Abstimmung über Homo-Ehe „Niederlage für die Menschheit“

Rom/Berlin/Essen..  Das irische Ja zur Ehe für homosexuelle Paare provoziert die katholische Kirche: Der Vatikan kritisierte das Votum mit ungewöhnlich scharfen Worten und wertete es als „Niederlage für die Menschheit“. Der Essener Generalvikar Klaus Pfeffer hat wiederum gestern diese Reaktion des Vatikans verurteilt. Der Generalvikar des Ruhrbistums sagte im Kölner Domradio: „Niederlagen für die Menschheit sind für mich andere Dinge. Dinge, die mit Gewalt, Terror, Krieg und Unmenschlichkeit zu tun haben. Eine solche Formulierung in Zusammenhang mit Homosexualität und all den Fragen dazu ist völlig unangemessen.“

Der 51-Jährige befürchte, dass die katholische Kirche mit dieser Wortwahl „weltweit den sehr unangenehmen Eindruck“ erwecke, sich nicht mit den Lebensrealitäten der Menschen auseinanderzusetzen zu können. Der Kirche gehe es letztlich darum, die Werte Ehe und Familie hochzuhalten, was auch richtig sei. Diesem Ziel diene sie aber nicht, indem sie „in einer sehr brachialen Weise auf Distanz“ gehe.

In Deutschland brachte das Bundeskabinett gestern redaktionelle Änderungen zahlreicher Gesetze im Zivil- und Verfahrensrecht auf den Weg, um Vorschriften für Eheleute auch auf Lebensgemeinschaften schwuler und lesbischer Paare auszudehnen. Eine völlige rechtliche Gleichstellung wie in Irland, die parteiübergreifend viele fordern, lehnte die Bundesregierung aber ab. Daher planen einige Länder eine entsprechende Bundesratsinitiative. Union und SPD sind in der Frage uneins: Die SPD will eine Gleichstellung der Homosexuellen-Ehe, die Union lehnt dies etwa beim Adoptionsrecht ab.

Kardinals-Staatssekretär Pietro Parolin hatte sich am Dienstagabend in Rom zum Ja der Irländer zur Homo-Ehe geäußert: „Ich bin sehr traurig über dieses Ergebnis, die Kirche muss sich dieser Realität stellen, aber sie muss es in dem Sinn tun, dass sie erneute Anstrengungen unternimmt, auch die Kultur von heute zu evangelisieren“, sagte er. „Ich glaube, man kann nicht nur von einer Niederlage der christlichen Prinzipien, sondern von einer Niederlage für die Menschheit sprechen.“