100 Prominente fordern 30-Stunden-Woche bei vollem Lohnausgleich
11.02.2013 | 08:58 Uhr 2013-02-11T08:58:00+0100
Berlin. In einem offenen Brief, der am Montag veröffentlicht wurde, fordern Wissenschaftler, Politiker, Gewerkschafter und Publizisten eine Debatte über Arbeitszeitverkürzung, um die Massenarbeitslosigkeit in Europa zu bekämpfen.
Um die Massenarbeitslosigkeit in Deutschland und Europa zu bekämpfen, fordern über 100 Wissenschaftler, Politiker und Gewerkschafter in einem offenen Brief eine 30-Stunden-Woche bei vollem Lohnausgleich. Unterzeichnet haben das Schreiben unter anderem Katja Kipping und Sahra Wagenknecht von der Linkspartei oder der Sozialphilosoph Oskar Negt. Sie wenden sich an die Vorstände der Gewerkschaften, Parteien, Sozial- und Umweltverbände sowie die Kirchenleitungen in Deutschland.
„Das sind die entscheidenden Stellen, die dafür sorgen können, dass die Arbeit verknappt wird. Sonst kommen wir aus dem Tal der Massenarbeitslosigkeit nicht heraus“, sagte Heinz-Josef Bontrup, Professor für Wirtschaftsrecht an der Westfälischen Hochschule Gelsenkirchen im Gespräch mit dieser Zeitung . Bontrup ist Mitinitiator des Briefs.
"Drei Millionen Beschäftigte können von ihrer Arbeit nicht leben und sterben"
Arbeitszeitverkürzung sei keine rein tarifpolitische Angelegenheit mehr, sondern müsse als gesamtgesellschaftliches Projekt wahrgenommen werden: „Neben den offiziell etwas über drei Millionen Arbeitslosen gibt es drei Millionen Beschäftigte in Teilzeit und prekären Verhältnissen, die im Schnitt 14,7 Stunden in der Woche arbeiten und davon nicht leben und sterben können. Wer sagt, dass in Deutschland nahezu Vollbeschäftigung herrscht, lügt“, führte Bontrup aus.
Eine 30-Stunden-Woche bei vollem Lohnausgleich in Deutschland, das fordert die Arbeitsgruppe Alternative Wirtschaftspolitik bei der Vorstellung des „Gegengutachtens“ zu den regierungsnahen „Fünf Weisen“ in Berlin.
In dem Schreiben, das dieser Zeitung vorliegt, heißt es, dass „ein Überangebot an den Arbeitsmärkten zu Lohnverfall führt“. Angesichts steigender Arbeitslosigkeit in Europa gelte es aber zu verhindern, „weiterhin die Krisenlasten der lohnabhängigen Bevölkerungsmehrheit aufzubürden“. Eine Arbeitszeitverkürzung sollte aus Sicht der Unterzeichner gestreckt über mehrere Jahre erfolgen. Um Lohnverlust zu vermeiden, sollten Preis- und Produktivitätssteigerung den Beschäftigten zugute kommen.
Nach Meinung der Autoren würde sich die Reduzierung der Wochenarbeitszeit auch für Familien positiv auswirken, Stresserkrankungen wie Burnout könnten verringert werden.
Wirtschaftsexperten kritisieren Entwurf
Aus Sicht von Jochen Kluve, Arbeitsmarktexperte beim Essener Rheinisch-Westfälischen Wirtschaftsinstitut (RWI), ist der dem Schreiben zugrunde liegende Ansatz falsch: „Es gibt keine fixe Menge an Arbeit, die nur effizient verteilt werden muss, so dass jeder beschäftigt ist.“ Arbeit sei dynamisch und abhängig von der Situation der Unternehmen und der Qualifikation der Arbeitnehmern.
Durch hohe Tarifabschlüsse haben Arbeitnehmer in diesem Jahr in Deutschland 39 Milliarden Euro mehr als 2011 verdient. Das geht aus aktuellen Berechnungen der Hans-Böckler-Stiftung hervor. Auch gewinnt die Debatte um höhere Lohnabschlüsse für 2013 an Fahrt. Experten fordern ein Ende der...
