40 Millionen Euro Entschädigung für DDR-Heimkinder

Für ehemalige DDR-Heimkinder wird ein Fonds über 40 Millionen Euro eingerichtet. Mit dem Geld sollen beispielsweise Medizin- und Pflegeleistungen finanziert werden.
Für ehemalige DDR-Heimkinder wird ein Fonds über 40 Millionen Euro eingerichtet. Mit dem Geld sollen beispielsweise Medizin- und Pflegeleistungen finanziert werden.
Foto: dapd
Was wir bereits wissen
Zur Entschädigung von DDR-Heimkinder wird ein Fonds über 40 Millionen Euro eingerichtet. Darauf hätten sich Bund und ostdeutsche Länder geeinigt, gab Thüringens Sozialministerin Heike Taubert bekannt. Anträge können ab Juli von den Betroffenen gestellt werden.

Erfurt.. Der Bund und die ostdeutschen Länder haben sich auf Eckpunkte zur Entschädigung von DDR-Heimkindern verständigt. Dazu werde ein Fonds über 40 Millionen Euro eingerichtet, sagte Thüringens Sozialministerin Heike Taubert (SPD) am Mittwoch in Erfurt. Dieser werde je zur Hälfte von Bund und Ländern finanziert und habe eine Laufzeit von fünf Jahren. Auf Thüringen entfallen knapp 3,3 Millionen Euro. Anträge können ab Juli gestellt werden.

Mit dem Geld sollen beispielsweise Medizin- und Pflegeleistungen finanziert werden. Dazu zählten etwa die psychologische Betreuung erlittener Traumatisierungen, aber auch erforderliche Behandlungen, etwa durch Vernachlässigungen der Zahngesundheit. Zudem können Heimbewohner Einmalzahlungen für ihre damalige Arbeitsleistung erhalten. Damit sollen die oftmals nicht gezahlten Sozialbeiträge abgegolten werden.

Beratung für Betroffene soll ausgebaut werden

In den Fonds soll je nach Bedarf jährlich eingezahlt werden. Eine der Schwierigkeiten in den Verhandlungen sei es etwa gewesen, sich auf die Ausstattung zu einigen, da anderes als beim Fonds für westdeutsche Heimkinder die Kirchen nach gegenwärtigem Stand nicht einzahlen werden, sagte Taubert.

In Thüringen soll zudem die Beratung für Betroffene ausgebaut werden. Derzeit sei dafür eine Stelle bei der Caritas eingeplant. Künftig sollen es drei sein. Taubert betonte, es sei wichtig, die Beratungsstellen unabhängig von den Anlaufstellen für SED-Opfer zu führen. Als erstes Bundesland hatte Thüringen Taubert zufolge im März 2010 eine entsprechende Stelle eingerichtet. Inzwischen hätten sich dort mehr als 500 Betroffene aus allen neuen Ländern gemeldet.

Etwa eine halbe Millionen DDR-Heimkinder

Taubert schätzte die Zahl der DDR-Heimkinder auf etwa 500.000. Allerdings werden nicht alle einen Antrag auf Zahlung stellen. Wegen der vielfach fehlenden Akten sei die Zahl der Kinderheime in der DDR nicht mehr vollständig zu ermitteln. Allein für Thüringen rechnet Taubert mit mindestens zehn sogenannten Jugendwerkhöfen für besonders auffällige 14- bis 18-jährige Jugendliche.

Am Montag soll in Berlin eine Studie zur Heimerziehung in der DDR vorgestellt werden. Sie beleuchtet die Struktur, das Heimsystem sowie die Erziehungspraxis. Dabei machte Taubert deutlich, dass es nicht in allen DDR-Heimen Unrecht gegeben habe. (dapd)