Aachener Karlspreis für Vollbluteuropäer Schulz

Aachen..  Peter Maffay wird singen, sieben Staatschefs haben sich angesagt, und die Feier steigt im altehrwürdigen Krönungssaal des Aachener Rathauses: Für den angemessenen Rahmen ist gesorgt, wenn EU-Parlamentspräsident Martin Schulz (59) an diesem Donnerstag den Karlspreis verliehen bekommt.

Die Minute, in der Schulz von seiner Auszeichnung erfuhr, soll einer der wenigen Momente der Sprachlosigkeit in seinem Leben gewesen sein, heißt es. Und so sieht die Karlspreis-Jury den Vollbluteuropäer: Einer der die Bürger und ihre Sorgen ernst nimmt, etwa in der Eurokrise. Der nach Griechenland, Portugal, Spanien, Italien und Irland fuhr, um mit den Menschen zu reden.

Ein Verfechter der Demokratie: Bei der Europawahl 2014 setzte sich der SPD-Politiker für europaweite Spitzenkandidaten der Parteien ein und damit für einen durch die Bevölkerung legitimierten EU-Kommissionschef. Die Aachener sehen darin einen historischen Meilenstein für die Demokratisierung der EU.

Zum zweiten Mal in der Geschichte des Karlspreises wird es keine richtige Laudatio geben. Mit Jordaniens König Abdullah ist ein Nicht-Europäer Festredner. Er soll den Blick weiten auf den Nahen Osten, eine Region, in der christlich-jüdisches Erbe auf islamisches Erbe prallt; eine Region auch, die durch die Zuwanderung syrischer Flüchtlinge über Europas Grenzen reicht. Vielleicht werde der König ja sagen, was die Menschen dort von Europa erwarten, meinte Karlspreis-Sprecher Linden.

Das deutsch-französische Verhältnis soll bei den Reden von Bundespräsident Joachim Gauck und dem französischen Staatspräsidenten François Hollande in den Blickpunkt rücken.