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72 Tote bei Anschlägen in Bagdad

01.02.2008 | 21:46 Uhr

Bagdad. Bei Bombenanschlägen auf zwei Marktplätze in Bagdad sind am Freitag nach Polizeiangaben 72 Menschen getötet und Dutzende weitere verletzt worden. In beiden Fällen waren die Täter Frauen.

Die Anschläge auf die Märkte von El Ghasil und El Dschadida seien offenbar abgesprochen gewesen, sagte ein Sprecher der US-Armee der Nachrichtenagentur AFP. Nach Angaben der irakischen Sicherheitskräfte wurden zwei geistig behinderte Frauen als Attentäterinnen missbraucht. Sie seien mit Sprengstoffgürteln auf die Märkte geschickt worden, wo die Sprengsätze dann ferngezündet wurden, sagte General Kasim Atta, Sprecher der Sicherheitskräfte in Bagdad. Eine der Attentäterinnen soll eine Ausländerin gewesen sein.

Auf dem beliebten Kleintiermarkt Ghasil im Zentrum der irakischen Hauptstadt sprengte sich Augenzeugen zufolge eine Attentäterin in die Luft, die sich zuvor als Kundin ausgeben hatte. Dabei starben 45 Menschen, mehr als 80 weitere wurden verletzt. Es war der schwerste Anschlag in Bagdad seit sechs Monaten.

Bei einem zweiten Anschlag auf einen Geflügelmarkt im Süden Bagdads wurden nach Polizeiangaben 27 Menschen getötet und fast 70 verletzt. Der Einsatz von Frauen bei Selbstmordanschlägen deutet nach Meinung von Beobachtern auf das Terrornetz El Kaida im Irak als Urheber der Anschläge hin.

Der Ghasil-Markt war im letzten Jahr mindestens drei Mal Ziel von Attentaten. Polizisten und Sicherheitskräfte luden dort nach dem Anschlag am Freitag Verwundete in Autos und auf Kleinlaster. Der Markt gehört zu den beliebtesten Treffpunkten Bagdads. Jeden Freitag strömen hunderte Menschen an die Stände. Die jüngste Attacke auf den Markt war ein schwerer Schlag für die Bewohner Bagdads, die sich angesichts einer insgesamt verbesserten Sicherheitslage allmählich wieder öfter auf die Straße trauten. Das US-Militär hat jedoch wiederholt gewarnt, ein erneutes Ansteigen der Gewalt im Irak sei weiterhin denkbar.

Seit Juni ist die Zahl der Anschläge im Irak um 60 Prozent zurückgegangen. Dies wird auf die Stationierung von 30 000 zusätzlichen US-Truppen im Juni und den verstärkten Einsatz irakischer Freiwilligen-Patrouillen zurückgeführt.

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