Abgeordnete gegen Bluttests

Hagen..  Für den Bundestag ist es eine Premiere. Noch nie seit der Wiedervereinigung 1990 haben sich Abgeordnete aller Fraktionen zu einer gemeinsamen Anfrage durchringen können. Doch diesmal haben auch fast zwei Dutzend Parlamentarier der Linkspartei unterschrieben und, genauso ungewöhnlich, mit Sozialministerin Nahles (SPD) auch ein Mitglied des Kabinetts.

Es geht um den Bluttest, mit dem sehr früh in einer Schwangerschaft eine Behinderung wie das Down-Syndrom erkannt werden kann. Die Kassen wollen ihn bald kostenlos anbieten. Eine klinische Studie ist bereits eingeleitet, um den „Nutzen“ des einst durch das Forschungsministerium mitfinanzierten Tests zu erproben. Er wird seit 2012 schon Privatpatienten angeboten und – nach Einzelfallentscheidungen – auch von gesetzlichen Kassen.

„Doch das wird jetzt ein Massenprodukt“, warnt der Lüner CDU-Abgeordnete Hüppe. „Das ist wie Ultraschall. Sie geben zwei Tropfen Blut ab, und kaum ein Kind mit Down-Syndrom wird mehr geboren.“

Erfahrungen in Dänemark

Genau diese Erfahrung habe Dänemark gemacht, stellen die 158 Abgeordneten im Vorwort zu den insgesamt 15 Fragen fest. Dort wird der Test seit 2005 allen Schwangeren angeboten, 84 Prozent nähmen es an. „Die Zahl der in Dänemark mit Down-Syndrom geborenen Kinder hat sich seither halbiert.“

Hüppe findet harte Worte für die geplante Routineuntersuchung: „Wir brauchen dringend eine breite gesellschaftliche Debatte. Der Bluttest befördert eine Art Selektion, bei der nicht geborene Kinder mit Behinderung aussortiert werden.“

Aus Südwestfalen haben die Abgeordneten Brase (Siegen, SPD), Klein (Siegen, CDU), Sensburg (Hochsauerland, CDU), Röspel (Hagen, SPD) und Schulte-Drüggelte (Soest, CDU) die Anfrage unterschrieben.

Der Test „könnte dazu führen, dass zukünftig deutlich weniger Kinder mit Down-Syndrom geboren werden“, sagt Klein. „Eltern, die sich gegen den Test oder wissentlich für ein behindertes Kind entscheiden, könnten künftig immer mehr in Erklärungsnöte geraten.“

Brase hat das Schreiben vor allem unterzeichnet, weil er weitere Information erhalten möchte: „Ich will das Thema im Sinne der Klärung vorantreiben.“ Kritik kommt von Sensburg: „Der medizinische Fortschritt wird dazu führen, dass wir vor der Geburt immer mehr Details über das ungeborene Leben herausbekommen können. Wenn wir aber jede Einzelheit wissen wollen, ist der Weg zur Auslese nicht mehr weit.“ Die anderen südwestfälischen Abgeordneten waren nicht zu erreichen.