„20 000 Varianten in der Realität“

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Was wir bereits wissen
Nicht immer ist der Lehrermangel der Grund für Lücken im Schüleralltag. Selbst voll besetzte Kollegien helfen nicht bei einem Sturm wie Ela oder einer Grippe-Epidemie.

Zu knapp besetzte Kollegien sind der Hauptklagegrund, besonders von Eltern, wenn es um Unterrichtsausfälle geht. Im wahren Schulleben gibt es viele Ursachen, warum unzählige Stunden nicht ­erteilt werden können.

Den größten Ausfall der letzten ­Jahre erzeugte die wilde Natur: Hunderte von Schulen blieben nach dem letztjährigen Pfingststurm Ela geschlossen.

Der vielleicht ­ungewöhnlichste Fall war bedingt durch eine unglückliche Verkettung verschiedener Ereignisse: 15 von 20 Grundschülern der Klasse 2b in der Steinhammer Grundschule in ­Dortmund drohte im Sommer die kollektive Nichtversetzung, nachdem durch Krankheit, Schwangerschaft und Scharlach mehr als 50 Prozent des Unterrichts ausgefallen waren.

Nichts hilft gegen die Grippewelle

„Es gibt 20 000 Varianten in der Realität“, sagte Schulleiter Norbert Hoffmann zu dem Vorstoß in Herne, Ausfälle zu melden. Im Vorjahr seien an seiner Erich-Fried-Gesamtschule fünf Lehrer auf einen Schlag ausgefallen, „und in so einem Fall hilft uns eine statistische Erhebung auch nicht weiter“. Die Otto-Pankok-Schule in Mülheim musste außerplanmäßig eine Woche für Renovierungsarbeiten geschlossen werden. Nichts hilft auch gegen die Grippewelle. Die Dortmunder Max-Born-Realschule bleibt deshalb geschlossen. Die Hälfte der Schüler und Lehrer ist erkrankt.

Um „echten“ Lehrermangel mit System geht es dagegen in dem Brandbrief, den die Direktoren der Oberhausener Gymnasien vergangene Woche geschrieben haben. Ihnen fehlen jetzt die jeweils neun Wochenstunden von 38 Referendaren, die sich im zweiten Schulhalbjahr ab Februar auf ihre Prüfungen vorbereiten statt zu unterrichten. Der Grund für die Ausfälle : Das Referendariat ist um ein halbes Jahr verkürzt.