Zwei Tote bei Amoklauf in Franken – Täter gefasst

Aus diesem Mercedes heraus hat der mutmaßliche Amokläufer zwei Menschen erschossen und mindestens eine weitere Person versucht zu erschießen.
Aus diesem Mercedes heraus hat der mutmaßliche Amokläufer zwei Menschen erschossen und mindestens eine weitere Person versucht zu erschießen.
Foto: dpa
Was wir bereits wissen
Im fränkischen Landkreis Ansbach hat es am Freitagvormittag einen Amoklauf gegeben. Der Täter zeigt laut Polizei wohl psychische Auffälligkeiten.

Ansbach. Ein Amokläufer hat in Mittelfranken mindestens zwei Menschen getötet, darunter eine 82 Jahre alte Frau. Anschließend flüchtete der Verdächtige rund 30 Kilometer weit in einem Auto, bis die Polizei ihn an einer Tankstelle festnehmen konnte.

In Tiefenthal, einem Ortsteil der Gemeinde Leutershausen im Landkreis Ansbach, erschoss der Mann nach Angaben der Ermittler aus seinem Auto heraus die 82-jährige Frau. Er soll sie davor angesprochen haben. Kurz darauf tötete er einen Fahrradfahrer (72) im fünf Kilometer entfernten Ortsteil Rammersdorf - auch hier starb das Opfer noch am Tatort.

Amokläufer wurde in Tankstelle von Mechanikern überwältigt

Außerdem soll er einen Landwirt und einen weiteren Autofahrer beschossen oder zumindest bedroht haben. "Nach ersten Erkenntnissen blieben beide allerdings unverletzt", hieß es. Die Hintergründe für die Taten waren zunächst völlig unklar. Zum Motiv und zum Alter des mutmaßlichen Täters konnte ein Polizeisprecher keine gesicherten Angaben machen.

Der Verdächtige flüchtete nach den Taten gegen 10 Uhr zunächst mit einem silbernen Cabrio mit Ansbacher Kennzeichen. Die Polizei startete daraufhin eine Großfahndung und rief die Bevölkerung auf, bei Hinweisen sofort den Notruf zu wählen: "Der Fahrer ist bewaffnet und macht rücksichtslos von der Schusswaffe Gebrauch", erklärten die Fahnder.

Kurze vor der Mittagszeit wurde der Gesuchte dann bei Bad Windsheim festgenommen. Bis zu diesem Zeitpunkt war der mutmaßliche Amokläufer nach den Morden noch rund 30 Kilometer mit dem Auto gefahren und hatte unterwegs einen Tankstellen-Mitarbeiter in Bad Windsheim mit der Pistole bedroht. Als er die Waffe kurz auf dem Tresen abgelegt habe, habe eine Mitarbeiterin die Chance genutzt und die Waffe an sich genommen. Daraufhin hätten zwei Mechaniker den Mann überwältigt.

Amokläufer offenbar psychisch gestört

In einer Pressekonferenz hieß es am Nachmittag, nach jetzigem Ermittlungsstand gebe es keine Beziehung zwischen Täter und Opfer, sagte Bayerns Innenminister Joachim Herrmann. "Es ist daher von einem Amoklauf auszugehen." Der Täter sei an einer Tankstelle in Bad Windsheim überwältigt worden. Herrmann dankte dem Tankstellenpersonal für sein beherztes Eingreifen.

Der mutmaßliche Täter zeigte nach seiner Festnahme psychische Auffälligkeiten, wie der Leitende Oberstaatsanwalt Gerhard Neuhof sagte. Die Behörde habe daher einen psychiatrischen Sachverständigen eingeschaltet. Dieser solle entscheiden, ob der Tatverdächtige in die Psychiatrie oder in Untersuchungshaft kommt.

Die bisherigen Ermittlungen der Polizei hätten ergeben, dass der mutmaßliche Amokläufer einen Revolver und eine Pistole besessen habe, für die er einen Waffenschein gehabt habe. Im Fluchtfahrzeug soll eine der beiden Waffen gefunden worden sein und auch die Taten seien wohl mit einer dieser Waffen begangen worden. Die Polizei sei um 10.02 Uhr über die erste Tat in Tiefenthal informiert worden. Die Frau sei auf dem Gehweg vor ihrem Haus erschossen worden. Um 11.48 Uhr sei dann die Mitteilung eingegangen, dass der Verdächtige an einer Tankstelle in Bad Windsheim aufgetaucht war.

"Diese Tat wirft uns komplett aus der Bahn"

Der Bürgermeister von Leutershausen, Siegfried Heß, zeigte sich entsetzt. "In einem Ort mit 5500 Einwohnern, in dem wie immer beschaulich gelebt haben, kannte man solche Situationen nur aus dem Fernsehen", sagte Hess. Er sei "fassungslos und von den Socken". In so einem ländlichen Gebiet könne man sich so etwas gar nicht vorstellen. "Und dann passiert so etwas vor der Haustür. Da fällt einem nichts mehr ein." Er habe den Hinterbliebenen bereits kondoliert. "Diese Tat wirft uns komplett aus der Bahn."

Im September 2009 war ein 18 Jahre alter Gymnasiast an seiner Schule in Ansbach mit einem Beil, Messern und Molotow-Cocktails Amok gelaufen, er verletzte 15 Menschen. Das Landgericht Ansbach verurteilte den Täter im April 2010 zu neun Jahren Jugendhaft und wies seine Unterbringung in einer Psychiatrie an. (dpa)