70 neue Sachbearbeiter für die Abwrackprämie
27.02.2009 | 13:31 Uhr 2009-02-27T13:31:00+0100
Berlin/Hannover. Die Abwrackprämie wird unerwartet gut angenommen. Das zuständige Bundesamt hat 70 neue Mitarbeiter zur Bearbeitung der Anträge eingestellt. Der Verkehrsclub Deutschland ermutigt derweil, die Prämie auch für's Rad zu beantragen und einige Politiker hegen Zweifel am Sinn der Aktion.
Die Abwrackprämie der Bundesregierung beschert der Autobranche in Deutschland einen Absatzboom. «Das Interesse an der Prämie übersteigt alle unsere Erwartungen», sagte der Sprecher des zuständigen Bundesamtes für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (Bafa), Michael Rostok, der «Berliner Zeitung» (Freitagausgabe). «Aktuell liegen bei uns inzwischen 133.608 Anträge für die Umweltprämie vor», sagte Rostok.
Verkauf von bis zu 600.000 Neuwagen durch Prämie möglich
Habe es in den ersten Tagen der seit 2. Februar gewährten Prämie rund 1.000 bis 2.000 Anträge gegeben, liege der Tageschnitt derzeit bei knapp 10.000, sagte er. «An Spitzentagen hatten wir auch schon bis zu 16.000 Anträge zu bearbeiten», sagte Rostok. «Auf Grund der Auftragsflut haben wir inzwischen 70 neue Mitarbeiter eingestellt.» Die vom Bund zur Verfügung gestellten 1,5 Milliarden Euro für die Verschrottungsprämie könnten maximal zum Verkauf von 600.000 Neuwagen führen.
Unterdessen streitet sich das Bafa mit dem Verkehrsclub Deutschland (VCD) über eine Protestaktion zur Abwrackprämie. Der VCD hat dem Blatt zufolge auch Fahrradfahrer dazu ermutigt, die 2.500-Euro-Prämie zu beantragen und dafür im Internet ein Formular bereitgestellt. Damit wollen die Umweltschützer gegen die aus ihrer Sicht falsche, einseitige Gewährung der staatlichen Gelder nur für Autofahrer protestieren.
Bundesamt reagiert genervt
Etwa 1.900 Fahrradfahrer sind dem Aufruf bislang gefolgt. Das Bundesamt fordere den VCD ultimativ auf, die Aktion zu beenden und drohe mit juristischen Schritten, schrieb das Blatt. VCD-Kommunikationsleiterin Nicole Knaup sagte dagegen, man rufe Fahrradfahrer weiter auf, die Verschrottungsprämie zu beantragen.
Die Abwrackprämie wird aber inzwischen nicht nur von Umweltschützern in Frage gestellt. Angesichts des großen Erfolges der Abwrackprämie regen sich in der Politik Zweifel an der Berechtigung von staatlich geförderter Kurzarbeit in der Autoindustrie. Der stellvertretende FDP-Bundestagsfraktionschef Rainer Brüderle, sagte der «Hannoverschen Allgemeinen Zeitung» (Freitagausgabe): «Lieferschwierigkeiten und Kurzarbeit passen nicht zusammen." Die Bundesregierung müsse aufpassen, dass sich ihre Einzelmaßnahmen wie Abwrackprämie und Kurzarbeitergeld nicht konterkarierten. Es dürfe nicht sein, dass Großkonzerne Steuergelder für Investitionen erhielten, die sie ohnehin geplant hätten.
Lieferzeiten verlängert
Unions-Haushaltsexperte Steffen Kampeter forderte, den Antrag des Autobauers Volkswagen auf Kurzarbeit genau zu prüfen. «Mitnahmeeffekte müssen wir ausschließen. Ich mache keinen Hehl daraus, dass eher die Zulieferer der Automobilindustrie im Fokus stehen sollten», sagte er.
Grünen-Arbeitsmarktexpertin Brigitte Pothmer sagte: «Bevor ein Unternehmen Kurzarbeit anmeldet, sollte es versuchen, die ungleichen Kapazitätsauslastungen im Betrieb auszugleichen. Schließlich bedeutet Kurzarbeit, dass Beschäftigte Lohneinbußen hinnehmen müssen.»