Auch vom Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) kommt Kritik. Konjunkturexperte Karl Brenke hält das Instrument der Arbeitszeitverkürzung für ungeeignet, um gegen Arbeitslosigkeit vorzugehen. „Das würde zu einer weiteren Rationalisierung bei einfachen Jobs führen. Menschen mit geringer Qualifikation wäre so nicht geholfen.“ Wer dazu beitragen wolle, dass die Beschäftigten von ihrer Arbeit auch leben können, müsse eine Debatte über Lohnerhöhungen anstoßen. „Die Gehälter haben sich in Deutschland in den vergangenen zehn Jahren im europäischen Vergleich eher unterdurchschnittlich entwickelt.“

19:13
Ein Witz! Manche haben es immer noch nicht kapiert dass Firmen mit einem hohen Automatisierungsgrad eher in der Lage sind eine Arbeitszeitverkürzung zu verkraften als Firmen ohne diesen. In vielen Betrieben ist nicht einmal die 35 Stunden Woche möglich weil diese Firmen sonst nicht mehr wettbewerbsfähig sind. Wenn sich Überstunden im Rahmen halten und die Mitarbeiter ordentlich entlohnt werden dann spricht auch nichts dagegen 40 Stunden in der Woche zu arbeiten.
15:58
Die Lohnstückkosten in der deutschen Industrie sind um insgesamt 14 % zurückgegangen. Lediglich Taiwan und Japan verzeichneten in diesem Zeitraum ein deutlicheres Minus, berichtet das Institut der deutschen Wirtschaft IW Köln.
Zu diesem erfreulichen Ergebnis hätten beide Komponenten der Lohnstückkosten beigetragen:
· Die Arbeitskosten je Stunde stiegen in der hiesigen Industrie seit der Jahrtausendwende im jährlichen Schnitt um 2,2 %, im Ausland um durchschnittlich 3,6 %.
· Die Produktivitätsdynamik zwischen Rügen und Schwarzwald konnte sich sehen lassen – seit dem Jahr 2000 wurden je Arbeitsstunde im Jahresschnitt 4,3 % mehr Güter hergestellt. Zwar schnitten fünf Länder besser ab, im Mittel erreichte das Ausland aber nur einen Zuwachs von jährlich 3,5 %.
15:53
Wir leben tatsäachlich auf keiner einsamen Insel
Wir werden aber auch nie in einen Wettbewerb mit Osteuropa oder Asien trete können, was Preise und Löhne angeht.
Wir können natürlich so weiter machen wie bisher
Wir können uns vielleicht auch noch mehr dem "Wirtschaftssystem" der USA anpassen
Obwohl - halt - die haben wir doch bei der Wettbewerbsfähigkeit überholt
Aeber welche Länder stehen da noch gleich vor uns.................?
15:25
Nochmal um es eventuell auch wkah verständlich zu machen.
Ein solches Hirngespinst wie es diese 100 "Prominente" fordern, ist nur unter einer Planwirtschaft erreichbar.
Mal nach googlen wie man eine solche erreicht, bzw. wo diese existiert(e).
In Deutschland ist eine Planwirtschaft durchaus möglich, Voraussetzung dazu:
1. Schließung aller Grenzen (am besten durch einen Mauerbau)
2. Ein- und Ausreiseverbot in Staaten mit anderem Wirtschaftsystem
3. Im- und Exportverbot aller Waren
4. Unabhängige eigenständige Währung
und wenn ich mir weiter über diesen Unsinn gedanken mache fallen mir noch hunderte weitere "erfreuliche Nebenwirkungen" ein.
Nochmal kurz: Deutschland ist keine einsame Insel, wir leben nunmal mit der Globalisierung.
11:23
wir können natürlich immer so weiter machen:
Die Produktivität steigt
Die Kosten für die Herstellung von Produkten sinken
Die Unternehmergewinne steigen
Die Automation nimmt zu
Und wir hören weiterhin auf die richtigen Leute, die uns erzählen:
"Lohnerhöhung geht gar nicht - wir dürfen die zarte Pflanze des Aufschwungs nicht schädigen"
Oder Sätze die so ähnlich klingen
Nur genau das klappt seit über 20 Jahren nicht - weit und breit keine Vollbeschäftigung - weit davon weg
schon wieder einen Schritt näher!
