Zweiter „Helen Dorn“-Krimi endet mit verblüffender Auflösung

Können die Schauspieler Anna Loos und Matthias Matschke an den Erfolg des ersten "Helen Dorn"-Krimis anknüpfen?
Können die Schauspieler Anna Loos und Matthias Matschke an den Erfolg des ersten "Helen Dorn"-Krimis anknüpfen?
Foto: dpa
Was wir bereits wissen
Die Erwartungen sind hoch. Den Start der Düsseldorfer LKA-Ermittlerin Helen Dorn im ZDF sahen acht Millionen Zuschauer. Kann der zweite Fall halten, was der erste versprach? Die Voraussetzungen sind gut. Die Regisseure Vattrodt und Geschonnek gelten als Erfolgsduo der Branche.

Mainz/Düsseldorf.. Ein Kind ist verschwunden. Am helllichten Tag. Gerade noch lag Mia friedlich schlafend auf dem Sofa, nun ist sie weg. Sagen zumindest ihre ältere Schwester Sarah (Jella Haase) und deren Freundin Juliane (Emilia Schüle). Und weil Mia nicht irgendein Kind ist, sondern die Tochter des ebenso reichen wie unbeliebten Unternehmers Hans Thomsen (Herbert Knaup), wird das LKA eingeschaltet. Was bedeutet: „Helen Dorn“ (Anna Loos) löst ihren zweiten Fall: „Unter Kontrolle“ (Sa., ZDF, 20.15 Uhr) .

Der Auftakt der neuen Krimireihe des Zweiten hat im März mit rund acht Millionen Zuschauern an „Tatort“-Quoten gekratzt. Zumindest auf dem Papier kann „Unter Kontrolle“ aber in ähnliche Dimensionen vorstoßen. Da steht nämlich bei Buch der Name Magnus Vattrodt und bei Regie der Name Matti Geschonnek.

Der Welt der Reichen in kühlen Bildern

Weil die vielen Zuschauern nichts sagen, seien die beiden hier mal mit Jürgen Klopp und Pep Guardiola verglichen. Spitzenkräfte der Branche sind sie, spielen aber – anders als die Kollegen vom Fußball – meist im gleichen Team und haben dafür schon diverse Preise bekommen. Vor der Kamera stehen neben Anna Loos und Matthias Matschke auch Barbara Auer und Herbert Knaup. Viel mehr geht nicht bei einem Samstagabend-Krimi.

ZDF In vielen Belangen kann der Film dann auch halten, was die großen Namen versprechen. Geschonnek präsentiert die Welt der Reichen in kühlen, grauen Bildern und mit düsterer, aber stets passender Musik. Es gibt keine bunten Farben, keine Orte der Gemütlichkeit, an denen sich seine Protagonisten wohlfühlen können. Aber das wollen sie wohl auch gar nicht. Verzweifelt versuchen sie in ihren Schöner-Wohnen-Häusern ihre Gefühle zurück zu halten, eben alles „Unter Kontrolle“ zu haben.

Keine rheinischen Frohnaturen

Das Duo Loos/Matschke, das weiß man mittlerweile, legt seine Figuren Dorn/Georgi erneut nicht gerade als rheinische Frohnaturen an. Ihr zweiter Fall macht es den LKA-Ermittlern aber auch nicht leicht. Im Nacken haben sie ihre Vorgesetzten, die „diskrete Ermittlungen“, aber „schnelle Ergebnisse“ fordern und vor der Nase immer neue Verdächtige.

Da gibt es den Pädophilen in der Nachbarschaft, den für falsche Anlagetipps auf Rache sinnenden Hartz-IV-Empfänger oder den zwielichtigen holländischen Geschäftspartner (Schimanski-„Hänschen“ Chiem van Houweninge).Um nur ein paar zu nennen. Und die auf den ersten Blick so heile Welt des Unternehmers und seiner Frau (Barbara ­Auer) bekommt auch schnell mehr Risse als eine Windschutzscheibe nach einem Steinschlag.

Zwischen Krimi und Familiendrama

Dennoch verliert man als Zuschauer nie den Überblick bei den Ermittlungen, die übrigens meist von Gregor Georgi vorangetrieben werden. Matschke spielt ihn so hervorragend, dass man nicht eine Sekunde an Pastewkas einfältigen Halbbruder denkt, als den ihn die meisten deutschen TV-Zuschauer kennen gelernt haben.

Die Auflösung des Falls ist verblüffend. Aber sie zeigt auch die einzige Schwäche dieses Films. Er kann sich nicht entscheiden, ob er Krimi oder ein mit Gesellschaftskritik gewürztes Familiendrama sein will. So richtig ist er dann beides nicht. Nicht mörderisch spannend, nicht wirklich kritisch. Aber trotzdem keine Sekunde langweilig.