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Abstimmung über 14 Jahre Chávez

07.10.2012 | 13:35 Uhr
Foto: /AP/Sharon Steinmann

Nach 14 Jahren im Amt hat Venezuelas Präsident Hugo Chávez am Sonntag um seine Wiederwahl bangen müssen. Bei dem Urnengang sah sich der 58-jährige erstmals einem ernst zu nehmenden Herausforderer gegenüber, dem 40 Jahre alten Henrique Capriles von der oppositionellen MUD. In vielen Umfragen lag Chávez rund zehn Prozentpunkte vorn, in anderen lagen Erhebungen waren beide Kandidaten aber gleichauf.

Caracas (dapd). Nach 14 Jahren im Amt hat Venezuelas Präsident Hugo Chávez am Sonntag um seine Wiederwahl bangen müssen. Bei dem Urnengang sah sich der 58-jährige erstmals einem ernst zu nehmenden Herausforderer gegenüber, dem 40 Jahre alten Henrique Capriles von der oppositionellen MUD. In vielen Umfragen lag Chávez rund zehn Prozentpunkte vorn, in anderen lagen Erhebungen waren beide Kandidaten aber gleichauf. Die Wahllokale sollten um 18.00 Uhr (Ortszeit, Montag 0.30 Uhr MESZ) schließen. Zur Wahl aufgerufen waren rund 19 Millionen Venezolaner.

Auf öffentlichen Plätzen tönte Volksmusik aus Lautsprechern, teilweise waren Werbespots zu hören, in denen die Stimme von Amtsinhaber Chávez sagte: "Wer seine Heimat liebt, wählt mich." Insgesamt traten sechs Kandidaten an, doch außer Chávez und Capriles wurden keinem Chancen zugerechnet.

Die Wahl galt indes als wegweisend für die Zukunft des südamerikanischen Landes. Sollte sich Chávez durchsetzen und weitere sechs Jahre an der Macht bleiben, hätte er freie Hand, die ohnehin starke Rolle des Staates in der Wirtschaft weiter zu festigen. Überdies könnte er weiter an seinen Allianzen gegen die USA in der internationalen Politik schmieden. Sollte sich Capriles durchsetzen, rechnen Beobachter mit einem radikalen Schnitt in der Außenpolitik sowie einem Rückzug des Staates aus der Wirtschaft und einer Zunahme der privaten Investitionen.

Chávez: "20 Jahre sind nichts"

Am Vorabend der Wahlen gab sich Chávez siegessicher. Es sei nicht sein Wille, sondern der Wille des Volkes, dass er bereits so lange an der Macht sei, sagte er am Samstagabend auf einer improvisierten Pressekonferenz im Präsidentenpalast in der Hauptstadt Caracas. Und er sehe keinen Grund, warum er sein Land nicht noch für eine dritte Amtszeit regieren solle. "20 Jahre sind nichts", sagte Chávez, machte aber klar, dass er danach nicht noch länger im Amt bleiben wolle. "Warum sollte ich für immer hier sein?"

Mindestens 18,8 Millionen Venezolaner waren für die Wahl eines neuen Präsidenten registriert, der das Land bis 2019 regieren soll. Beobachter befürchten angesichts der aufgeheizten Stimmung mögliche Unruhen während und nach der Wahl. Der Präsident forderte alle Teilnehmer auf, die Ergebnisse zu akzeptieren. "Für niemanden wird die Welt untergehen", sagte Chávez, auch wenn einige angesichts der Ergebnisse in Verzweiflung verfallen könnten.

Auf die Frage, ob er bei einer Niederlage der Politik den Rücken kehren würde, antwortete Chávez nicht und begründete das mit einem Wahlgesetz, das den Kandidaten politische Stellungnahmen zwei Tage vor der Wahl verbietet. Sein Herausforderer Capriles ist deshalb seit Donnerstag nicht öffentlich aufgetreten, dessen Wahlkampfleiter kritisierte Chávez Auftritt, rechnete aber nicht mit Sanktionen.

Capriles: "Abschiedsgeschichten"

Über Twitter meldete sich Capriles am Samstagabend ebenfalls zu Wort. "Einige Leute machen zu dieser Uhrzeit mit dem gleichen Unsinn weiter wie immer: die gleichen alten Geschichten, nur mit dem Unterschied, dass es jetzt Abschiedsgeschichten sind."

Anhänger des Oppositionskandidaten begannen kurz nach Chávez' Pressekonferenz mit einer Protestaktion gegen den Präsidenten. In mehreren Vierteln von Caracas, Valencia und Maracaibo schlugen sie mit Kochlöffeln auf Töpfe, um den Machtwechsel einzuläuten.

Der 58-jährige Präsident führt Venezuela seit seinem ersten Wahlsieg 1998 auf strammem Linkskurs. Er ist ein scharfer Kritiker der USA und unterstützt die Regierungen in Kuba, im Iran, Syrien und Weißrussland. Die Opposition befürchtet, dass die Wahl weder geheim noch fair verlaufen könnte. Tatsächlich hat die Regierung keine internationalen Wahlbeobachter eingeladen. Das Lager von Capriles will deshalb in jedem Wahllokal mitzählen. Trotz aller Unwägbarkeiten wird eine Wahlbeteiligung von mehr als 75 Prozent erwartet.

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