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Ich würde das als Lob sehen:-)
11:08
Schöne linke Traumwelt: 30 Stunden die Woche und wenn ich keinen Bock mehr habe, gibts eben das bedingungslose Grundeinkommen! Wer will das nicht?
Leider nur sieht die Realität anders aus und jeder Unternehmer, oder jeder, der nur über minimalste wirtschaftliche Grundkenntnisse verfügt, kippt vor Lachen vom Stuhl!
06:34
Ich schließe mich den folgenden Aussagen voll inhaltlich an. Wer etwas anderes glaubt hat von "Wirtschaft" wenig bis keine Ahnung:
"Eine 30-Stunden-Woche bei vollem Lohnausgleich hält auch Heiner Flassbeck, Direktor der Uno-Organisation für Welthandel und Entwicklung (Unctad), für unrealistisch: "Das wäre wie das Paradies mit den gebratenen Tauben." Der in dem offenen Brief beschriebene Mechanismus zum Lohnausgleich funktioniere nicht:
"Das Wort Lohnausgleich hat man erfunden, um Gewerkschaftsmitglieder milde zu stimmen", sagt Flassbeck. Damit der Ausgleich funktioniert, müsste nämlich die Arbeitsproduktivität der Angestellten im selben Maße wie ihr Lohn steigen, was bei einer Arbeitszeitverkürzung auf 30 Stunden pro Woche unmöglich wäre. "
:-)
01:11
@kwah
Genau Denkanstöße, jetzt denken Sie mal ganz genau nach, in Deutschland gibt es momentan rund 41 Millionen Erwerbstätige, davon arbeiten ca. 750.000 in Ihrer Automobilindustrie (wohl deutlich weniger als jeder Dritte).
Unter dieser Prämisse sollten Sie eventuell noch überlegen in welchen Branchen die restlichen 40 Millionen Menschen arbeiten.
Denn jeder Zweite arbeitet entweder bei Kleinunternehmen oder im Mittelstand und dort funktionieren IHRE Automobilvorstellungen nicht.
Wenn sie noch immer davon überzeugt sein sollten, fahren Sie nach Bochum und reden mal auf diese Art und Weise mit den Opelleuten, viel Vergnügen.
1. habe ich nicht geschrieben, jeder 3. Arbeitsplatz ist in der Automobilindustrie - sondern jeder 3. Arbeitsplatz hängt von der Automobilindustrie ab.
Sollte auch dieser Wert nicjht stimmen - bitte beim Bundesamt für Statistik beschweren.
2. kann sogar ich nachvollziehen - dieses Modell lässt sich nicht auf die Pommes-Bude um die Ecke umsetzen.
Daher nochmals - DENKANSTÖSSE
23:08
zeigt, dass die 30-Stunden Woche wohl nicht erstrebenswert war (Stichtag 1.1.2005):
"Im Haustarifvertrag sind folgende Arbeitszeiten
festgeschrieben:
für Beschäftigte, die ab dem 01.01.2005 bei VW eingestellIt wurden, gilt die 35-Stunden-Woche
für Beschäftigte, die vor dem 01.01.2005 bei VW eingestellt wurden, gilt ein Korridor von Arbeitszeiten:
- im indirekten Bereich von 26 bis 34 Stunden in der Woche,
- im direkten Bereich von 25 bis 33 Stunden in der Woche.
für Beschäftigte des „Tarif Plus“-Tarifvertrages gilt die 40-Stunden-Woche"
sind aber zumindest DENKANSTÖSSE - schon mal gehört?
Hat bei VW nicht funktioniert - Punkt.
Sie können natürlich dieses immer wieder durchkauen - wird dadurch nicht besser.
Wiederkauen ist gut für Rindviecher. ;-)
22:07
Man darf sich auch gerne das Stundenmodell bei VW ansehen
Die sind - soweit ich weiß - noch nicht pleite