200 Verletzte und mehrere Tote bei Zugunfall in Philadelphia

Mit 160 Stundenkilometern flog der Zug aus dem Gleis. Der mögliche Präsidentschaftskandidat Donald Trump nutzte den Unfall für ein makaberes Wahlkampf-Statement.
Mit 160 Stundenkilometern flog der Zug aus dem Gleis. Der mögliche Präsidentschaftskandidat Donald Trump nutzte den Unfall für ein makaberes Wahlkampf-Statement.
Foto: dpa
Was wir bereits wissen
In den USA ist ein Zug vor Philadelphia entgleist, Waggons überschlugen sich, sieben Menschen starben. Offenbar war der Zug viel zu schnell unterwegs.

Washington.. Sieben Tote, über 200 Verletzte, darunter etliche mit schweren Verbrennungen, Knochenbrüchen oder Quetschungen und jede Menge Fragezeichen - das ist die vorläufige Bilanz eines der schwersten Zugunglücke der vergangenen Jahre an der Ostküste Amerikas.

Am Dienstagabend war der auf der Strecke Washington - New York mit 238 Fahrgästen und fünf Crew-Mitgliedern besetzte "Northeastern Regional 188" des Bahnkonzerns Amtrak gegen 21.30 Uhr bei Philadelphia entgleist. Sieben Waggons überschlugen sich, als der Zug in einer scharfen Linkskurve aus den Schienen getragen wurde und auf die Seite fiel.

Der erste Verdacht einiger Passagiere, die über zu hohe Geschwindigkeit kurz vor dem Crash klagten, sollte sich gestern bestätigen. Danach fuhr der Zug nach Auswertung der gefundenen „Black Box“ mit rund 160 km/h doppelt so schnell wie offiziell erlaubt. Erste Berichte der „Washington Post“ und der „New York Times“ wurden am Abend durch die staatliche Aufsichtsbehörde NTSB bestätigt.

Stand der Zugführer unter Drogen?

Der Zugführer, über dessen Identität noch nichts bekannt wurde, hat überlebt. Stand er unter Drogen? Ist er bei der Arbeit eingeschlafen oder krankheitsbedingt bewusstlos geworden? Fuhr er aus Leichtsinn oder gar aus Absicht zu schnell? Von seiner Vernehmung, Untersuchung und der Auswertung einer Videokamera in der Lok erhoffen sich die Ermittler, die auch aus Kreisen der Bundespolizei FBI kommen, nähere Hinweise. Bislang wird ein Verbrechen ausgeschlossen. Ein NTSB-Sprecher bestätigte, dass der betroffenen Streckenabschnitt keine technische Geschwindigkeits-Bremse aufweist, die einen Zug automatisch stoppt, wenn er zu schnell fährt.

Laut Polizei kann die Zahl der Toten noch steigen. Mehrere Zuggäste, die gebucht hatten, wurden gestern noch vermisst. Mindestens ein Waggon muss mit Hilfe von Kränen geborgen werden. Die Einsätzkräfte vermuten darin weitere Opfer.

An der Unfallstelle, „Frankford Junction“ genannt, starben 1943 bei einem ähnlichen Bahn-Unglück 79 Menschen. Philadelphias Bürgermeister Michael Nutter sprach bei einer Pressekonferenz von einem „verheerenden Bild“. Einige Zugteile seien förmlich „zerrissen“ worden. Überlebende, darunter viele Medienvertreter und Politiker, berichteten von „Panik, Chaos und Todesangst“. Der ehemalige Kongressabgeordnete Patrick Murphy twitterte Fotos vom Rettungseinsatz: „Betet für alle, die verletzt wurden.“

Empörung über Donald Trump

Präsident Barack Obama und Vizepräsident Joe Biden sprachen den Angehörigen der Opfer ihr Beileid aus. Mit Empörung wurde dagegen die Reaktion des möglichen republikanischen Präsidentschaftskandidaten Donald Trump aufgenommen. Der Baulöwe führt das Unglück auf die schlechte staatliche Infra-Struktur zurück und empfahl sich für 2016. „Ich bin der Einzige, der das regeln kann.“ New Yorks Bürgermeister Bill de Blasio warnte vor Kurzschlusshandlungen. Allerdings müsse das Unglück als "Weckruf" verstanden werden, die sensiblen Verkehrsadern im Land - Schienen, Straßen, Brücken - erneut auf ihren sattsam bekannten Instandhaltungsbedarf hin zu untersuchen.

Weil die Unfallstelle nur mit schwerem Gerät freigelegt werden kann, was Tage dauern wird, hat Amtrak den Verkehr auf der vielbefahrenen Strecke bis auf weiteres eingestellt. Tausende Pendler müssen sich nach Alternativen umsehen.