbänden abgestimmtes Instrument, welches Kosten senken soll. Die Reform orientiert sich dabei eng am bisherigen Einkommen der Ärzte. (auch infolge der starken Lobbyarbeit!)
B) Die Pauschale für einen Patienten wird dem Arzt von der Kasse IMMER gezahlt, egal, ob der Arzt den Patient direkt weiter überweist, ob der Patient nur ein Rezept abholen möchte oder tatsächlich schwerkrank ist. Und, wenn sie schonmal in einer Arztpraxis waren, da sitzen nicht immer nur Schwerkranke rum.
C) Die Reform ist der Beitrag der Ärzte an der Gesundheitsreform. Wenn man sieht, was den Beitragszahlern zugemutet wird, hält sich mein Mitleid in Grenzen.
D) Ob die Honorarreform die Ärzte letztendlich über Gebühr belastet (ich glaube das nicht!) lässt sich vermutlich erst in ein bis zwei Jahren sagen.
Ansonsten empfehle ich Ihnen dringend, den o. a. Artikel einmal sorgfältig zu lesen, nebenbei vielleicht auch mal an andere, hart arbeitende Arbeitnehmer (Opel, Mercedes, Continental etc.) zu denken, denen finanziell sicherlich mehr zugemutet wurde als ihrer Klientel.