230 Millionen Kinder leben und leiden in Kriegsgebieten

Was wir bereits wissen
„Kinder zwischen den Fronten“, heißt der aktuelle Unicef-Bericht. Die Organisation bittet um Geld, um humanitäre Hilfe in Krisengebieten zu sichern.

Berlin.. Ihre Qualen sind unerträglich, die Grausamkeiten unfassbar. Ungezählte Mädchen und Jungen erleiden in den Kriegsgebieten dieser Welt täglich schlimmste Torturen. Sie werden verstümmelt, gefoltert, entführt, vergewaltigt, als Kindersoldaten zwangsrekrutiert, zur Flucht gezwungen – oder sie sterben gar.

Jedes zehnte Kind weltweit wächst aktuell in einem Kriegsgebiet auf – derzeit sind dies rund 230 Millionen Mädchen und Jungen. „Und die Zahl der betroffenen Kinder wird in den nächsten Jahren weiter ansteigen“, mahnte Unicef-Programmdirektor Ted Chaiban bei der Vorstellung des Reports „Kinder zwischen den Fronten“.

Mehr Geld für Hilfe nötig

„Wir erleben derzeit eine der schlimmsten Phasen von Konflikten seit Ende des Zweiten Weltkriegs“, so Chaiban. Deshalb sei es dringend erforderlich, die Rechte der Kinder in Kriegsgebieten zu verteidigen und deutlich mehr Geld für die humanitäre Hilfe, für die psychologische Betreuung und Bildung bereitzustellen.

Kinderhilfswerk Weltweit brauchen in diesem Jahr allein rund 62 Millionen Kinder in Krisengebieten dringend Nahrung, sauberes Wasser, medizinische Hilfe und Notschulen. Dafür seien mehr als drei Milliarden Dollar notwendig. Doch dieses Geld stehe trotz zahlreicher Spenden derzeit nicht zur Verfügung. Vielmehr musste sogar das World-Food- Programm der Vereinten Nationen aufgrund fehlender Zuschüsse seine Essensrationen an Jugendliche und Notleidende kürzen, sagte Entwicklungsminister Gerd Müller (CSU) und forderte die Weltgemeinschaft auf, ihre Zahlungszusagen einzuhalten.

„Für mich hat die Verbesserung der Lage der Kinder höchste Priorität“, so Müller. „Kinder sind unser höchstes Gut und zugleich befinden sie sich in größter Gefahr.“ Das Ministerium werde deshalb die Unterstützung für das Kinderhilfswerk Unicef und dessen Projekte in diesem Jahr weiter aufstocken. So werde der Kernbeitrag von 6,5 Millionen auf sieben Millionen Euro steigen. „Die Not und das Elend sind grenzenlos“, erklärte der Minister. Allein in Syrien und Irak seien in den vergangenen zwei Jahren 70.000 Babys in den Flüchtlingscamps geboren worden. „Ich selbst habe eine Mutter mit ihrem siebten Kind auf dem Arm erlebt, deren ältester 16-jähriger Sohn ohne Beine im Rollstuhl saß“, berichtete Müller weiter.

Versprechen sozialer Nähe

Unicef und andere Hilfswerke seien „die Rettung für das Überleben von vielen“. Um dies zu finanzieren, seien jedoch nicht nur staatliche Hilfen, sondern weiterhin auch Spenden und privates Engagement notwendig.

Syrien Am brutalsten werden die Kinderrechte laut Unicef in Bürgerkriegsgebieten wie im Irak, in Syrien, im Südsudan, der Zentralafrikanischen Republik sowie im Jemen missachtet. Allein in diesen fünf Ländern seien 21 Millionen Kinder in ihren entscheidenden Lebensjahren von Unsicherheit, Hass und Gewalt geprägt.

Insbesondere terroristische Gruppen wie der Islamische Staat (IS) oder Boko Haram in Nigeria missachteten bewusst die Prinzipien des humanitären Völkerrechts, um weltweit Schrecken zu verbreiten. Oft würden Heranwachsende als Selbstmordattentäter missbraucht. Und, so der Bericht: „Ideologien wie die des IS versprechen Abenteuer, soziale Nähe und das Gefühl, Grenzen überwinden zu können, die Jugendlichen im Alltag auferlegt werden.“