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Ab 1. April höhere Strafzahlungen für Rüpel-Radler

27.03.2013 | 12:20 Uhr

Sie rasen bei Rot über die Ampel, preschen über den Gehweg und schneiden die Kurve: Rowdys unter den Radfahrern bringen sich und andere in Gefahr. Ab 1. April sollen sie dafür kräftiger als bisher zur Kasse gebeten werden - die Polizei verlangt für Fehlverhalten um fünf Euro höhere Bußgelder.

Berlin (dapd). Sie rasen bei Rot über die Ampel, preschen über den Gehweg und schneiden die Kurve: Rowdys unter den Radfahrern bringen sich und andere in Gefahr. Ab 1. April sollen sie dafür kräftiger als bisher zur Kasse gebeten werden - die Polizei verlangt für Fehlverhalten um fünf Euro höhere Bußgelder. Die Zweiradlobby vom Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Club (ADFC) begrüßt die Erhöhung, sieht deren Wirkung aber verpuffen. Dem schließen sich die drei großen Automobilclubs an: ADAC, AvD und ACE dringen vor allem auf mehr Polizeikontrollen.

Der ADFC-Vorsitzende Ulrich Syberg rechnet nicht mit mehr Sicherheit oder Abschreckung durch höhere Strafen: "Das Bewusstsein über die Gefahren ist bei Radfahrern längst nicht so ausgeprägt wie bei Autofahrern", analysiert Syberg im Interview der Nachrichtenagentur dapd. Autofahrer fühlten sich selbst häufig als die Gefährdenden, Radler dagegen sähen höchstens sich selbst gefährdet.

Für Syberg sind die Hauptprobleme nicht zu geringe Strafen, sondern die Psyche vieler Radler: "Ein Drittel der Radfahrer unterschätzt das Risiko beim Fahren auf der falschen Straßenseite." Dabei sei es sicherer, einen kurzen Umweg zu fahren oder vorsichtig die Straße zu überqueren.

Begünstigt wird das laut Syberg durch bauliche Probleme auf vielen Wegen und Kreuzungen. "Viele Straßen haben keine auf den Radverkehr abgestimmten Ampelschaltungen oder Wegweisung", sagte Syberg und forderte: "Die Infrastruktur vor Ort muss durchforstet werden. Sie muss dem wachsenden Radverkehr angepasst werden. Auf die Straßen gehören Radverkehrsstreifen."

Der ADFC-Vorsitzende forderte Politiker und Verkehrsplaner auf, gezielt zu schauen, "wo falsch gefahren wird und wo viele Unfälle passieren". Denn häufig liege das Problem in Dingen, wie einer Ampelschaltung, die Radfahrer benachteiligt. "Die Infrastruktur muss eindeutig gestaltet werden, damit der Radfahrer erst gar nicht die Gelegenheit bekommt, sich falsch zu verhalten."

Zu wenig Kontrollen auf den Straßen

Höhere Strafen lehnt Syberg nicht ab - sie würden jedoch mangels Polizisten auf den Straßen nur wenige Sünder treffen. "Kontrollen im Radverkehr erfordern viel Personal. Dafür wird es nie genug Polizisten in Deutschland geben."

Auch Verkehrsjurist Markus Schäpe vom ADAC kritisiert, dass auf rowdyhafte Radler zu wenig Druck gemacht wird. Dies schwäche die Wirkung höherer Bußgelder: "Ohne Kontrollen hilft die höchste Geldbuße nichts." Angesichts der geringen Kontrolldichte interessiere es Radler nicht, ob ihr Fehlverhalten nun 10 oder 15 Euro koste. Dabei sei vielen Rasern auf zwei Rädern nicht bewusst, dass sie etwa beim Überqueren einer Ampel bei Rot schnell Punkte in Flensburg kassierten.

Radler und Autofahrer machen sich das Leben schwer

Auch der Automobilclub von Deutschland (AvD) stimmt mit ein. Höhere Bußgelder steigerten nicht die Verkehrsmoral der Radler - dies gelinge nur durch schärfere Kontrollen. Der Sprecher des Auto Club Europa, Rainer Hillgärtner, sagte: "Rüpelhafte Radler müssen nicht besonders fürchten, dass ihnen die Polizei demnächst in die Speichen greift."

Hillgärtner sieht die Probleme nicht nur bei den "Pedaleros", sondern auch den Autofahrern. Mit Besserwisserei und Dominanzgehabe machten sich beide Seiten das Leben schwer. Während Radler das Recht der Straße oft gerne allein für sich hätten, attackierten Autofahrer die Radler - als "unterbelichtet, riskant, militant".

Bis zu 30 Euro für Radeln in der Fußgängerzone

Viele der Strafzahlungen für Radler sind auch im neuen Bußgeldkatalog in vier Stufen gestaffelt: Wer beispielsweise einen beschilderten Radweg nicht benutzt, muss künftig 20 statt bislang 15 Euro Strafe zahlen. Behindert er andere, kommen weitere 5 Euro hinzu. Gefährdet er andere, werden nochmals 5 Euro fällig. Sachbeschädigung lässt das Bußgeld um weitere 5 Euro auf künftig 35 Euro steigen.

Diese Staffelung gibt es auch bei anderen Rüpeleien: Benutzung des Radwegs oder Befahren einer Einbahnstraße in nicht zugelassener Richtung (jeweils 20 bis 35 Euro). Wer in einer Fußgängerzone oder auf dem Gehweg nicht vom Rad absteigt, muss 15 bis 30 Euro zahlen. Dieselbe Strafe droht Radlern, die trotz vorhandener "Schutzstreifenmarkierung" nicht auf der rechten Seite fahren. Diese Streifen sind spezielle Fahrspuren für Radfahrer und sind mit einer dünnen gestrichelten Linie am rechten Fahrbahnrand abgetrennt.

Keine oder eine nicht funktionierende Klingel kostet 15 Euro. Fehlt das Licht am Rad, kann eine Strafzahlung von 20 Euro verhängt werden.

Radfahrstreifen künftig den Radwegen gleichgestellt

Verbesserungen für Radfahrer verspricht sich der ADFC von einer Neuregelung in der Straßenverkehrsordnung, mit der die 1997 eingeführten Radfahrstreifen neben der Fahrbahn den Radwegen gleichgestellt. "Wenn Städte und Gemeinden die neue Straßenverkehrsordnung konsequent umsetzen, stärken sie den Radverkehr und machen ihn sicherer", erklärte Syberg.

"Das Vorurteil, die bisherigen Radwege seien für Radfahrer immer am sichersten, wird endlich ausgeräumt", sagte Syberg. "Sie sind auf diesen schmalen und oft völlig heruntergekommenen Wegen schlecht zu sehen, was vor allem an Kreuzungen und Einfahrten gefährlich ist."

dapd

dapd

Kommentare
28.03.2013
11:34
Ab 1. April höhere Strafzahlungen für Rentner
von Schorek | #2

Die Fahrradcouriere nach Berliner Vorbild, die gewinnmaximiertes Fahren auf Kosten ihrer Gesundheit praktizieren, gibt es bei uns im Revier kaum.

Die...
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Ab 1. April höhere Strafzahlungen für Rüpel-Radler
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2013-03-27 12:20
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