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20 Jahre Tafeln - Kritiker fordern die Abschaffung

22.02.2013 | 11:35 Uhr
20 Jahre Tafeln - Kritiker fordern die Abschaffung
Vor 20 Jahren wurde in Berlin die erste Tafel gegründet. Mittlerweile gibt es alleine in NRW 163. Das Archiv-Foto die Lebensmittelausgabe Oberlandwehr der Dortmunder Tafel.Foto: Archiv/Knut Vahlensieck

Voerde/Dinslaken/Wesel.   Als 1993 in Berlin die erste Tafel in Deutschland ins Leben gerufen wurde, wollte sie Nothilfe für Obdachlose sein. Heute sind Tafeln bundesweit zu Organisationen mit örtlichem Gebietsschutz gewachsen. Ein Fall am Niederrhein zeugt vom Konkurrenzkampf. Kritiker fordern: "20 Jahre Tafel sind genug!"

Das kalte Wetter derzeit ist für Karlheinz Eichers ideal. Der Balkon seiner Dreizimmer-Wohnung in Voerde-Friedrichsfeld ist seit bald vier Wochen Lebensmittellager. Immer öfter klingelt es bei Eichers an der Tür. Denn Eichers Wohnung ist jetzt Anlaufstelle für Bedürftige, an der man sich mit kostenlosen Lebensmitteln versorgen kann. Es ist die erste derartige Einrichtung in Voerde. "Fair-Teiler" hat Eichers das Projekt genannt, für das sich knapp zwei Dutzend Menschen zum Verein "Bürger helfen Bürger Voerde e.V." (BHB) vor Ort zusammengefunden haben. Eigentlich hätte Eichers, der mit seiner sechsköpfigen Familie selbst von Hartz IV lebt, den Verein gerne dem "Tafel"-Verbund angeschlossen. Aber das lehnen die Tafeln im Kreis Wesel ab.

Seit 20 Jahren gibt es Tafeln in Deutschland. Die erste wurde am 22. Februar 1993 in Berlin eröffnet. Die Idee: "Einwandfreie aber den Gesetzen der Marktlogik nach unverkäufliche Lebensmittel werden von Freiwilligen eingesammelt und an bedürftige Menschen verteilt", heißt es beim Bundesverband deutsche Tafel. Die Berliner Tafel hatte damals Wohnungslose im Blick. Heute gibt es bundesweit 906 Tafeln. Insgesamt engagieren sich dort mehr als 50.000 Menschen ehrenamtlich. Es gibt sogar Kinder- und Tier-Tafeln .

Tafeln sind wie Wirtschaftsbetriebe geworden

Tafeln haben sich zu einer Organisation entwickelt, die sich von Wirtschaftsunternehmen kaum mehr unterscheidet; notgedrungen, sagen Macher wie Horst Maiß, Vorsitzender der Tafel in Wesel. Um eine Tafel zu organisieren, "braucht man kaufmännische Kenntnisse und Fähigkeiten", vom Umgang mit dem Finanzamt bis hin zur Personalplanung. Und nicht nur das, sagt Maiß. Die Weseler Tafel gibt es seit fast 15 Jahren, sie versorgt zurzeit 380 Familien mit 750 Angehörigen und verteilt pro Woche etwa 2,3 Tonnen Lebensmittel. Die müssen geworben, organisiert, ausgesucht, abgeholt, gelagert und verteilt werden. "Ein großer Aufwand" - für eine gute Sache, wie Maiß überzeugt ist.

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Die Vereinsgründung in Voerde Ende vergangenen Jahres empfand Maiß "als Konkurrenz", obwohl auch der BHB etwas gegen den "Irrsinn Vernichtung", wie es auf dessen Vereinswebsite heißt, unternehmen und Bedürftigen helfen will. "Dadurch fallen für uns Geschäfte weg", beklagt jedoch Maiß. Ohnehin sei es immer schwerer, Lebensmittelspenden zu bekommen. Zusammen mit Heinz Fischer, Vorsitzender der Dinslakener Tafel, sprachen sie sich deshalb gegen die Gründung einer Voerder Tafel aus, die Karlheinz Eichers zuvor beim Bundesverband Deutsche Tafel in Berlin beantragt hatte. Als Antwort teilte man ihm nach Rücksprache vor Ort mit: "Eine Lücke in der Versorgung von Hilfesuchenden durch die Tafel ist in Voerde nicht erkennbar". Karlheinz Eichers ist anderer Ansicht.

Kommentare
24.03.2013
12:19
Ich fordere die Abschaffung der Armut
von derZWITSCH | #15

Zu Weihnachten sahen wir den Kandidaten der SPD in teurem Seidenhalstuch dort die Dinge an Bedürftige verteilen: Ein Symbol der Lage. Hier sind...
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http://www.derwesten.de/politik/20-jahre-tafeln-kritiker-fordern-die-abschaffung-id7643728.html
2013-02-22 11:35
Tafeln,Armut,Hartz IV,Soziales Engagement
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