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Ägypten

Ägyptens Revolutionäre fühlen sich verraten

03.02.2012 | 18:56 Uhr
Ägyptens Revolutionäre fühlen sich verraten
Demonstranten in Kairo formieren sich am Freitag zur Menschenkette, um die Zusammenstöße mit der Polizei zu stoppen. Foto: afp

Kairo.   Auch am Freitag kam es in der Hauptstadt Kairo wieder zu schweren Unruhen zwischen Regierungsgegnern und Demonstranten. Vermummte versuchen zum Innenministerium vorzudringen. Mindestens ein Toter durch Schüsse.

„Weg mit dem Militärrat – hängt den Feldmarschall auf“, skandierte die Menge und: „Wir haben von einem Umbruch geträumt, sie aber haben uns zum Narren gehalten.“ Seit der blutigen Tragödie im Stadion von Port Said eskalieren in Ägypten Empörung und Aggressionen gegen die Herrschaft des Militärrates und dessen Chef, Feldmarschall Mohamed Hussein Tantawi.

Bereits den zweiten Tag lang versuchten am Freitag Tausende aufgebrachter Protestierer, mit Gewalt zum ­Innenministerium in Kairo vorzudringen, das mit Beton und Stacheldraht abgeriegelt ist. Zugleich zogen Zehn­tausende in Sternmärschen aus allen Stadtteilen zum ­Tahrir-Platz im Zentrum.

„Das Ministerium könnt ihr schützen, warum dann nicht ein Fußballstadion“, schrie die Menge in der Mohamed-Mahmoud-Straße. Viele schwenkten Fahnen der Ultra-Fanclubs von Ahly und Zamalek, den beiden Erstliga-Clubs aus ­Kairo.

Polizisten unter Beschuss

Als ein Mannschaftsbus mit Polizisten aus Versehen in eine Seitenstraße voller Protestierer abbog, wurde der ­Wagen eine Dreiviertelstunde lang mit Steinen bombardiert, bis ihm schließlich andere Demonstranten mit einer Menschenkette hinaus halfen.

Nur während des Freitagsgebets hielten die Kämpfer kurz inne, dann gingen die Krawalle bis in den Abend ­unvermindert weiter. Vereinzelt waren Schüsse zu hören, schwarzer Rauch von brennenden Autoreifen waberte durch die Straßen. Die hinter Stacheldraht verbarrikadierte Polizei antwortete mit Salven von Tränengas. Mindestens ein Mann starb – ihn traf eine Kugel in die Brust.

1400 Verletzte bis zum Abend

Bis zum Abend wurden allein in Kairo mindestens 1400 Menschen verletzt. Auch in anderen Teilen Ägyptens kam es zu Unruhen. In Suez gab es zwei Tote und über 200 Verletzte, als die Menge versuchte, eine zentrale Polizeistation zu stürmen und Beamte das Feuer eröffneten. Zahlreiche Geschäfte wurden geplündert.

In Port Said, wo sich am Mittwochabend das Drama mit 74 Toten und über 1000 Verletzten abgespielt hatte, verliefen die Kundgebungen zunächst ohne Zwischenfälle.

Innenminister: Provokateure am Werk

Innenminister Mohamed Ibrahim, gegen den im neu gewählten Parlament ein Misstrauensantrag gestellt worden war, verteidigte die Sicherheitskräfte. Die Katastrophe von Port Said sei ausgelöst worden durch gegenseitige Provokationen der beiden Fan-Blöcke, sagte er. Schlachtenbummler aus Kairo hätten während des Spiels ein Transparent entfaltet mit der Aufschrift „Port Said ist eine Schrottstadt und hier gibt es keine echten Männer“.

Gerüchte über die Hintergründe der Tragödie

Fernsehbilder zeigten dagegen nach dem Schlusspfiff, wie die Polizisten untätig in der Arena herumstanden, während um sie herum der ­rasende Mob aufeinander losging. Auch wurden die Ultras der Heimmannschaft vor dem Spiel nicht auf Messer und Knüppel durchsucht, obwohl sie im Vorfeld einen „Tag der Abrechnung“ angekündigt hatten.

So kursierten auch am Freitag immer neue Theorien über die Hintergründe der Tragödie. Manche der Protestierer auf dem Tahrir-Platz sind überzeugt, das Ausland stecke dahinter. Andere halten alte Kader des Mubarak-Regimes sowie den Militärrat für die Drahtzieher. Parlamentsprä­sident Saad Katatni von der Muslimbruderschaft dagegen nannte die Gewalt einfach nur „ein Werk des Teufels“.

Martin Gehlen

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Kommentare
03.02.2012
22:49
Missinterpretation des "Arabischen Frühlings"
von Sempre | #1

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