Wegen der durch die Abwrackprämie gestiegenen Nachfrage nach Neuwagen haben sich die Lieferzeiten für eine Reihe von Autotypen erheblich verlängert. Einige Autohersteller haben inzwischen einen Teil der geplanten Kurzarbeit wieder abgeblasen. (ddp)

02:00
Formular
https://www.vcd.org/mitmachen_rad.html
18:01
Welches Modell gekauft wird ist eigentlich egal, weil auch deutsche Autobauer im Ausland produzieren lassen.
In den nächsten Jahren wird die Autoindustrie sowieso am Boden liegen, denn vorläufig werden keine Autos mehr gekauft.
14:09
Toll - die Autobranche boomt. Alle die ein älteres Auto fahren und sich in absehbarer Zeit ein Neues kaufen wollten, ziehen dies jetzt vor. Nur, was ist im nächsten Jahr und später?
Der Fond für die Abwrackprämie ist schließlich befristet und gedeckelt. Hat sich schon mal jemand Gedanken darüber gemacht, dass der Markt bald gesättigt ist und dann erheblich weniger Autos verkauft werden?
So ist die Krise doch nur aufgeschoben. Die Pleiten kommen eben wenn der Geldtopf leer ist - und dann in verschärfter Form.
11:52
Da entstehen keine neuen 70 Stellen.
Es werden nur 70 Beamte Umgebettet....
10:54
@ 5: ein typisch deutscher kommentar. hinterher ist man immer schlauer, oder? vielleicht schellt morgen einer an ihrer tür und schenkt ihnen ein flachbildschirm, in dem ununterbrochen filme über die karibik gezeigt werden. :-)
10:42
Seh ich nicht anders... Ich bin Niedriglöhner und kann zu dem Preis für den ich noch vor 3 Monaten einen guten Gebrauchtwagen hätte kaufen können keinen einzigen brauchbaren Wagen mehr finden, von dem ich noch die einen oder anderen Jahre was haben könnte.
Das ist vor der Prämie noch anders gewesen.
Die sollten sich mehr um die Leute kümmern, die sich keinen Neuwagen leisten können ohne sich haushoch zu verschulden und denen ein wenig entgegen kommen, anstatt reiche immernoch reicher werden zu lassen.
Das System wird sich so auf Dauer sicherlich nicht halten.
10:16
Wie bei der Erhöhung des Kindergeldes !!! Die es wirklich brauchen (Hartz 4-Kinderarmut) denen wird es wieder voll vom Regelsatz abgezogen. Die Menschen, die wirklich alte Schrottkisten fahren und sich kein neues Auto seit Jahren leisten können, die können von dieser Möglichkeit der sog. Abwrackprämie (Hartz 4-Empfänger) keinen Gebrauch machen !!! Typisch SPD-Politik - für die Hartz 4-Hetzer und gegen die Unterschicht !!! Gleichberechtigung gibt es nicht in diesem Schweinesystem.
10:05
bei Anne Will hat unser neuer Finanzminister gesagt das seine familie von der abfrackprämie schon regen gebrauch gemacht hat dann wissen wir doch für wen die wirklich gemacht wurde nicht für den kleinen Mann sondern wie immer für die die eh schon alles haben
09:36
Ich finde prinzipell gut, dass Deutschland nicht dem Protektionismus verfällt, sondern die Prämie für alle Modelle aller Hersteller zahlt.
Aber ich finde die Prämie insgesamt sch***e.
Letztes Jahr habe ich mir einen Neuwagen gekauft und lange dafür gespart. Mein Nachbar war 14 Tage in der Karibik und hat sich nen Flachbild-TV gekauft. Alles schön und gut, jedem dass Seine. Aber das er nun circa 20% seines Neuwagens vom Staat geschenkt bekommt und mir keiner im Gegenzug Urlaub oder Flachbild-Tv (anteilig) finanziert geht mir auf die Nerven...
Die Autoindustrie, die es jahrelang geschafft hat Modelle am Bedarf des Kunden vorbei zu entwickeln wird dafür jetzt auch noch auf unser aller Kosten belohnt. Unglaublich...
08:51
@Wolle007
Die Bewerbungsfrist ist am 13.2. abgelaufen. Die Stellen waren unter www.bund.de zu finden.