Zwölfter Patient stirbt nach Keimausbruch in Uniklinik Kiel

Kiel..  Nach bislang zwölf toten Patienten im Zuge des Keimausbruchs in der Uniklinik Kiel wächst der Druck auf die Verantwortlichen. Experten vermuten Hygienefehler; Gewerkschafter sehen Personal- und Zeitmangel als Ursachen. Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe (CDU) reagiert: Ab Sommer müssen deutsche Kliniken jeden resistenten Erreger einzeln melden – nicht erst gehäufte Ausbrüche wie den in Kiel. Gröhe prüft zudem verpflichtende Keimtests vor der Klinikaufnahme.

In Kiel kämpfen seit Montag auch Mediziner aus Frankfurt gegen den Erreger Acinetobacter baumanii. Der verbreitet sich rasant. Stand gestern: Mindestens 31 Patienten fingen sich den Keim seit Mitte Dezember ein. Bei neun der zwölf Opfer sei das Bakterium nicht die Todesursache gewesen, sagt die Klinik.

Experten sind sich da nicht so sicher. „Die Aussage muss man relativieren, solange nicht klar ist, welche Organe infiziert waren“, sagt Prof. Klaus-Dieter Zastrow, Vorsitzender des Berufsverbandes Deutscher Hygieniker. Eine Lungenentzündung oder Blutvergiftung, die der Keim auslösen könne, „würden zumindest mittelbar zum Tod beitragen“. Die Aussage der Kieler Uniklinik, der Keim sei äußerst selten und aus der Türkei nach Deutschland gelangt, lässt Zastrow nicht gelten: „Das ist Unsinn. Acinetobacter baumannii ist seit 30 Jahren bekannt und steht auf der Hitliste der gefährlichen Krankenhauskeime auf Platz sechs.“

Die Gewerkschaft Verdi sagt, die tragische Entwicklung sei nicht so überraschend wie die Klinikleitung sie darstelle. Auf Personalversammlungen seien dramatische Arbeitsüberlastungen dargelegt worden. Allein 2013 habe das Pflegepersonal 1864 Gefährdungsanzeigen gestellt, wegen unzumutbarer Belastungen. Bei dieser Arbeitsdichte seien Hygieneverstöße nahezu unvermeidbar.